Güstrow : April-Kälte sorgt für weniger Obst

Obstbauer Wolfram Pohl an einem Pflaumenbaum, dessen Blüten durch die Kälte erfroren sind.
Obstbauer Wolfram Pohl an einem Pflaumenbaum, dessen Blüten durch die Kälte erfroren sind.

Der Obsthof Sternberg in Badendiek und der Obstbaubetrieb Fetkenheuer in Güstrow rechnen mit hohen Ernteeinbußen in diesem Jahr.

svz.de von
08. Mai 2017, 21:00 Uhr

Wolfgang Sternberg vom Obsthof und Bio-Obsthof Badendiek stand in den vergangenen Wochen oft in seiner 35 Hektar großen Obstplantage, blickte Hände ringend zum Himmel und bat im wahrsten Sinne des Wortes um gut Wetter für seine Obstbäume. Aber es half nichts. „Der April war mit seiner Kälte für uns eine Katastrophe. Bei Äpfeln und Birnen rechne ich mit einem Verlust zwischen 40 und 50 Prozent, bei Süßkirschen und Pflaumen sogar mit 80 Prozent“, prognostiziert Wolfgang Sternberg. Kopfschüttelnd blättert er dabei in einer Mappe. Sie enthält alle April-Wetterdaten. „Die Nächte zum 19. und 20. April mit Minustemperaturen von 2,5 Grad Celsius machten unseren Blüten den Garaus, denn Frostschutzberegnung können wir uns nicht leisten“, schüttelt der erfahrene Obstbauer verzweifelt den Kopf. Danach seien die meisten Blüten innen schwarz und damit tot gewesen, so Sternberg.

Seit 1991 führt er den Familienbetrieb. Aber so etwas hat er noch nicht erlebt. Sternberg: „Wir Obstbauern leben natürlich mit dieser Gefahr und wir bekommen auch jedes Jahr Frost ab. Aber so schlimm war es eben noch nie“, beklagt der 61-Jährige die Situation nach der „drittkältesten zweiten Aprilhälfte in den vergangenen 56 Jahren“. Sternberg rechnet vor: „Wir ernten im Durchschnitt im Jahr 800 Tonnen Äpfel. Jeder kann sich ausrechnen, was eine Einbuße von bis zu 50 Prozent bedeutet.“ Sparmaßnahmen, Kurzarbeit oder Kündigungen im Winter könnten die Folgen sein. Wobei dabei ein Familienbetrieb – Frau, Sohn und Schwiegertochter sind die Belegschaft – von Vorteil sei, sagt er.

Trotz allem steckt Wolfgang Sternberg den Kopf nicht in den Sand. „Etwas Hoffnung besteht noch, weil die Blüte erst zum 20. Mai ganz durch ist und da könnten die Blüten in den Kronen der alten Bäume noch fruchten“, schätzt er ein. Außerdem könnte eine schlechte Ernte den Preis anheben. Das kommt dem Bio-Obsthof zu Gute. Sternbergs Äpfel werden zur Hälfte zu Apfel-Chips und Trockenobst sowie Babynahrung verarbeitet. Weil mit Bio mehr Erlöse zu erzielen sind, bei konventioneller Ware kein Geld mehr zu verdienen ist und das Russland-Embargo die deutschen Obstanbauer schwächt, hat sich Wolfgang Sternberg entschieden, ab 2018 nur noch als Bio-Obsthof aufzutreten. Dazu sind erste Vorbereitungen getroffen. Auf drei Hektar sind über 30 Jahre alte Apfel-Bäume gerodet. Dafür werden 3000 bis 3500 neue Apfel-Bäume gepflanzt.


Zweite Füllstrecke für Lohnmosterei im Bau


Auch Frank Fetkenheuer vom gleichnamigen Obstbaubetrieb in Güstrow bestätigt: „Das war richtig schlimm mit der Kälte und wir hatten auch noch keinen Tag Bienenwetter. Wir werden Minimum 50 Prozent weniger Äpfel ernten und 70 Prozent Einbuße bei Kirschen und Pflaumen haben.“ Trotzdem lässt auch er sich nicht unterkriegen, hofft auf Entschädigungen vom Land und auf den Ertrag einiger später Sorten. Fetkenheuer: „Als Obstbauer musst du damit rechnen. Wenn es eintrifft, musst du von den Reserven leben.“ Oder sich etwas einfallen lassen. Um die Wartezeiten für die Kunden bei der gut funktionierenden Lohnmosterei zu verbessern, baut Frank Fetkenheuer z.B. bis zum Herbst eine zweite Füllstrecke auf. Mit Wolfram Pohl wird er wie jedes Jahr einen neuen Saft im Hofladen anbieten. Beibehalten wird die Tomatensaftproduktion, die im vergangenen Jahr ihre erfolgreiche Premiere hatte.
Eine Marktnische füllen die Obstbauern Fetkenheuer und Pohl mit ihrem Pflanzenhandel. Landnelken, Tomatenpflanzen und 2170 von Wolfram Pohl getopfte Freiland-Chrysanthemen stehen bereit. Wer beim Aussuchen Hunger bekommt, der ist seit 2. Mai wieder am Imbiss von Anett Wendt richtig, der im vergangenen Jahr um Räucherfisch erweitert wurde. „Der Imbiss ist auf meinem Gelände inzwischen nicht mehr wegzudenken“, nutzt Frank Fetkenheuer auch eine solche Möglichkeit, seinen Betrieb für seine Kundschaft attraktiver zu machen – trotz des schlechten Wetters.








zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen