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Hähnchen-Mastanlage Wardow/Kobrow : Angst vor Keimen und Antibiotika

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Viele Bürger aus der Gemeinde Wardow und aus Laage wollen keine Hähnchenmastanlage mit knapp 80 000 Tierplätzen. Ihre Bedenken: Angst vor Lärm, Gestank, erhöhter Verkehrsbelastung und vor allem vor gefährlichen Keimen.

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erstellt am 23.Mär.2012 | 07:19 Uhr

Laage/Wardow | "Es war eine gute Veranstaltung, aber viel an neuen Informationen habe ich nicht mitgenommen", sagte nach zweieinhalb Stunden Diskussion um die geplante Hähnchenmastanlage zwischen Wardow und Kobrow am Donnerstagabend in Laage Caroline Brauer. Das Interesse war riesengroß, rund 120 Bürger waren gekommen. Die Bürgerinitiative "Für ein lebenswertes Wardow" will die Veranstaltung "erst einmal sacken lassen", formulierte Harald Hagen.

Viele der Bürger aus der Gemeinde Wardow, aus Laage und darüber hinaus machten klar, dass sie eine Hähnchenmastanlage mit knapp 80 000 Tierplätzen nicht vor der Tür haben wollen. Ihre Bedenken: Angst vor Lärm, Gestank, erhöhter Verkehrsbelastung und vor allem vor gefährlichen Keimen, die durch das Zusammenpferchen vieler Tiere auf engstem Raum entstehen sollen. Die Meinungen prallten aufeinander. Für die einen kommen die Keime aus so riesigen Stallanlagen, für die anderen tragen Menschen diese in die Ställe. Die einen sprechen von modernen Stallanlagen und einer artgerechten Tierhaltung, die anderen von einem Frevel an der Kreatur. "Wir vergessen, dass Tiere auch lebendig sind", mahnte Pastorin Anne-Barbara Kretschmann und erhielt dafür viel Zustimmung. Für die einen gibt es keinen Bedarf für mehr Ställe, für die anderen ist es ein Geschäft, dass sich ihnen mit Wohlwollen der Schweriner Regierung biete. "Wer hat sie gerufen? Wir brauchen so eine Anlage nicht", betonte der Wardower Klaus Voß. "Wir wollen Geld damit verdienen", stellte Investor Christian Heine, Vorstandsvorsitzender der Agrarproduktivgenossenschaft (APG) Wardow, fest. Es sei alles längst nicht so schlimm, wie von den Gegnern behauptet, hörten die die Bürger immer wieder. Antibiotika wolle man gar nicht einsetzen, betonten Manfred Manthey, Projektbetreuer der Landgesellschaft MV, und Ulrich Strätker, Projektmanager der Firma agrifirm, immer wieder. Allein den Bürgern fehlte der Glaube.

Carolin Brauer wollte wissen, ob zwei Ställe das Endziel seien oder schon an Erweiterung gedacht werde. Heine schloss eine Erweiterung in der Zukunft nicht aus. Wenn man erfolgreich sei, werde man den Weg weiter gehen.

Ein Bauantrag, so hörten die Bürger, gebe es noch nicht. Es werde daran gearbeitet. Die Ausrichtung auf rund 80 000 Tierplätze habe auch damit zu tun, den Umfang des Genehmigungsverfahrens in Grenzen zu halten. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung sei zwingend ab 84 000 Plätzen notwendig, räumte Planer Jörn Berger ein. Genehmigende Behörde sei das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt.

"Wenn alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden, kann die Gemeinde den Bau einer Mastanlage nicht verhindern", betonte Bürgermeister Günter Schink auf Nachfrage. Die Gemeinde werde gehört, mehr nicht. "Wir haben keinen Flächennutzungsplan. Es gibt kein anderes Vorhaben an der Stelle", betont Schink und sieht somit keinen Verweigerungsgrund. Die Gemeinde sei der falsche Ansprechpartner. Er forderte die Bürger auf, nach Schwerin zu fahren.

Dort wurden bekanntlich in dieser Woche neue Richtlinien für die Förderung von Investitionen in der Geflügel- und Schweinemast vorgestellt. Zuwendungen vom Land werden mehr als bisher an bessere Haltungsbedingungen für die Tiere geknüpft werden. Die Tiere sollen mehr Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten erhalten, der Tierbesatz je Hektar begrenzt werden. Egal, mit einer Förderung rechne man ohnehin nicht, so Heine, der die Bürger wiederholt aufforderte, sich eine von zwei Anlagen gleichen Typs in Mecklenburg anzusehen.

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