zur Navigation springen
Güstrower Anzeiger

13. Dezember 2017 | 12:29 Uhr

Breesen : Aus für Dorfkrug in Breesen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Erika und Manfred Blohm geben nach 35 Jahren Gastwirtschaft und Pension auf: kein Nachfolger gefunden.

von
erstellt am 06.Dez.2017 | 05:00 Uhr

Es ist kalt im Dorfkrug Blohm. Die Wirtsleute, Manfred (66) und Erika (63) Blohm, heizen die Gasträume nicht mehr. Ins Fenster haben sie einen Zettel gehängt. „Aus Altersgründen geschlossen“, steht da handgeschrieben. 35 Jahre lang hat das Ehepaar das an der Bundesstraße 108 in Breesen gelegene Haus mit sechs Pensionszimmern geführt. Am 15. November gab es das letzte Essen, kehrten die letzten Gäste ein.

„Einmal ist auch Schluss“, sagt Erika Blohm. Mehr als das halbe Leben war der Dorfkrug in dem Laager Ortsteil ihr Leben. 1982 hatte die ausgebildete Kellnerin das Haus übernommen, ihr Mann blieb da noch zehn Jahre bei der LPG. Manfred Blohm half aber natürlich, nach Feierabend. Ebenso wie später die drei Kinder. „Die mussten immer mit ran. Oft genug tut es mir auch noch leid, dass sie ihre Jugend hier gelassen haben“, möchte Erika Blohm ihren Töchtern Madleen und Alexandra und Sohn Robert ganz besonders danken. Nicht minder gehe es ihr mit den beiden Angestellten, die sie die letzten 14 Jahre zuverlässig begleitet hatten. Köchin Christiane Migge habe gleich wieder eine Arbeit gefunden, während Kellnerin Isolde Pieper wohl in Rente gehen wird.

Doch so optimistisch wie sie noch im August waren, als sie 35 Jahre gefeiert hatten, erfüllte sich der Blohms’ Wunsch nach einer Nachfolge nicht. Die Töchter mit jeweils noch drei Kindern im Haushalt gehen längst andere berufliche Wege, ebenso Robert, der Berufssoldat werden möchte. „Gastronomiearbeit bedeutet immer auch Wochenendarbeit…“, weiß Erika Blohm ein heutzutage gewichtiges Argument jüngerer Leute, sich gegen solch ein Gewerbe auszusprechen. Dabei sei der Dorfkrug durchaus „eine Goldgrube“, wie die Blohms es selbst sagen.

„Aber wir sind schuldenfrei, können unbelastet in den Ruhestand gehen“, blickt das Ehepaar auf ein erfülltes und zugleich wirtschaftlich erfolgreiches Berufsleben zurück. Dabei erinnern sie sich noch sehr gut, wie sie das völlig veraltete Haus an der Straße übernommen hatten: Toiletten über den Hof, Heizung mit zehn Öfen, durchgewetzte Holzfußböden. Erika Blohm nennt bloß drei Beispiele. „Wir haben erst ein richtiges Haus draus gemacht“, sagt sie bestimmt. Doch 35 Jahre Dienst am Gast, geöffnet war jeden Tag „bis open end“ – das bleibt für das Paar nicht ohne Spuren, auch gesundheitlich. „Erst voriges Jahr haben wir uns einen Tag Ruhe in der Woche eingeräumt. Aber trotzdem: Es geht jetzt nicht mehr“, sagt Erika Blohm. Künftig wollen sie öfter ihr kleines Häuschen in der Türkei aufsuchen, das sie am Meer erwerben konnten.

An der Wand in Breesen zeugen noch gerahmte Zeitungsausschnitte von traditionsreicher Arbeit. Vom Schnitzel, so groß wie die Teller, ist da etwa die Rede. Oder auch Fotos mit bekannten Leuten, die im Gasthaus Station gemacht hatten, schauen einen an: Schauspieler Ben Becker, Fußballer René Rydlewicz, Apfelsinensaftkönig Dittmeyer… oder auch die Paldauer oder die Saragossa-Band, die für ein Essen spontan für alle sonstigen Gäste aufspielten. Eine Stimmung, nach der sich der Dorfkrug in Breesen wohl gerne wieder sehnen würde.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen