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Güstrower Anzeiger

25. November 2017 | 10:46 Uhr

Güstrow : Archiv in alten Schlauchturm?

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Stadt Güstrow muss altes Gebäude dringend sanieren. Zwei sehr unterschiedliche Varianten – und Kosten.

von
erstellt am 25.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Die Barlachstadt ringt um den Erhalt ihres historischen Schlauchturmes in der Baustraße. Das Denkmal ist dringend sanierungsbedürftig. Äußerlich sind Schadstellen im Mauerwerk zu sehen, bereits zweimal seien sogar schon Ziegelsteine herausgefallen. „Gott sei Dank ist bisher nichts weiter passiert“, sagt Maik Titze, der in der Stadtverwaltung für das Gebäudemanagement zuständig ist. Und im Innern des Turmes, der weitgehend leer steht und mit Ausnahme des Erdgeschosses ungenutzt ist, machen sich’s immer wieder Tauben gemütlich – samt Hinterlassenschaften. Zudem macht inzwischen Schwamm dem Tragwerk zu schaffen, Holzschutzmittel belasten zusätzlich die Raumluft. Titze: „Da geht niemand mehr ohne Schutzausrüstung rein.“


„Da geht niemand ohne Schutzanzug rein“
 

Um das markante Gebäude in der Innenstadt flott zu machen, hat die Verwaltung jetzt zwei Varianten herausgearbeitet. Beide kosten viel Geld, und die Stadtvertretung muss sich am Ende für eine entscheiden. Für knapp 2 Millionen Euro gibt es ein kühn anmutendes Projekt: Das Stadtarchiv, das in den Räumen am Franz-Parr-Platz unter dem Stadtmuseum aus allen Nähten platzt, könnte in dem Turm eine neue und zukunftsfähige Bleibe finden. Dazu müsste ein zweigeschossiger Anbau über dem Erdgeschoss installiert werden, in dem ein kleines Foyer inklusive Toiletten Aufnahme fände. Die Haustechnik müsste ins Kunsthaus verlagert werden, dazu wäre ein Durchbruch erforderlich. Das Kunsthaus und die AWG, deren Bewohner im „Sonnenhof“ vis-à-vis auf das Bauwerk schauen, hätten ihr grundsätzliches Einverständnis für diese beiden Änderungen bereits signalisiert, berichtet Titze. Über dem Erdgeschoss deshalb, weil in diesem ein Blockheizkraftwerk der Stadtwerke weiter arbeiten müsse. Dann könnten die oberen Etagen als Arbeitsraum und für die Archivflächen genutzt werden. So die grobe Vorstellung für eine Nutzbarmachung des Klinkerbaus, mit der auch die Denkmalbehörde mitgehen könnte.

Allerdings zeichnete sich im Bauausschuss noch keine Mehrheit für das Vorhaben ab. Offenbar besteht noch viel Klärungsbedarf, denn die eine Gegenstimme von Hartmut Reimann (SPD) reichte aus, um als Ausschuss der Stadtvertretung das Projekt nicht zu empfehlen. Reimanns Bedenken – und offenbar auch anderer: große Belastung für den städtischen Haushalt (535  000 Euro), die zur Verfügung stehenden Städtebaufördermittel (1,43 Millionen Euro) könnten auch woanders gut eingesetzt werden. Und: Braucht man so ein großes Archiv bei zunehmender Digitalisierung? Auch hätte Reimann gerne andere Kostenvoranschläge, etwa für einen separaten Neubau für das Stadtarchiv, gesehen.

Alternativ liegt ein Konzept auf dem Tisch, das mit deutlich weniger Finanzmitteln auskommt: 688  000 Euro. Allerdings: Bei dieser Variante würde lediglich Schadensbeseitigung betrieben werden. Der Turm bliebe weiterhin ungenutzt, mit Ausnahme des Blockheizkraftwerkes.

Wesentlich für den gravierenden Kostenunterschied zwischen den beiden Varianten sind die erforderlichen baulichen Zusatzmaßnahmen bei Nutzung des Turms: Ertüchtigung der Decken, Heizung und Lüftung, Aufzug, Brandschutz…

Die Archivvariante für den Turm würde freilich nicht zu unterschlagende Folgekosten nach sich ziehen: Regale für das Archivgut, Medienausstattung, Wartung und Instandhaltung, Heizung, Reinigung… Eine anderer Nebeneffekt: Bei Auszug des Stadtarchivs aus dem Franz-Parr-Platz könnte das ebenfalls dringend platzbedürftige Museum Nutznießer sein – zwei Fliegen wären mit einer Klappe geschlagen, und das ohne größere Umbaumaßnahmen, so Titze. Die Stadtvertretung soll aus Sicht der Verwaltung bereits am 7. Dezember die grundsätzliche Richtung vorgeben. Eine Ausführung der Bauarbeiten könnte dann frühestens 2020 beginnen.

 

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