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Tag der Architektur : Altes und neues sinnvoll kombiniert

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Großer Andrang beim Tag der Architektur in Güstrow / Ehemalige Schüler staunen über Domschule / Derzsches Haus in Mühlenstraße für Landesbaupreis nominiert

Sabine Stiegler ist begeistert. In den 1960er-Jahren drückte die heute 65-Jährige in der Domschule in Güstrow die Schulbank. Dass im ältesten erhaltenen Schulgebäude Mecklenburg-Vorpommerns demnächst wieder Schüler unterrichtet werden, erfüllt sie mit Freude. „Es ist ganz toll, dass meine Schule wieder auflebt“, sagt Sabine Stiegler. Mit vielen anderen lauschte sie Sonnabend beim Tag der Architektur den Ausführungen von Andreas Nülle. Der Berliner Architekt erläuterte die Geschichte des 500 Jahre alten Gebäudes und erklärte das aktuelle Baugeschehen. „Das Interesse ist groß. Man merkt, dass den Güstrowern die Domschule am Herzen liegt“, so sein Eindruck.

Der Architekt hatte eine gute Nachricht für die vielen Besucher: „Die Einweihung wird zum neuen Schuljahr im Herbst sein. Zum Schluss wird es beim Bauen zwar immer eng, aber es sieht gut aus.“ Mehr als zehn Jahre wurde das denkmalgeschützte Gebäude nicht genutzt, jetzt wird die Domschule zum Haus 3 des John-Brinckman-Gymnasiums. Sechs Klassenräume und sechs Räume mit anderer Nutzung, u.a. Kunstwerkstatt, Medienraum und Lehrerzimmer, entstehen.

Viele Besucher hätten die Domschule gerne von innen besichtigt. Das hatte die Stadt aber aus versicherungstechnischen Gründen untersagt, da es sich noch um eine Baustelle handelt. So blieb nur der Blick von außen und in das neue Treppenhaus. Wichtig ist dem Architekten, die Baugeschichte des alten Hauses sichtbar zu machen und aufzuarbeiten, so dass sie einer Nutzung nicht im Wege steht. „Es ist eine Schule und kein Museum“, so Andreas Nülle. „Es gibt moderne Einbauten unter Wahrung der überkommenen Struktur.“

Großer Andrang auch beim Derzschen Haus in der Güstrower Mühlenstraße. Bauherr und Architekt Ulrich Bunnemann aus Schwerin zeigte sich überrascht: „Das Interesse der Güstrower ist extrem groß. In Schwerin war der Tag der Architektur bisher eher ein Flop.“ Vor einem Jahr wurde das Haus aus dem 16. Jahrhundert fertig saniert. 20 Jahre stand es leer, es fand sich kein Investor. Jetzt sind hier die Güstrower Werkstätten und Wohnungen drin. „Substanzschonender Erhalt unter Ergänzung moderner Architektur“ – so ist Bunnemann beim Derzschen Haus vorgegangen. Sein Konzept ging auf: das hochkarätige Güstrower Gebäude ist für den Landesbaupreis nominiert, der am 10. Juli vergeben wird. „Ich bin gespannt“, sagt der Architekt.

Nächstes Jahr sollen weitere Hofgebäude des Derzschen Hauses in der Mühlenstraße saniert wird, informiert Bunnemann. Der Eiskeller, das große Gebäude am Ende des Hofes, werde jedoch ein Problem. „Die Untere Naturschutzbehörde hat eine Nutzung untersagt, weil hier Fledermäuse leben“, sagt er. Bunnemann grübelt: „Vielleicht wird es die erste Fledermaus-Herberge in Güstrow.“


 

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erstellt am 30.Jun.2014 | 06:00 Uhr

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