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Güstrower Anzeiger

25. November 2017 | 03:15 Uhr

Arne Lietz : Aus Güstrow ins Europaparlament

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

svz.de von
erstellt am 31.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Arne Lietz, ein Güstrower Junge und wie er betont „ein Kind der DDR“, ist Europaabgeordneter. Mit dem Mandat der SPD hat er damit seine letzte Arbeitsstelle, die des Referenten des Oberbürgermeisters der Lutherstadt Wittenberg, gegen die eines Politikers des Europäischen Parlaments für Sachsen-Anhalt mit Büros in Wittenberg, Magdeburg und Brüssel eingetauscht.

Mehr oder weniger aber nicht geplant, denn Arne Lietz war Ersatzkandidat für Victoria Orioli. „Ich war ein so genannter Huckepack-Kandidat, der keinen eigenen Europa-Wahlkampf betrieben hat.“ Bereithalten musste er sich allerdings – für alle Fälle. Und d e r Fall trat ein: Orioli trat aus privaten Gründen zurück. Damit war der Weg für Arne Lietz frei. Mit dem verbesserten Ergebnis der SPD klappte es dann auch.

Für den 37-Jährigen, der ledig ist und keine Kinder hat, schließt sich damit ein Kreis, der allerdings groß ist. Denn die erste Begegnung mit Europa fand für Arne Lietz als Kind an der tschechischen Grenze statt. Als die Familie Lietz in der damaligen CSSR politische Freunde besuchen wollte, hatten die DDR-Grenzbehörden etwas dagegen, dass die Familie des DDR-Oppositionellen Heiko Lietz und seiner Frau Erika ins Bruderland reisen wollte.

Umso mehr nutzte Arne Lietz nach dem Mauerfall seine Möglichkeiten im neuen, vereinten Deutschland. Er fuhr schon früh in den „Westen“ und kümmerte sich vor allem um den Schüleraustausch im Güstrower John-Brinckman-Gymnasium. „Da habe ich damals schon im Kleinen Europapolitik betrieben“, sagt er. Er nennt es sein Einmaleins des Miteinander-Umgehens in Europa mit dem Fazit: „Ich habe Europa schon früh gelebt.“

Für Arne Lietz ist das auch ein Teil der Demokratie. Er betont: „Es ist wichtig Demokratie zu lernen, um sich als Bürger einzubringen.“ Seine Stationen gingen aber über Europa hinaus (siehe Lebenslauf). Er leistete u.a. Zivildienst in Amerika, studierte in Südafrika, arbeitete in den USA und England, war Repräsentant einer amerikanischen Bildungsorganisation in Europa. 2007 suchte er dann aber den Weg „raus aus der Pädagogik“. „Ich wollte in die Politik“, sagt er. Als Parteiloser schaute er zuerst zu den Bündnisgrünen, landete aber bei der SPD, bei dem Bundestagsabgeordneten Engelbert Wistuba.

Hier brachte er etwas mit auf den Weg, was er auch als Europapolitiker verfolgen wird: Das Thema „500 Jahre Reformation“, in Deutschland als gesamtgesellschaftliches Ereignis zu sehen und zu begehen und für Europa „ein Modell gesellschaftlicher, nicht nur religiöser Rückschau“. Bei der Präsentation für den Bundestag schloss sich für den gebürtigen Güstrower ein weiterer Kreis, denn mit dem Domstift Ribe ist Güstrows dänische Partnerstadt dabei.

Wichtig ist ihm weiter, dass Europa von den Menschen mehr gelebt wird. Hier will er Überzeugungsarbeit leisten. Und Arne Lietz will ostdeutschen Kommunen und Unternehmen zeigen, wie sie EU-Förderanträge „besser abgreifen“ können, um Perspektiven in Deutschland zu verbessern.

Dass er dazu alle Voraussetzungen mitbringt, weiß Erika Lietz. Die Mutter ist stolz, dass ihr Sohn nach Brüssel geht. „Ich finde es wunderbar, dass er die Verantwortung übernimmt“, sagt sie. Und sie hat ihm auch diesen Satz mit auf den Weg gegeben: „Mach’ was draus.“

Arne Lietz wird es tun und auch in Güstrow gern darüber Rechenschaft ablegen. „Ich werde meine Heimatstadt als Europaabgeordneter besuchen, denn für mein Selbstverständnis habe ich dafür im Gymnasium laufen gelernt.“


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