Güstrow : Auf dem Weg zu einem Integrationskonzept

Arbeitsgruppen zur Integration: Christian Meier (r.) vom Komm-Center Güstrow und Hannes Roggelin von „Bad Doberan hilft“ notieren Vorschläge für eine gelungene Integration.
Arbeitsgruppen zur Integration: Christian Meier (r.) vom Komm-Center Güstrow und Hannes Roggelin von „Bad Doberan hilft“ notieren Vorschläge für eine gelungene Integration.

Zirka 160 Teilnehmer waren gestern beim 1. Integrationsgipfel des Landkreises Rostock in der Barlachstadt zu Gast.

svz.de von
06. März 2018, 12:00 Uhr

Peter Müller vom Bützower Berufsbildungsverein schaute unschlüssig in seine Unterlagen. Für welche der fünf Arbeitsgruppen, die beim 1. Integrationsgipfel des Landkreises Rostock angeboten wurden, sollte er sich entscheiden. „Eigentlich müsste ich mich bei ‚Ausbildung und Beschäftigung‘ einbringen. Aber auch ‚Bildung‘ wäre interessant“, rätselte er. Der Geschäftsführer betreut in seiner Einrichtung zurzeit zwölf Flüchtlinge. Sie kommen aus Afghanistan, Syrien, Eritrea und Ägypten und die Liste ihrer Berufsvorstellungen ist anspruchsvoll. „Sie wollen Pilot werden oder Apotheker oder Mechatroniker“, zählt Müller auf. Das Problem sei indes bei fast allen, dass sie nicht einsehen, dafür lange zur Schule gehen zu müssen.

Das war nur ein Konflikt, der gestern beim 1. Integrationsgipfel zur Sprache kam. 160 Teilnehmer aus Behörden, Unternehmen, Schulen, kulturellen Einrichtungen und Vereinen, darunter zahlreiche Ehrenamtliche, waren in den Kreistagssaal gekommen, um ihr Wissen und ihre Erfahrung einzubringen und Anregungen mitzunehmen. Es sei genau die gesellschaftliche Breite erreicht worden, die das Thema verlange, stellte Landrat Sebastian Constien fest.

Am Ende der Diskussionen in den fünf Arbeitsgruppen Sprache, Unterbringung und Betreuung, Ausbildung und Beschäftigung, Bildung sowie gesellschaftliche Teilhabe bei der Freizeitgestaltung, beim Sport, in der Kultur und im Ehrenamt solle nach etwa einem Jahr das Integrationskonzept des Landkreises Rostock stehen, gab er vor. Ein solches Konzept sei schon deshalb notwendig, weil im Landkreis derzeit 7200 Migranten aus 90 Nationen leben. „Das ist sowohl eine Bereicherung für Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft, als auch eine Herausforderung im täglichen Miteinander“, sagte der Landrat.

Zahlen steuerte auch Dagmar Kaselitz, die Integrationsbeauftragte der Landesregierung, bei. Das Land habe bereits 2006 ein erstes Integrationskonzept vorgelegt, das 2011 fortgeschrieben worden sei. Damals – 2011 – lebten 29 715 Migranten in Mecklenburg-Vorpommern. „Diese Zahl hat sich mit Stand 31. Oktober 2017 mehr als verdoppelt. Denn nun sind es 73 725 Menschen“, informierte sie.

Tipps für die praktische Arbeit in den Gruppen gab Hartmut Gutsche vom Regionalzentrum für demokratische Kultur. „Im ersten Schritt dürfen Sie träumen und alle ihre Wünsche für eine gelungene Integration nennen“, sagte er. Danach sei eine Iststand-Analyse anzustreben und die Frage zu beantworten, welche Herausforderungen sich aus der Gegenüberstellung von Wunsch und Realität ergäben. Daraus wiederum sollten konkrete Gestaltungsziele und Vorschläge für deren Umsetzung erarbeitet werden. „Das ist ein langer Weg, aber andererseits ist gerade die Kommunikation auf diesem Weg das Ziel“, betonte er.




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