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Tödlicher Unfall in Krakow am See : Angeklagter: „Kann mich nur an Grün erinnern“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Widersprüche und Erinnerungslücken beim Gerichtsprozess um einen tödlichen Unfall in Krakow.

von
erstellt am 31.Jan.2017 | 20:45 Uhr

Mit der Befragung des Angeklagten und einer Zeugenaussage begann am Dienstag die Hauptverhandlung gegen den Unfallfahrer vom 14. August 2015 in Krakow am See. Zwei Menschen waren bei dem Unglück zu Tode gekommen, zwei weitere wurden schwer verletzt. André F. aus L. bei Güstrow ist der fahrlässigen Tötung in zwei Fällen angeklagt.

Der heute 27-Jährige wollte mit drei Arbeitskollegen und Freunden an besagtem Abend aus Güstrow kommend zum Fischerfest, wie er aussagte. Aus der Innenstadt kommend, wollte er mit seinem „Golf“ die Kreuzung mit der damaligen Bundesstraße 103 queren. Er habe die Ampel während der gesamten Fahrt durch die Ernst-Thälmann-Straße auf Grün stehend gesehen, sagte er gestern aus. Dennoch sei er, weil er sich in Krakow nicht auskenne, langsam an die Kreuzung herangefahren. Andere Fahrzeuge seien nicht dabei gewesen. Einen von rechts, von der Hauptstraße kommenden Lkw habe er erst wahrgenommen, als er sich schon auf der Kreuzung befand. Wie er dann reagierte, könne er sich nicht mehr erinnern. Nach dem Aufprall des Lasters sei er erst im Krankenhaus wieder aufgewacht. Auf die Frage der Richterin, ob er Alkohol getrunken hatte, antwortete er mit „nein“. „Laut Aktenlage gibt es dafür auch keine Anhaltspunkte“, ergänzte die Richterin. Ansonsten offenbarte der Angeklagte große Erinnerungslücken. Warum die jungen Männer aus der Krakower Innenstadt Richtung Bahnhof fuhren, wenn sie denn doch aus Güstrow gekommen waren, vermochte er nicht mehr zu sagen. Über die Autobahn seien sie jedenfalls nicht gefahren.

Das angebliche Ampelgrün (F.: „Ich kann mich nur an Grün erinnern.“) steht im Widerspruch zur Aussage des Straßenbauamtes. Demnach, so die Richterin, war die Ampel um 19 Uhr ausgeschaltet worden. Der Unfall ereignete sich um 20.10 Uhr.

Auch der beteiligte Lkw-Fahrer sagt: „Die Ampel war aus.“ Thomas S. war als Zeuge geladen. Ihm sei der Unfall nicht anzulasten, hätten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben. Kurz vor 6 Uhr morgens habe er an jenem Tag seine Tour von einem Ort bei Parchim aus begonnen. Die Ladung ging nach Rostock, zum Unfallzeitpunkt sei er auf dem Rückweg gewesen. „Meine Ruhezeiten halte ich ein“, sagte S. Den von links kommenden Pkw habe er gar nicht wahrgenommen, weil er sich auf Radfahrer rechts an der Straße konzentriert habe, die offensichtlich über die Straße wollten. Dass nach dem Zusammenprall Zeugen gesehen hätten, dass er telefoniert habe, erklärt der Lkw-Fahrer so: Das Handy, das hinter ihm in der Fahrerkabine auf dem Bett lag, flog bei dem Unfall an ihm vorbei, zerschlug die Scheibe und landete auf dem Armaturenbrett. Von dort habe er es noch während des ganzen Vorganges greifen und den Notruf absetzen können.

Weil die Prozessbeteiligten großen Wert auf die Aussage einer weiteren Zeugin legen, die aber zurzeit in Neuseeland weilt, wurde die Verhandlung gestern unterbrochen. Sie wird am 16. Februar um 9 Uhr fortgesetzt.

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