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Güstrow : Asylbewerber stehen im Kreishaus Schlange

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Auszahlung der Leistungen führte zu so nicht erwartetem Ansturm / Verwaltung sucht nach besserer Lösung

von
erstellt am 09.Okt.2014 | 22:00 Uhr

Die Auszahlung der monatlichen Barmittel an Asylbewerber hatte am Montag für eine ungewöhnliche Situation im Güstrower Kreishaus gesorgt: eine lange Schlange wartender Menschen auf dem Flur, Frauen und Männer aus aller Herren Länder vor dem Kreishaus. Heiko Karmoll (CDU), der am Montag auf dem Weg ins Bauamt war, regte auf der Sitzung des Kreisausschusses am Mittwochabend an, die „Auszahlung an die Asylanten doch in die alte Ausländerbehörde“ zu verlegen. Karmoll meinte damit den Eingang des Kreishauses an der Domplatz-Seite.

Betretene Gesichter in der Runde. Joachim Hünecke bat um „Political Correctness“. „Wir sprechen von ausländischen Flüchtlingen“, betonte der FDP-Mann aus Sanitz und erinnerte sich an einen Landrat Anfang der 1990er-Jahren, der mit Flüchtlingen in einer solchen Situation in Latzhose getanzt und gesungen habe. „Die lange Schlange mag manchen irritiert haben, aber es lief alles gesittet ab“, betonte Lars Schwarz (CDU). Landrat Sebastian Constien, der am Montag selbst mit Wartenden gesprochen hatte, kündigte an, „mehr Ordnung in das Verfahren“ bringen zu wollen.

Die Situation erklärte Dezernent Rainer Boldt. Eine Auszahlung der Barmittel erfolge im Kreishaus, weil sie allein aus Sicherheitsgründen anderswo nicht erfolgen könne. Außerdem sei etwa die Hälfte der derzeit rund 780 Asylbewerber und Flüchtlinge im Landkreis Güstrow dezentral untergebracht. Bei einer Auszahlung in einer Gemeinschaftsunterkunft müsste man mit einer Sicherheitsfirma – schließlich werde Geld transportiert – anrücken. „Das wäre wohl unpassend“, schätzt der Dezernent ein.

Boldt räumt ein, dass man das Problem vielleicht unterschätzt habe. „Es sind in den vergangenen Wochen viele Asylbewerber hinzugekommen“, erklärt Boldt. Diese seien außerhalb untergebracht bis die neue Unterkunft in der Güstrower Südstadt hergerichtet sei.

Nun seien am Montag wohl viele gleichzeitig mit einem Bus in die Kreisstadt gekommen. „Flüchtlinge haben uns auch erzählt, dass man nicht glaubt, dass nachmittags um 16 Uhr noch Geld da ist“, berichtet Boldt. „Sicher war es ungewöhnlich – der ganze Flur voller Menschen. Aber das Leben im Kreishaus ist bunt. Da kann es auch mal ein Wuling geben“, sagt Boldt und kündigt an, im Interesse der Flüchtlinge die Situation bei der Auszahlung der Barmittel zu entzerren. Im Haus am Wall 5 gebe es einen größeren Wartebereich, auch die Räume, die dort bis 2012 von der Ausländerbehörde genutzt wurden, seien größer. Derzeit seien sie aber belegt. Hier müsse über Umzüge nachgedacht werden.

Eines aber machte Boldt deutlich: „Völlig stressfrei werden wir es nicht gestalten können.“ Der Zuwachs an Asylbewerbern, die in den Landkreis kommen, sei enorm. Für die nächste Woche sei eine weitere Gruppe angekündigt, die der Landkreis in Kühlungsborn unterbringen werde. „Am Ende des Monats werden es über 800 sein“, vermutet der Dezernent.

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