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Stress an der Nebel : Angler erbost: Jurte an Nebel muss weg

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Güstrowerin genießt bei Kölln die Abgeschiedenheit in der Natur / Angler laufen Sturm und sehen Gewässer gefährdet / Landkreis: Zelten in Naturschutzgebiet verboten

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erstellt am 09.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Es ist ein idyllischer Ort – jenseits jeglichen Zivilisationslärms. Ruhig und angenehm plätschert die Nebel. Hier, im schwer zugänglichen Unterholz bei Kölln, ist der Rückzugsort von Susanne Krämer. Direkt am Fluss hat sie ihre Jurte aufgebaut. „Original aus der Mongolei“, sagt die 46-Jährige. „Hier bin ich , wenn ich meine Ruhe haben will“, erzählt die gebürtige Güstrowerin und macht es sich auf ihrem mit Fellen geschmückten Sofa zur Meditation bequem. Doch Susanne Krämers Ruhe ist vorbei. Denn die Jurte ist den Anglern, die hier an der Nebel ein so genanntes Salmonidengewässer mit Forellen bewirtschaften, ein Dorn im Auge. „Die Jurte muss weg. Es ist verboten im Naturschutzgebiet zu lagern. Das sind ja schon Anfänge einer Dorfbildung“, schimpft Kurt Lale, Gewässerwart des Güstrower Anglervereins.

Gemeinsam mit Wolfgang Timm, ehrenamtlicher Leiter der Fischereiaufsicht Güstrow, hat Lale die „Jurte-Affäre“ der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises gemeldet. „Es handelt sich um ein geschütztes Gewässer. Baden ist hier verboten. Salmonidengewässer darf man zudem nur mit Sondergenehmigung beangeln“, sagt Timm.

Doch Susanne Krämer will den Anglern ihre Fische gar nicht wegnehmen. Sie hat überhaupt keine Angel. „Ich bin sehr naturverbunden und mache nichts kaputt. Wir sitzen hier nur und freuen uns über die Natur“, sagt die Mutter von vier Kindern, die als Heilpraktikerin praktiziert. Eigentlich wohnt sie mit ihrer Familie in der alten Mühle in Kölln, hat die Jurte an der Nebel vor vier Wochen aufgebaut, um hier im Sommer entspannen zu können. Susanne Krämer bietet auch Kurse an, „um Menschen wieder Naturnähe beizubringen“, wie sie sagt. „Wildnis-Schule“ nennt sie das. „Wir wollen nicht gegen, sondern mit der Natur leben.“

Von der Decke der Jurte hängen Federn. Ein Geweih schmückt die Wand. Es ist urig, gemütlich. „Einfach genial“, sagt Susanne Krämer. Die Aufregung der Angler kann sie nicht verstehen. „Ich habe sogar schon mehrmals Müll an der Nebel eingesammelt“, unterstreicht sie. „Ich würde die Angler auch gerne mal zu einem Bier einladen. Bei mir gibt es nicht nur Yogi-Tee“, macht sie ein freundliches Angebot.

Doch die Mühlen der Bürokratie drehen sich bereits – gegen Susanne Krämer. „Ermittlungen wurden bereits aufgenommen“, sagt Kreissprecher Kay-Uwe Neumann. „Zelten im Naturschutzgebiet ist generell verboten. Und eine Jurte ist eventuell schon eine bauliche Anlage. Das geht gar nicht.“ Wie die Angler kommt der Landkreis nur zu einem Ergebnis: „Die Jurte muss weg.“

Susanne Krämer beruhigt: „Ich habe eine neue Arbeit an der Ostsee bekommen. Wir ziehen im Juli sowieso weg. Dann kommt auch die Jurte weg.“ Doch es sieht so aus, als wenn der Zivilisationslärm Susanne Krämers Ruheoase schon vorher einholen wird.


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