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Frauenschutzhaus Güstrow : Anlass zur Freude und zur Sorge

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Gestern Festakt im Güstrower Rathaus: Leiterin Karin Wien blickt auf 25 Jahre Frauenschutzhaus Güstrow zurück.

Das Wort Festveranstaltung wollte Karin Wien gestern nicht recht über die Lippen kommen. Der Verein „Arche – für Frauen und Familie“ als Träger hatte zu einem Empfang anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Frauenschutzhauses Güstrow ins Rathaus eingeladen. „Auf diese Weise können wir uns bedanken für die Zusammenarbeit mit vielen Kooperationspartnern und Sponsoren, die ein dichtes Netzwerk bilden, ohne das unsere Arbeit nicht möglich wäre“, sagte Karin Wien, Leiterin des Frauenschutzhauses Güstrow. Landrat Sebastian Constien machte die Ambivalenz des Hauses in einem Satz deutlich. „Das Frauenschutzhaus gibt zugleich Anlass zur Freude und zur Sorge“, sagte er. Freude, weil von Gewalt bedrohte Frauen und Kinder in dem Haus oft einen sicheren Ort finden. Und Sorge, weil häusliche Gewalt noch immer ein Thema sei und sogar zunehme.


2197 Frauen und Kinder betreut


In den 25 Jahren haben die Mitarbeiterinnen des Frauenschutzhauses 2197 Frauen und Kinder stationär betreut, beraten und begleitet. Karin Wien schlug in ihrem Vortrag einen Bogen von den Anfängen nach der Wende bis zu den Herausforderungen der Gegenwart. „Die erste Frau, eine Güstrowerin mit ihren drei Kindern, haben wir 1991 noch vor der Gründung des Frauenhauses in einer Schutzwohnung in der Mühlenstraße betreut“, erinnerte sich Wien, die von Anfang an dabei war. Am 1. Januar 1992 wurde das Frauenschutzhaus in einem Gebäude an der Schweriner Straße bezogen. „Wir hatten 25 Plätze in dem Haus. Die Betreuung lag in den Händen von sieben Frauen, die über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen tätig waren“, sagte Wien. 1997 erfolgte der Umzug in die jetzige Adresse, die den Frauen und ihren Kindern sehr gute Bedingungen bietet. Insgesamt stehen sieben Wohnungen mit 20 Betten zur Verfügung. Die Betreuung des Hauses obliegt einem Team von drei Mitarbeiterinnen.

Aber auch unsichere Zeiten erlebte das Haus in seiner Geschichte. So drohte 2010 die Schließung, weil der Haushalt der Stadt keine Zuwendungen erlaubte. „In dieser Situation ist Bürgermeister Schuldt zu uns gekommen und hat nicht die Schließung verkündet, sondern mit uns nach Wegen gesucht, wie es weitergehen kann“, hebt Karin Wien diese kritische Zeit besonders hervor.

Jetzt sind es andere Herausforderungen, die das Team, zu dem noch Siegrun Schippmann und Ronja Kohlschmidt gehören, meistern muss. „Die Flüchtlingswelle 2015 hat auch uns gefordert. Kaum war die Notunterkunft in Mühlengeez errichtet, da standen schon die ersten Frauen aus Syrien oder Afghanistan, die die Gewalt durch ihre Männer nicht mehr ertragen wollten, vor unserer Tür“, berichtet Wien. Der hohe Anteil von Flüchtlingen, die das Frauenschutzhaus aufsuchen, wird auch in der Statistik deutlich. So wurden im vergangenen Jahr insgesamt 38 Frauen mit 56 Kindern aufgenommen. Darunter waren 22 Frauen mit Migrationshintergrund, die 33 Kinder mitbrachten.

 



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