Familienschatz : Auf Spuren eines Poesiealbums

Dieter Kölpien (l.) und Gernot Moeller haben auf ihrer Internetseite einige Illustrationen aus dem Stammbuch des George Friedrich Pirscher zusammengestellt. Diese Illustration hat folgenden Text: „Der Frauenzimmer Lust, ist gleich dem Feder-Ball, Zu treiben uns herum, belachend unsern Fall“.  Fotos: Christian Menzel
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Dieter Kölpien (l.) und Gernot Moeller haben auf ihrer Internetseite einige Illustrationen aus dem Stammbuch des George Friedrich Pirscher zusammengestellt. Diese Illustration hat folgenden Text: „Der Frauenzimmer Lust, ist gleich dem Feder-Ball, Zu treiben uns herum, belachend unsern Fall“. Fotos: Christian Menzel

Die Güstrower Dieter Kölpien und Gernot Moeller forschen zu einem Stammbuch, das ein Apotheker im 18. Jahrhundert anlegte

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10. November 2015, 06:00 Uhr

Seit zirka 15 Jahren forschen Dieter Kölpien und Gernot Moeller gemeinsam auf verschiedenen Gebieten der Güstrower Stadtgeschichte. Sie erarbeiteten Studien zur Geschichte des Fernmeldewesens in der Region, zu Denkmalen in Güstrow, zur Geschichte der Feuerwehr, sammelten Fakten zu Barlachs Schwebenden und vieles andere mehr. Zurzeit ist in der Städtischen Galerie Wollhalle eine Ausstellung über die Künstlerin Vera Kopetz zu sehen, an deren Zustandekommen das Duo wesentlichen Anteil hatte.


Heimatforscher hoffen auf Hilfe


Zurücklehnen und Pause machen ist für das umtriebige Duo aber keine Option. Aktuell forschen Kölpien und Moeller über ein nahezu 250 Jahre altes Stammbuch des „der Apothekerkunst beflissenen“ George Friedrich Pirscher. Der Mann stammt aus Sommerfeld – heute polnisches Lubsko – in der Lausitz und lebte und arbeitete offenbar von 1770 bis 1778 in Güstrow. „Auf seine Spuren brachte uns ein bei Berlin lebender Nachfahre. Er hatte unsere Internetseite besucht und war auf unsere stadtgeschichtlichen Studien gestoßen“, erinnert sich Dieter Kölpien. Ausführlich informierte der Nachfahre die Güstrower über den Familienschatz und weckte damit umgehend deren Interesse. „Das Stammbuch – heute würden wir möglicherweise Poesiealbum dazu sagen – enthält 79 Eintragungen. Unter anderem stammten zwölf aus Rostock, drei aus Bützow, aber 53 von in Güstrow oder der Region lebenden Bürgern“, erzählt Gernot Moeller. Eine Namensliste haben die beiden Hobbyforscher auf ihrer Internetseite www.stadtgeschichte-guestrow.jimdo.de zusammengestellt. „Vielleicht kennt ja der eine oder andere Güstrower einen Namen und kann so etwas zum Bekanntenkreis von George Friedrich Pirscher beitragen“, hofft Kölpien.

Was das Stammbuch darüber hinaus bemerkenswert macht, sind die präzisen und sehr gut erhaltenen Illustrationen. Da gibt es Pflanzendarstellungen, aber auch Sprüche mit lustigen bis frivolen Alltagsszenen. „Leider sind die Blätter nicht signiert, aber es ist zu vermuten, dass der Textschreiber nicht auch der Zeichner der Bilder war“, sagt Kölpien. Bedanken möchte sich das Forscher-Duo bei einer 83-jährigen Güstrowerin, die die Transkription der in deutscher Schrift vorliegenden alten Texte besorgte, aber ungenannt bleiben möchte.

Auf ihrer Internetseite haben Kölpien und Moeller neben der Namensliste einige von vorwiegend Güstrower Bürgern vorgenommene Eintragungen veröffentlicht. Die beiden Heimatforscher haben die Hoffnung, vielleicht den einen oder anderen Hinweis zum Bekanntenkreis des George Friedrich Pirscher zu erhalten.

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