Güstrow : Anschlag überschattet Politiker-Besuch

Die Güstrower Stadtvertreterin Karen Larisch (Die Linke)
Die Güstrower Stadtvertreterin Karen Larisch (Die Linke)

In der „Villa Kunterbündnis“ in Güstrow treffen sich Menschen mit Toleranz und offenem Blick für die Welt. Das passt offenbar nicht allen.

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20. August 2015, 21:00 Uhr

Eigentlich wollte sich Andreas Katz, Landesvorsitzender von Bündnis90/Die Grünen, „nur“ über die Arbeit der „Villa Kunterbündnis“ informieren. Doch als er auf seiner politischen Sommertour gestern in Güstrow Station machte, gab es Gesprächsstoff nach einem neuerlichen Anschlag auf die Wohnungstür der Stadtvertreterin Karen Larisch.

Das Zuhause der Leiterin des sozialen Projektes war, wie zunächst vermutet, von Butter- oder Milchsäure besudelt worden. Obwohl dies nach Recherchen bereits in der Nacht zum Mittwoch, zwischen 0.30 und 6 Uhr, erfolgt sein muss, stellten Polizeibeamte den Sachverhalt erst am Abend fest. Laut Polizeisprecherin Kristin Hartfil sei die Polizei nicht informiert worden, und eine Streife wäre eher zufällig auf den Vorfall gestoßen. Die Beamten hätten Fotos gemacht und Proben von der unbekannten, übel riechenden Substanz bräunlicher Färbung genommen. Der anfängliche Verdacht eines Milchsäureanschlags sei inzwischen aber auszuschließen, informierte Hartfil gestern.

Der Anschlag zeigt, dass Rechtsextreme in Güstrow weiterhin versuchen, die Linke-Politikerin Karen Larisch einzuschüchtern. Schon lange schrecken die Täter dabei nicht mehr vor der Privatsphäre zurück. Andreas Katz äußerte sich empört: „Weil sich Frau Larisch nicht einschüchtern lässt, setzen sie nun auch auf Rufmord im Internet und das Streuen von Gerüchten. Sie alle haben nur das Ziel, koste es was es wolle, die Arbeit der Villa Kunterbündnis zu unterbinden. Hier zeigt sich erneut, wie wichtig es ist, dass eine breite Öffentlichkeit diejenigen unterstützt, die in der ersten Reihe stehen. Für alle demokratischen Parteien in den Stadtparlamenten sollte es selbstverständlich sein, die zu unterstützen, welche in ihren sozialen Projekten gegen Rechtsextremismus und für das Wohl sozial Benachteiligter kämpfen. Diese Unterstützung muss es geben, auch wenn diese Ehrenamtlichen manchmal unbequem und eigenwillig sind. Leisetreter stehen niemals in der ersten Reihe. Je mehr Menschen sich offen gegen rassistische Hetze einsetzen, desto besser sind auch diese Menschen geschützt.“

Katz regte zudem an, mit einer Grundförderung die Arbeit sozialer Vereine besser zu unterstützen. Immer wieder zeige sich, wie dringend eine Abkehr von der bisherigen Förderpolitik bei sozialen Projekten notwendig sei, so Katz. „Wir brauchen eine Grundförderung sozialer Einrichtungen, damit diese langfristig planen, wirken und ihre Miete bezahlen können. Frau Larisch und ihre vier Mitarbeiterinnen leisten soziale Arbeit für alle Menschen, unabhängig von der Herkunft ist jeder willkommen. Die Villa Kunterbündnis trägt sich vor allem durch Spenden und viel ehrenamtliches Engagement. Eine Anschubförderung, wie in anderen Bundesländern, funktioniert bei uns nur schlecht, da große Unternehmen und Stiftungen weitgehend fehlen, um die weitere Arbeit der sozialen Projekte zu unterstützen. Hier muss der Staat einspringen.“

Zum Anschlag am Mittwoch ermittle die Kripo weiter, teilt die Polizei mit.

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