Axtprozess Güstrow : Arzt-Kollege gibt Krankenakte nicht raus

Holzfäller Rico G. wird beschuldigt, den Psychatrie-Chef im Güstrower KMG-Klinikum mit einer Axt angegriffen zu haben. In der Zeugenbefragung weigerte sich ein Arzt, die Krankenakte rauszugeben.

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05. November 2010, 07:33 Uhr

Güstrow/Rostock | Das Sicherungsverfahren wegen versuchter Tötung gegen den Holzfäller Rico G. (33) aus Neustrelitz vor dem Landgericht Rostock (SVZ berichtete) wurde jetzt mit Zeugenbefragungen fortgesetzt. Der Mann wird beschuldigt, am 3. Mai versucht zu haben, den Chefarzt der psychiatrischen Abteilung des KMG-Klinikums Güs trow mit einer Spaltaxt zu töten.

15 Zeugen sollen angehört werden. Einer davon war jetzt der Rostocker Amtsrichter Mathias H. Er hatte den 33-Jährigen als Haftrichter in der Güstrower Klinik aufgesucht. Rico G. sei an den Armen und Beinen fixiert gewesen. Er hätte geklagt, dass er sich nicht bewegen könne. Er wolle nach Neubrandenburg verlegt werden. Als Motiv für seine Tat hätte er angegeben, dass Dr. Stefan Sch. ihm mit dem Tod gedroht hätte, wenn er sich nicht behandeln ließe. "Ich habe nur aus Notwehr gehandelt", hätte Rico G. gesagt.

Der Vorsitzende Richter der 3. Großen Strafkammer des Landgerichtes Rostock informierte darüber, dass Dr. Rainer K., Chefarzt der psychiatrischen Klinik in Neubrandenburg, sich weigern würde, die Krankenakte des Beschuldigten herauszugeben, obwohl der ihn von seiner ärztlichen Schweigepflicht entbunden hatte. Gericht und Staatsanwaltschaft erwägen nun eine polizeiliche Hausdurchsuchung, um die Akten sicher zu stellen.

G. hatte sich am ersten Prozesstag bei seinen behandelnden Ärzten entschuldigt. Dr. Stefan Sch. forderte aber, darüber informiert zu werden, wenn der Beschuldigte entlassen wird, damit er Polizeischutz beantragen könnte.

Rico G. ist seit dem 6. Mai in der Ameos-Klinik für forensische Psychiatrie in Ueckermünde untergebracht. Die Staatsanwaltschaft geht wegen eines vorläufigen forensisch-psychiatrischen Gutachtens davon aus, dass er im Zustand der Schuldunfähigkeit handelte. Der Prozess wird am 17. November fortgesetzt.

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