Güstrower Brücke gesperrt : Auf Schöninsel nur noch mit Boot

Andrzej und Zofia Lola wohnen im Gutshaus auf Schöninsel, doch der Fußweg ist ihnen jetzt versperrt.
Andrzej und Zofia Lola wohnen im Gutshaus auf Schöninsel, doch der Fußweg ist ihnen jetzt versperrt.

Inselbewohner ein-, Kühe ausgesperrt. Bürgermeister Schuldt: Sperrung der Brücke zeichnete sich lange ab.

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30. März 2016, 21:00 Uhr

Seit einer Woche ist Schöninsel gesperrt. Nicht das Eiland selbst, sondern die Holzbrücke, die die einzige feste Verbindung darstellt. Doch die ist so kaputt, dass sie nicht mehr betreten werden darf, warnen von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten. Selbst Fußgänger dürfen nicht mehr passieren. Eine Folge: Inselbewohner bleiben ein-, weidende Rinder ausgesperrt.

Adrzej und Zofia Lola kommen eiligen Schrittes über die Beplankung – was sie eigentlich nicht mehr dürften, als wir das Paar am Gründonnerstag unmittelbar nach der Komplettsperrung antreffen. „Betreten für Fußgänger und Radfahrer verboten“ steht unmissverständlich an der rot-weißen Sperrbake, die quer über den Brückenkopf gebaut ist. „Nicht einmal eine Woche vorher haben wir von der Stadt das Schreiben bekommen, in dem die Sperrung angekündigt wurde“, berichtet Andrzej Lola. Er und seine Ehefrau sind die einzigen Bewohner der Insel, sie sind die Haushälter für den Eigentümer des Gutshauses. Der hat das immer mehr verfallende Objekt aufwändig saniert, ist selbst aber selten vor Ort. „Er ist in Amerika und weiß vielleicht noch gar nichts von der Sperrung. Ich habe ihm eine Mail geschickt“, gibt Lola Auskunft.

Mit dem Boot müssten sie künftig übersetzen, die Stadt wolle eins bereit stellen. „Auf der Insel haben wir einen Steg, wo aber sollen wir hier anlegen?“, blickt sich der Haushälter fragend am landseitigen Brückenkopf um. Nicht nur sich selbst, auch Esel, Pferd, Schafe, Hühner, Enten, Fasane… hätten sie zu versorgen. Zum Einkaufen mit dem Ruderboot nicht quer, sondern längs über den See fahren, das könne wohl nicht ernsthaft die Lösung sein, denkt er. Zofia Lola: „Und wie das im Winter gehen soll, daran mag ich gar nicht denken…“ Dass die Brücke nicht einmal mehr Fußgänger tragen soll, mag sie nicht so recht glauben. Als wie auf Stichwort zwei Paddelboote unter der Holzkonstruktion durchfahren, muss sie schmunzeln: „Die müssten ja auch Angst haben, dass über ihnen alles einkracht.“

Schon jetzt im Frühjahr bekommt Landwirt Thomas Band ein Problem. Jedes Jahr in diesen Tagen bringt der Pächter der landwirtschaftlichen Flächen seine Jungrinder auf die Insel. „Für 50 Tiere fehlen mir jetzt über Sommer die Weideflächen. Die Stadt bietet mir ein Ruderboot an – ich versuche mir gerade vorzustellen, wie ich damit jede Kuh rüberfahre… Außerdem müssen die Flächen beweidet werden. Normal muss ich alle zwei Tage nach dem Rechten sehen“, berichtet der Kirch Rosiner. Vor drei Jahren habe er für zwölf Jahre auf Schöninsel die städtischen Flächen rund um den Wanderweg, den er ebenfalls in Schuss zu halten habe, gepachtet. Thomas Band ratlos: „Keine Ahnung, wie es weitergeht, ich habe keinen Plan.“


Vorwurf: Stadt tat nichts gegen diese Entwicklung


Den habe auch er nicht, gibt Arne Schuldt zu. Der Güstrower Bürgermeister wundert sich über die scheinbare Ahnungslosigkeit der Pächter. Seit längerem wüssten die, dass sich die Sperrung abzeichnen würde. Und Schuldt fragt sich, wie wohl die Kühe in den vergangenen drei Jahren auf das Eiland gekommen sein wollen. „Die Brücke offen lassen ging jetzt jedenfalls nicht mehr. Die Sicherheit geht vor.“ Und wenn es mal brennen sollte auf der Insel? Schuldt: „Die Feuerwehr hat ein Boot. Das dauert natürlich länger.“

Andrzej Lola wundert sich. Als sie einzogen auf Schöninsel, das war vor acht Jahren, war die Brücke mit 7,5 Tonnen befahrbar, erinnert er sich. Schon kurz darauf ging es auf 6 Tonnen runter, dann waren nur noch 3,5 Tonnen erlaubt, und vor drei Jahren wurde für Kraftfahrzeuge gänzlich gesperrt. „Da kamen wir aus dem Urlaub und standen mit dem Auto vor Betonsperren“, denkt Lola zurück. Die Entwicklung sei also absehbar gewesen. Warum seitens der Stadt nichts dagegen getan wurde, könne er nicht verstehen.

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