Deponie in Spoitgendorf : Angst, Skepsis und viele Fragen

Eberhard Kellermann, GKM, erläuterte in Spoitgendorf die Pläne seiner Firma.
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Eberhard Kellermann, GKM, erläuterte in Spoitgendorf die Pläne seiner Firma.

Informationen zu geplanter Deponie-Erweiterung auf gleich zwei Veranstaltungen.

svz.de von
08. Februar 2018, 21:00 Uhr

Die Befürchtungen der Rostocker „Initiative für eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft und gegen Müllverbrennung“ sind groß: Boden, Wasser und Luft wären durch eine Erweiterung der Deponie Spoitgendorf mit Ablagerung durch nicht weiter verwertbare Abfälle, vornehmlich Aschen und Schlacken aus einer Rostocker Müllverbrennungsanlage, gefährdet. Das heraufbeschworene Szenario: mehr Lkw-Verkehr, Gefahr durch Unfälle, Staubemissionen, „Kippen“ der Kläranlage durch Sickerwasser, Verdrängung der Tierwelt. Und: Der auf diese, aus Sicht der Initiative unzulässige Weise beanspruchte Boden würde mit weiteren 16 Hektar nicht mehr nutzbar.

Der Einladung der Initiative zu einer Informationsveranstaltung am Mittwochabend in Plaaz folgten ein Dutzend Menschen. Sie hörten auch einige Argumente von Jens Eckhoff, Geschäftsführer der Kies und Mörtel GmbH Güstrow (GKM), die die Deponie betreibt. Ob er denn in Spoitgendorf wohl wohnen möchte? Eckhoff: „Ich sehe keinen Grund, das nicht zu tun.“ Dass Deponien erforderlich seien, stehe für ihn außer Frage, sagte Detlef Siekierkowski und brachte wohl die Sorgen und Unklarheiten so mancher Bewohner auf den Punkt: „Welche Vor- oder Nachteile habe ich als Dorfbewohner? Verlieren wir den Wert unserer Häuser? Kann mein Enkel die Grashalme noch unbedenklich ablecken? Wer sagt mir die Wahrheit?“

Allerdings: Die Kritik richte sich nicht gegen GKM, sondern gegen die Genehmigungsbehörde, so Günter Hering. Diese, das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umweltschutz in Rostock, wolle fehlerhaft beantragte Dinge genehmigen, die nicht durch gesetzliche Vorgaben gedeckt seien. Und: Die Information der Bürger sei viel zu spät erfolgt. Widerspruch von Eckhoff: Schon vor zwei Jahren habe man auf einer Gemeindevertretersitzung über die Pläne informiert. Und: Um Rückstände aus einer geplanten Klärschlammverbrennung gehe es für Spoitgendorf bei der jetzt geplanten Erweiterung gar nicht.

GKM: „Wir kommen nicht näher an den Ort heran“

„Ich war mit einer ziemlichen Wut im Bauch gekommen, gehe jetzt aber mit einen positiven Gefühl wieder nach Hause“, sagt Christine Zosel aus Spoitgendorf, eine vor rund 30 Bürgern, die sich auf der fast zur gleichen Zeit von der Gemeinde anberaumten Einwohnerversammlung in Spoitgendorf informieren wollten. Als sie von einer Ausdehnung der Deponie in östlicher Richtung gelesen hatten, befürchteten sie ein Heranrücken an die Bebauung diesseits der Autobahn. „Wir kommen nicht dichter an den Ort heran“, betonte Eberhard Kellermann von der GKM. Er betonte, dass es sich um eine langfristige Planung handele: zehn bis 15 Jahre. Diese betreffe auch ausschließlich Flächen, die vom Bergamt für den Abbau von Sand und Kies genehmigt sind. Kellermann: „Etwa ein Drittel ist ausgekiest, zwei Drittel sind es noch nicht. Die ziehen sich in Richtung Süden und Wald.“ Fragen nach einem zu erwartenden höheren Transportaufkommen verneint Kellermann. Deponiert werden könne immer nur dort, wo vorher Sand abgebaut wurde. Das geschehe wie bisher Stück für Stück. Asche aus der Müllverbrennung in Rostock, das muss Kellermann bestätigen, werde auch heute schon in Spoitgendorf, nachdem Metalle herausgefiltert sind, deponiert. „Das hat mit uns nichts zu tun. Das ist die Firma Gollan“, sagt Kellermann und fügt hinzu, dass nach Deponieverordnung alles vorher untersucht werde. Sickerwasser werde quartalsweise in die Kläranlage nach Laage gefahren. „Und das können sie mir glauben“, hören die Einwohner immer wieder von Kellermann, der das Angebot eines „Tages der offenen Tür“ unterbreitet. Darauf wollen ihn die Bürger gern festnageln. Auch forderten sie, dass genauer darauf geachtet werde, dass die vorgeschriebene Beregnungsanlage auch läuft, um Staub zu vermeiden.

Gern habe man eine Deponie nicht vor der eigenen Haustür, betont ein Spoitgendorfer. Wenn aber vernünftig mit Asche umgegangen werde und sich auch sonst an alle Vorgaben gehalten werde, müsse man das akzeptieren. Und Christine Zosel: „Es ist uns jetzt sachlich dargestellt und kompetent erklärt worden.“ Nur so könne man den Menschen die Ängste nehmen.

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