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Güstrow: Bürger informierten Behörden : Asbestbelastete Industriehalle wild abgerissen

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Läuft es mit rechten Dingen beim Rückbau der Kappel-Bau-Ruinen in Güstrow? Unser Leser Hans Jochen Reincke hatte da ernsthafte Zweifel. Er habe selbst in seinem Beruf Asbest entsorgt und gemerkt, da stimmt etwas nicht.

svz.de von
erstellt am 22.Jul.2013 | 07:38 Uhr

güstrow | Läuft es mit rechten Dingen beim Rückbau der Kappel-Bau-Ruinen am Ende der Lagerstraße? Unser Leser Hans Jochen Reincke hatte da ernsthafte Zweifel. Er habe selbst in seinem Arbeitsleben Asbest entsorgt, und aus dieser Erfahrung heraus sei ihm aufgefallen: Das kann so nicht stimmen! Obwohl es doch offensichtlich sei, dass in den Industrieruinen der Krebs erregende Baustoff enthalten ist, arbeiteten die Leute ohne Mundschutz. Auch habe man eine Halle einfach zum Einsturz gebracht, anstatt sie ordentlich Stück für Stück abzubauen und den belasteten Schutt sorgsam zu verpacken - so sei es schließlich aus seiner Sicht vorgeschrieben, meint unser Leser. Und besonders stutzig machte Herrn Reincke, dass das alles am Sonntag passierte, ein Tag, an dem bestimmte Ämter bekanntlich nicht arbeiten…

Während Hans Jochen Reincke gestern früh die SVZ-Lokalredaktion über das sonderbare Geschehen informierte, waren andere Bürger offensichtlich auch schon bei Behörden vorstellig. Schon kümmerte sich die Polizei um den Fall, war das Landesgesundheitsamt (Lagus) vor Ort. Das Lagus bestätigt, dass es nach Hinweisen des kreislichen Umweltamtes tätig wurde. Bei der Kreisverwaltung waren zuvor mehrere Bürgeranzeigen zu dem Geschehen eingegangen.

Um eine illegale Entsorgungsaktion, dies schon mal klargestellt, handele es sich nicht; eine Abrissgenehmigung liege vor, so die erste Aussage vor Ort. Allerdings stellten die Beamten auf den ersten Blick fest: Der Umgang mit dem anfallenden Material ist unsachgemäß.

Schon vergangene Woche seien ihre Mitarbeiter vor Ort gewesen, um mit dem Eigentümer des Grundstücks den Ablauf des Abrisses abzustimmen, berichtet Lagus-Sprecherin Anja Neutzling. Denn längst war bekannt, dass Gefahrstoffe wie Asbest oder die gefährliche Mineralwolle Karmelit im Spiel sein würden. Gestern sei festgestellt worden, dass die Abrissfirma sich nicht an die Festlegungen halte. So sei es nicht erlaubt, die betreffende Halle mit dem Bagger einzureißen; vielmehr sei zur Demontage eine Hubarbeitsbrücke zu nutzen.

Der Abbruch der Halle wurde deshalb gestoppt. Das Gelände ist abzusperren, und es ist eine zugelassene, eine andere Firma mit höherer Qualifizierung zu beauftragen, so die neuen Auflagen. Ein weiterer Abbruch sei erst gestattet, wenn die Gefahrstoffe restlos fachgerecht beseitigt sind.

Zudem sei der Fall an die Staatsanwaltschaft übergeben worden. Neutzling: "Es besteht der Verdacht einer Straftat nach Gefahrstoffverordnung."

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