Künstler für Schüler : Auf der „Insel der Blaufüßigen“

Henning Spitzer erklärt Niklas Lenz die Verarbeitung von mit Gips getränkter Holzwolle.
Henning Spitzer erklärt Niklas Lenz die Verarbeitung von mit Gips getränkter Holzwolle.

Der Güstrower Bildhauer Henning Spitzer betreut eine 1. Klasse der Kerstingschule in dem Landesprojekt „Künstler für Schüler“.

svz.de von
01. Juni 2016, 05:00 Uhr

Reges Treiben herrscht auf der „Insel der Blaufüßigen“. Elf Schüler der Klasse 1b der Güstrower Kerstingschule hantieren mit Gips und gestalten unter der Anleitung von Bildhauer Henning Spitzer einen Hocker, eine Bank oder einen Stuhl. Ganz auf kreative Arbeit eingestellt, haben sich die Erstklässler die Arme hochgekrempelt, eine Schürze umgebunden oder einen Kittel angezogen und blaue Füßlinge über die Schuhe gestreift. Die „Insel“ ist eine große Plane auf dem Hof vor dem ehemaligen jüdischen Gemeindehaus im Krönchenhagen, in dem der Künstler sein Atelier hat. Auf der Decke stehen die Exponate, an denen die Schüler eifrig werkeln.


43 Künstler-Workshops an 38 Schulen


Die Aktion, zu der sich die Schüler mit ihrer Lehrerin Hannelore Pächnatz einmal in der Woche treffen, gehört zu dem landesweiten Projekt „Künstler für Schüler“, das das Kulturwerk des Künstlerbundes Mecklenburg und Vorpommern seit 2000 mit dem Kultusministerium organisiert. In der jetzt 17. Auflage leiten 43 Künstler-Workshops an 38 Schulen in ersten bis zwölften Klassen. Der Güstrower Bildhauer und Maler Henning Spitzer, der sein Projekt mehrdeutig „Mein Platz in dieser Welt“ nennt, war bereits sieben- oder achtmal dabei. „Aber fast immer waren es ältere Schüler in Gymnasien, für die ich Projekte entwickelt habe. Eine 1. Klasse – da hatte ich zunächst einige Bedenken“, erinnert sich Spitzer. Auch Klassenlehrerin Pächnatz war anfangs skeptisch. „Im Werkunterricht stehen bei den ABC-Schützen Papierarbeiten auf dem Plan. Aber hier mussten sie mit dem Zollstock messen, Leisten sägen, Draht biegen und Teile verschrauben. Aber es klappte hervorragend“, schätzt die Pädagogin ein.

Mit einem Tanz im über dem Atelier liegenden Saal stimmen sich Schüler und Künstler auf den Workshop ein. Dieses Mal stehen Gipsarbeiten auf dem Plan. Kathrin und Laura rühren unter Spitzers Anleitung die Gipsmasse an. „Es muss so viel Gips in das Wasser, bis sich eine Insel bildet“, sagt der Künstler. Dann gilt es, schnell und zielstrebig zu arbeiten, damit der Gips nicht hart wird. Immer wieder waschen sich die Schüler in klarem Wasser die Hände. Mit in Gips getränkten Stoffstreifen oder Holzwolle werden Sitzflächen belegt oder Lehnen umwickelt. Allmählich nehmen die Sitzmöbel Gestalt an. „Auffällig ist die Hilfsbereitschaft, die in der Gruppe herrscht. Da werkelt keiner allein oder in Cliquen vor sich hin. Jeder hilft jedem“, hat Spitzer beobachtet.

Der eine kann gut mit dem Schraubendreher umgehen, der andere kommt mit dem Gipsen besser zurecht. „Jeder baut ein Möbelstück, aber am Ende ist es auch Teamarbeit“, versichert Spitzer, der nach dem gut eine Zeitstunde dauernden Workshop fix und fertig ist. Während die Schüler die „Insel der Blaufüßigen“ verlassen, die Arbeitssachen ausziehen und die Gipsreste abwaschen, schaut er sich den Arbeitsstand an jedem Objekt an. Wenn die Gipsarbeiten abgeschlossen sind, schwebt ihm vor, die Sitzmöbel mit Mosaiken im Stile des spanischen Künstlers und Architekten Antoni Gaudi zu bekleben.

Aber bis spätestens Mitte Juli muss das Projekt abgeschlossen sein. Denn am 14. Juli erfolgt im Güstrower Schloss die Präsentation aller 38 in diesem Jahr bei „Künstler für Schüler“ realisierten Vorhaben. Das wird zugleich der letzte öffentliche Termin vor dem Beginn der Sanierungsarbeiten am Renaissanceschloss sein.

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