Angeklagte müssen ins Gefängnis

Muss für fünf Jahre hinter Gitter und zudem Schmerzensgeld zahlen: der 35-jährige Hauptangeklagte (l.)
Muss für fünf Jahre hinter Gitter und zudem Schmerzensgeld zahlen: der 35-jährige Hauptangeklagte (l.)

Gartennachbarn gequält: Urteile im Misshandlungs-Prozess von Lalendorf fallen geringer aus als erwartet

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22. August 2019, 05:00 Uhr

Nicht wegen Geiselnahme, sondern wegen Freiheitsberaubung, räuberischer Erpressung, Raub, gefährlicher Körperverletzung und Nötigung verurteilte das Landgericht gestern den Arbeiter Patrick J. (35) zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und verfügte seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Mitangeklagter Jürgen K. (63) muss für drei Jahre ins Gefängnis.

Eine Geiselnahme würde eine schwere Körperverletzung und die Bedrohung mit dem Tod voraussetzen, erklärte der Vorsitzende Richter in einem rechtlichen Hinweis unmittelbar vor der Urteilsverkündung. Und dafür würden die Verletzungen des Opfers nicht ausreichen. Der Vertreter der Anklage dagegen blieb bei dem Vorwurf der Geiselnahme. Er hatte für Patrick J. eine Strafe von sechs Jahren und zehn Monaten gefordert.

Um ein Schmerzensgeld für Manuel L. (39) kamen die Angeklagten nicht herum. Beide zusammen müssen 12 000 Euro an das Opfer zahlen, für Patrick J. kommen noch 3000 Euro hinzu.

Für das Gericht stand fest, dass Patrick J. und Jürgen K. am Nachmittag des 7. März ihr Opfer Manuel L. aus nichtigem Anlass zwei Stunden lang in der Kleingartenanlage „Utkiek“ in Lalendorf grausam quälten. Faustschläge ins Gesicht erhielt das Opfer von beiden Angeklagten, ebenso Hiebe mit dem Stiel einer Axt. Auch, dass ihm die Kleider vom Leib rissen und anschließen zerschnitten wurden, steht außer Frage. Ebenso, dass das Opfer nackt Holz hacken musste. Dazu trug Patrick J. selber bei, denn er hatte seine Untaten gefilmt. Das Video wurde im Gerichtssaal gezeigt. Die Angeklagten beschuldigten sich im Verlauf des Prozesses gegenseitig. Erst am vorletzten Verhandlungstag waren sie bereit, die Wahrheit auf Grund erdrückender neuer Beweise zu sagen. Patrick J. gab zu, sein Opfer auch mit der laufenden Kettensäge bedroht zu haben, was er zuvor vehement bestritten hatte.

Jürgen K. hätte von der Laube aus die späteren Vorgänge verfolgt und somit alles mitgetragen, erklärte der Vorsitzende Richter. Zwar habe er nach der Flucht des Opfers die medizinische Hilfe geholt, andererseits aber Manuel L. gedrängt, der Polizei zu berichten, dass er von Unbekannten überfallen worden sei – was das Opfer auch zunächst tat.

Manuel L. erlitt Schwellungen im Gesicht und ein Schädel-Hirn-Trauma. Er lag vier Tage auf der Intensivstation in Güstrow und anschließend noch 14 Tage lang stationär in der Universitätsklinik in Rostock. Das letztendlich doch noch vollständige Geständnis der Angeklagten legte das Gericht zu ihren Gunsten aus. Die Länge der Misshandlungen und ihren demütigenden Charakter sowie ihre Vorstrafen wirkten strafverschärfend.


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