zur Navigation springen

Verzweiflung bei Güstrower Werbeagentur Wosch : Altlast aus Nachwendezeit wird zum Problemfall

vom

Der heiße Draht: Verzweiflung pur bei Günter Wolf. Der Inhaber der Güstrower Werbeagentur Wosch soll seine Reklametafeln in der Rostocker Chaussee abbauen. "Doch dann ist der Betrieb am Ende", erklärt er.

svz.de von
erstellt am 26.Apr.2013 | 07:08 Uhr

güstrow | Verzweiflung pur bei Günter Wolf. Der Inhaber der Güstrower Werbeagentur Wosch sieht sein Unternehmen vor dem Aus. Seit über 20 Jahren betreibt er große Reklametafeln in der Rostocker Chaussee. Und die soll er jetzt abbauen, Termin: 30. April. So habe es das Straßenbauamt ihm angeordnet, das in Verwaltung für die Bundesrepublik Eigentümer der Fläche links und rechts der Bundesstraßen ist. Straßenbauamtsleiter Ronald Normann bestätigt das. Der Landkreis habe wiederum sein Amt zur Demontage dieser Tafeln aufgefordert. Der Grund: Es liege keine Baugenehmigung vor. Termin: 2. Mai.

Das könne er schon terminlich gar nicht einhalten, erklärt Günter Wolf und verweist auf Betonfundamente, die er in der Kürze gar nicht beseitigen lassen könne. Erst am Mittwoch sei er in einem Schreiben über die Forderung informiert worden. Bei einem ersatzweisen Abbau durch das Amt würden ihm Kosten von 500 Euro pro Stück in Rechnung gestellt, habe Normann ihm schon mal vorsorglich angedroht.

"Das geht so aber gar nicht!" schimpft Wolf. Für die Reklame gebe es schließlich Verträge, die er einhalten müsse. Die habe er in gutem Glauben geschlossen. Wolf erinnert daran, dass Anfang der 1990er-Jahre sogar eine Kommission gebildet wurde, die mit ihm die Stadt abgegangen und Standorte für die Großflächenwerbung zugewiesen habe. Die Stadt schließlich habe der Firma Wosch das ausschließliche Werberecht in Güstrow per Beschluss der Stadtvertreter zugesprochen - auf ihren Flächen, wohlgemerkt. Der Zehnjahresvertrag wurde um fünf weitere verlängert. Wolf: "Es gibt für diese Tafeln keine Alternative. Wenn die weg müssen, führt das zur Schließung des Betriebes!" Sieben Beschäftigte hat das kleine Familienunternehmen, das vom Junior geführt wird, seit Günter Wolf Rentner ist.

Ronald Normann gibt zu, dass sein Amt seine Rolle als Eigentümer der Fläche "bisher nicht so wahrgenommen" habe und erst durch den Landkreis darauf aufmerksam gemacht worden sei. "Jetzt habe ich die Pflicht zum Rückbau, sonst droht ja mir Strafe." Der Amtsleiter verweist darauf, dass es von seiner Seite aus nie eine Genehmigung für die Werbetafeln gegeben habe. "Und wir haben als Grundstückseigentümer auch nie von den Einnahmen profitiert."

Beim Landkreis indes löst sich auf, weshalb der über 20 Jahre währende halblegale Zustand jetzt plötzlich auffliegt. Eine andere Firma habe an diesem lukrativen Standort, den tausende Kraftfahrer täglich passieren und oft an der Ampel stehen bleiben müssen, ebenfalls werben wollen. Dies sei der Firma mit dem Hinweis, dass hier dann zu viel Werbung sei, verwehrt worden. Daraufhin in Widerspruch gegangen, wurde die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Wosch-Werbung aufgeworfen. Ergebnis: Wosch hat ganz offensichtlich keine Baugenehmigung! Dies sei beim Landkreis bei Prüfung der Aktenlage festgestellt worden, informiert Sprecherin Petra Zühlsdorf-Böhm. Prompt drohe jetzt dem Landkreis ein Rechtsstreit mit dem neuen Bewerber. Dem könne man nur ausweichen, wenn die Gesetze ohne Ansehen der Person eingehalten werden, heißt es nun. Und: Allein weil etwas schon 20 Jahre dort steht, werde es noch nicht durch die Zeitdauer legal.

Trotzdem: Günter Wolf geht nun seinerseits in Widerspruch gegen die behördliche Auflage, und er beruft sich dennoch auf einen Bestandsschutz. Ausgang: ungewiss. Die scheinbar einfachste Lösung wäre es nun, wenn Wolf einfach einen Bauantrag stellen würde. Das kostet Geld und wohl auch Zeit. Ausgang auch hier: ungewiss.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen