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Heute ist der Tag der Vermissten : Auf Nimmerwiedersehen weg

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Es ist ein Horrorszenario schlechthin: Ein nahestehender Mensch verschwindet aus seinem vertrauten Umfeld und wird nie wieder gesehen. Heute ist der Tag der Vermissten.

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erstellt am 30.Aug.2012 | 10:24 Uhr

Krakow am See/Teterow | Es ist ein Horrorszenario schlechthin: Ein nahestehender Mensch verschwindet aus seinem vertrauten Umfeld und wird nie wieder gesehen. "Das Schlimmste ist die Ungewissheit", sagt eine Frau aus Viecheln, deren erwachsene Tochter von einem Tag auf den anderen einfach weg war. Die Mutter erhielt in den zwei Jahrzehnten seit jenem Tag kein Lebenszeichen von ihr, der Verbleib wurde nie aufgeklärt.

Älterer Mann aus Krakow am See seit vier Jahren verschwunden

Diese Ungewissheit macht auch den mit ungeklärten Vermisstenfällen befassten Kriminalbeamten zu schaffen. Im Polizeirevier Teterow hat der Kriminalbeamte Roland Wölk einen solchen Fall aus dem Jahr 2008 auf dem Tisch. "An einem Sonnabend, es war der 3. Mai, ging die Anzeige ein, dass ein 83-jähriger Mann in Krakow am See verschwunden ist. Er war am Nachmittag gegen 16 Uhr zu seinem gewohnten Spaziergang aufgebrochen und zum Abendessen nicht zurück. Die Betreuer in der Wohnanlage hatten nach ihm gesucht, ohne Erfolg. Da verständigten sie die Polizei", beschreibt Wölk die damalige Situation. Die Beamten gehen in solchen Fällen nach bewährten Routinen vor. Zunächst wurde noch einmal die Wohnanlage systematisch durchkämmt. "Da schaut man in jede Besen- und Wäschekammer, denn auch dort wurden schon Leute aus Versehen eingeschlossen", schildert Wölk. Parallel begann eine groß angelegte Suche im Umfeld, insbesondere an der Strandpromenade. Ein Fährtenhund konnte eine Spur aufnehmen, doch die verlor sich wieder. Von der Seeseite war die Wasserschutzpolizei im Einsatz. Ein Hubschrauber mit Wärmebildsuchkamera suchte aus der Luft. Alles vergeblich. Am nächsten Tag durchstreifte die Polizei umliegende Wälder. "Natürlich waren auch Familienangehörige informiert, Nachfragen gab es am vorigen Wohnort des Vermissten, in der Stadt - alles ohne Ergebnis", resümiert der Kriminalist. Auch damit waren die polizeilichen Nachforschungen nicht am Ende. "Nach einiger Zeit wurde nochmals eine größere Suchaktion gestartet. Diesmal mit Leichenspürhunden. Die nehmen über Kilometer weit Witterung auf, doch auch das brachte uns auf keine Spur." Informiert hatte die Polizei ebenfalls den zuständigen Revierförster, der seinerseits die Jägerschaft in Kenntnis setzte. Doch auch von hier kamen keine Hinweise. Was der Polizei letztlich zu tun blieb, war die Sicherstellung von DNA-Material des Vermissten. Das wurde durch das Landeskriminalamt analysiert und in einer Datenbank für eine spätere Identifikation gespeichert.

Nachwuchs findet sich zumeist schnell wieder unversehrt an

Die dünne Akte schließend betont Roland Wölk, dass Fälle dieser Art in der Ermittlungsarbeit die große Ausnahme bilden. "Suchmeldungen nach Personen gehen immer wieder ein im Revier. Beispielsweise nach Kindern, die nicht zur erwarteten Zeit nach Hause kommen. Die Eltern heutzutage sind da sehr sensibel. In der Regel findet sich der Nachwuchs glücklicherweise schnell und unversehrt an."

Etwas schwieriger sei die Lage bei Jugendlichen. Vermisste in eigentlichem Sinne sind die meist nicht, denn sie gehen freiwillig weg. Ja. Es gebe sogar sogenannte Dauerausreißer. Doch auch diese meldeten sich meist nach einigen Tagen von allein. Zunehmend registriert die Polizei Fälle, dass ältere Menschen, oft in verwirrtem Zustand, nicht nach Hause kommen. Dann laufen groß angelegte Suchaktionen an, wie oben beschrieben. Dass diese wie im Fall des Krakowers völlig ins Leere gehen, das ist nach Aussage der Polizei wirklich die ganz große Ausnahme.

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