Roggow : Aus für Sozialhof in Roggow

Zum Monatsende wird der Sozialhof in Roggow geschlossen. Was aus der VS-Immobilie wird, ist noch unklar.
Zum Monatsende wird der Sozialhof in Roggow geschlossen. Was aus der VS-Immobilie wird, ist noch unklar.

Volkssolidarität schließt Kindertagesstätte und Heim – alternative Unterbringung für alle Kinder gefunden.

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15. Februar 2018, 05:00 Uhr

Der Sozialhof in Roggow schließt. Die Volkssolidarität (VS) als Träger sieht sich nicht mehr in der Lage, das Kinderheim und die Kindertagesstätte auf dem ehemaligen Gutshof in Roggow weiterzuführen. „Weil wir die Kapazitäten nicht mehr haben“, erklärt Petra Förster, Vorstand der Volkssolidarität, Kreisverband Mecklenburg-Mitte. Zum einen fehle es an Schützlingen, zum anderen aber auch an Personal. Vergebens war man monatelang auf der Suche.

Anfang der 1990er-Jahre hatte die VS zuerst die Kindertagesstätte in ihre Trägerschaft übernommen und dann den Sozialhof eingeweiht. Betreut werden hier Kinder und Jugendliche, die über das Jugendamt eingewiesen werden, weil es im Elternhaus Defizite oder soziale Verhaltensauffälligkeiten gibt. Zwölf Kinder und Jugendliche können betreut werden, zuletzt waren es acht. „Es sind zu wenig Kinder“, sagt Förster und denkt, dass so eine Einrichtung auf dem Lande vielleicht nicht mehr so attraktiv sei. Wie insgesamt in der Gesellschaft gehe der Trend in die Stadt, vermutet Förster und fügt hinzu: „Es werden aber alle versorgt. Das ist uns das Wichtigste, deshalb sind wir seit geraumer Zeit mit dem Jugendamt im Gespräch.“

Die Kindertagesstätte „Die kleinen Landleute“ mit derzeit 18 Kindern schließt bereits zum 1. März. Die Kinder werden dann in der Tagesstätte in Lalendorf – ebenfalls in VS-Trägerschaft – betreut. Das sei kein Problem gewesen, so Förster. Und weiter: „Das Heim wird so lange betrieben, bis für das letzte Kind eine Lösung gefunden ist.“ Dieser Zeitraum, so erscheint es, ist absehbar, erklärt doch das Jugendamt des Landkreises auf SVZ-Anfrage, dass für alle Kinder und Jugendlichen „bereits andere Perspektiven entwickelt bzw. andere Einrichtungen gefunden“ wurden.


Pogge – Agrarreformer aus dem 19. Jahrhundert

Allen Mitarbeitern, darauf verweist Förster, habe man eine Arbeit in anderen Einrichtungen der Volkssolidarität angeboten. Einige hätten schon im Vorfeld gekündigt oder würden einen anderen Weg gehen wollen, schiebt sie nach. Was aus der VS-eigenen Liegenschaft werden soll, sei noch unklar.

Bürgermeister Reinhard Knaack bedauert die Schließung des Sozialhofes. Dass dadurch kein Kind auf der Straße bleibt, sei tröstlich. Trotzdem sei es schade, weil aus seiner Sicht der ehemalige Gutshof mit dem Sozialhaus eine sehr gute Nutzung hatte. Knaack verweist auf die Historie des Anwesens, hatten hier doch die mit dem Tellower Johann-Heinrich von Thünen befreundeten Agrarreformer Carl (1763-1831) und Johann Pogge (1793-1854) ihr Zuhause. „Mit dem Sozialhaus war es doch in gewisser Weise eine öffentliche Einrichtung“, erklärt der Bürgermeister und erinnert sich, dass erst vor zwei Jahren das 12. Poggesymposium erstmals in Roggow stattgefunden hatte. Auch den Dorfplatz habe man in Poggeplatz umbenannt. Pogge gehöre zu Roggow. „Wir wären auch künftig an einer Nutzung mit einem gewissen öffentlichen Charakter interessiert“, betont Knaack.

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