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Historische gerichtsfälle : Auf dem Scheiterhaufen im „Hexendorf“ Glasewitz

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Historische Gerichtsprozesse in Güstrow“ / Hexenverfolgungen in der frühen Neuzeit

Es ist kaum zu glauben, dass nach der Blütezeit der Renaissance und der sich daran anschließenden geistigen Bewegung der Aufklärung über Europa eine Welle von Hexenprozessen ging. Sicher spielte der 30-jährige Krieg mit seinen schrecklichen Auswirkungen wie Raub, Brandschatzung, Zerstörung, Gewalt und somit Verrohung der Sitten eine entscheidende Rolle, doch ist es wohl nicht die alleinige Ursache für die Auswüchse hinsichtlich der unseligen breit gefächerten Hexenverurteilungen.

Am Beispiel der kleinen Gemeinde Glasewitz werden diese Exzesse besonders deutlich. Einen Verfolgungshöhepunkt gab es unter dem Güstrower Herzog Gustav Adolf zwischen 1660 bis 1671. Bereits 1449 hatte die Stadt Güstrow das Dorf Glasewitz gekauft. Das nunmehrige Stadtdorf bestand damals aus elf Höfen, um 1700 etwa 100 Einwohner. Streitigkeiten bei der Vererbung der Höfe, hinsichtlich der Zwangsabgaben an die Stadt und an die Kirche führten häufig zu Neid und Missgunst. Die Folge war, dass es Beschuldigungen und Denunziationen bei der Obrigkeit gab. Der Nachbar wurde der Hexerei, der Besessenheit oder der Teufelei beschuldigt, wenn es zum Beispiel um Erbfragen ging. Die Zuständigkeit lag bei der Güstrower Justizkanzlei , bei schweren Fällen, und das waren Anschuldigungen der Hexerei, auch oft in Zusammenarbeit mit der Rostocker oder der Greifswalder Universität.

Die Rechtsprechung basierte noch auf der so genannten Carolina, einer Rechtsform, erlassen von Kaiser Carl V. 1532, ergänzt in der Folgezeit in Mecklenburg durch mehrere Polizeiordnungen. Danach landeten Hexen auf dem Scheiterhaufen, gerädert wurden Mörder und Giftmischer, enthauptet wurden Räuber und Aufrührer, gehenkt wurden Einbrecher und Diebe.

Da es sich in Glasewitz um Anschuldigungen der Hexerei handelte musste die Justiz dieser Sache nachgehen. Im Güstrower Stadtarchiv liegen die Akten zu den dann folgenden Prozessen. Bevor es zu einer Verurteilung kam gab es eine „Befragung“ des Beschuldigten oft mit Territion (Zeigen der Folterinstrumente) verbunden, danach die „peinliche Befragung“, die Folter, die auch wiederholt werden konnte. In der Regel „gestanden“ dann die Beschuldigten, wegen der unmenschlichen Torturen. Gefoltert wurde übrigens im Güstrower Fangelturm (Armesünderturm). Zwischen 1660 und 1670 landeten mit Sicherheit alleine neun „Hexen“ auf dem Scheiterhaufen in Glasewitz selbst. Einige konnten aus der Haft fliehen oder wurden frei gesprochen


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