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Sonderführungen : Andrang bei August dem Starken

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Stadt Güstrow öffnete historisches Gebäude am Markt erneut für Besucher. Einblicke in Verfall und Hoffnung auf Sanierung.

von
erstellt am 25.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Putz bröckelt von den Decken und Wänden, überall große Löcher, bunte 1970er-Jahre Tapeten hängen zerrissen neben Verzierungen aus der Barockzeit – das markante Eckhaus am Güstrower Markt (Gleviner Straße 1), wo einst der sächsische Kurfürst und polnische König August der Starke residierte, ist verfallen. Seit Jahrzehnten wartet das denkmalgeschützte Gebäude auf seine Sanierung. Und doch weht den Besucher hier ein Eishauch der Geschichte an. Die Faszination für dieses langgestreckte, repräsentative Haus aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ist ungebrochen. Beim Tag des offenen Denkmals hatte die Stadt das Gebäude für die Öffentlichkeit geöffnet. Doch der Andrang war zu groß. Darum wurden Sonnabend noch einmal sieben Führungen für je 25 Personen angeboten. „Auch die waren ruckzuck ausgebucht. Wir mussten vielen absagen“, sagt Kathrin Kummernuß von der Stadtverwaltung. Sie führte die Besucher durch das historische Gemäuer.

Im Erdgeschoss ist es dunkel und beengt. Kathrin Kummernuß und ihre Kollegien Anja Schmidt leuchten den Besuchern mit großen Taschenlampen den Weg. „Als das Gebäude im Bau war, ist Wallenstein gerade nach Güstrow gekommen“, gibt Kathrin Kummernuß einen historischen Einblick. „Vieles aus dieser Zeit ist erhalten.“ Das Haus ist extrem verwinkelt. Lehmdecken sind auf den Boden gefallen. „Bitte vorsichtig“, mahnt Kathrin Kummernuß. Ernest Wagner aus Güstrow ist begeistert. „Ich hatte es mir noch verfallener und bedeutend feuchter vorgestellt“, sagt der 77-Jährige. „Die vorderen Räume sind gut erhalten.“

Im ersten Obergeschoss wird es heller. Überall hängen Kabel von der Decke oder gucken aus den Wänden. Wo der moderne Putz abgeschlagen ist tritt die ursprüngliche Bauweise aus den 1620er-Jahren hervor. Alte Verzierungen sind sichtbar. „Wir als Stadt wollen dieses besondere Gebäude unbedingt erhalten und bald wieder mit Leben füllen“, erklärt Kathrin Kummernuß den Besuchern. 2015 hatte die Stadt Güstrow das Haus nach jahrelangem Leerstand und Verfall gekauft.

In das zweite Obergeschoss dürfen immer nur vier Leute gleichzeitig. Der Boden ist einfach nicht mehr sicher. „Passen Sie auf, dass Sie nicht durchbrechen“, warnt Kathrin Kummernuß. Auch hier wird deutlich: der Sanierungsbedarf ist immens, die Kosten dafür kaum abzuschätzen. „Aber es ist toll, so ein historisches Haus in unserer Stadt zu haben. Ich bin froh, dass ich in diese Führung noch reingerutscht bin. Beim Tag des offenen Denkmals hatte es nicht geklappt“, sagt Renate Wagner aus Güstrow während sie darauf wartet, ins 2. Obergeschoss zu kommen.

Die Stadt möchte gerne im Erdgeschoss Gewerbe, in den Etagen darüber Wohnungen haben. Doch dafür muss erstmal ein Investor her. „Wir haben viele ernsthafte Interessenten, aber noch keine konkreten Angebote“, sagt Jane Weber vom Stadtentwicklungsamt. Nächsten Freitag endet die Ausschreibungsfrist. Bis dahin können noch Gebote eingehen. „Ich hoffe, dass das Haus schnell saniert wird. Und dann werden wir wieder eine Führung machen“, sagt Renate Wagner und lacht.  

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