Kulturverein Lohmen : Alten Landwegen auf der Spur

Manfred Soltwedel (r.) und Jens Peter Planke begannen vergangenes Jahr Wegweiser neu zu beschriften.
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Manfred Soltwedel (r.) und Jens Peter Planke begannen vergangenes Jahr Wegweiser neu zu beschriften.

Seit mehr als 25 Jahren beschäftigt sich Manfred Soltwedel mit alten Verbindungen, findet und beschriftet historische Wegweiser

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03. März 2016, 05:00 Uhr

Alte Landwege in der Region zwischen Güstrow und Dobbertin/Goldberg interessieren Manfred Soltwedel schon seit Ende der 1980er-Jahre. Dabei geht es ihm in erste Linie um das Leben auf den Landwegen, die Einordnung in die jeweilige Zeit. Jüngst ging der Lohmener mit seinen Landwegen in die Öffentlichkeit und füllte mit vielerlei Informationen einen Kaminabend, zu dem der Lohmener Kulturverein, zu dem der 66-Jährige selbst gehört, eingeladen hatte.

Landwege sind kein Thema, das man in Wochen oder Monaten abhaken kann, erklärt der Lohmener. Viel Recherche, insbesondere die Auswertung alter Karten stecke dahinter. Und dann müssten diese Wege oder die Reste davon auch noch gefunden werden. Irgendwie aber möchte Manfred Soltwedel mit dem Landwegen nun zu einem Ende kommen. Eine Marke setzte er mit dem Vortrag. Gern würde er noch eine Publikation folgen lassen. Das aber sei noch nicht entschieden.


34 steinerne Wegweiser in Region gefunden


Durch sein Mitwirken an der Organisation der 750-Jahr-Feier in Lohmen war das Interesse für Geschichte geweckt, berichtet Manfred Soltwedel. Bald schon machte er sich Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre mit Siegfried Rüdiger und Reiner Lemal auf die Suche nach Zeugnissen der Vergangenheit alter Landwege und wurde ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger. Alte Wegweiser wurden gefunden und wenn nötig wieder aufgerichtet, die Aufschriften entziffert und wieder sichtbar gemacht. Manfred Soltwedel verweist auf 34 Steine in der Region zwischen der Bundesstraße 104 im Norden und Goldberg im Süden. Einige Schriftzüge sind längst wieder verwittert, so dass sich der 66-Jährige im vergangenen Jahr daran machte, sie wieder zu erneuern und weitere Steine zu beschriften. „Dazu hat Jens-Peter Planke, Töpfer aus Lenzen, Schablonen angefertigt, die enorm helfen“, erzählt Manfred Soltwedel. 18 Steine seien inzwischen neu beschriftet. Weitere folgen dieses Jahr.


Auf alten Straßen Pelze und Bier befördert


Zunächst vertieft sich Manfred Soltwedel in die Theorie. Alte Landkarten und der Staatskalender der Commerzial- und Postrouten, erschienen zwischen 1776 und 1930, sind ihm dabei eine große Hilfe. Wichtige Wege verbanden u.a. Bad Doberan und Berlin, Hamburg und Malchow/Neubrandenburg, Güstrow und Dannenberg. „Auf den alten Landstraßen waren Karren unterwegs, beförderten Tuche und Pelze, Getreide, Bier, Glas und Keramik“, berichtet Manfred Soltwedel. Es gab Fuhrunternehmen und Postkutschen. Auch Fußgänger und Pilger waren unterwegs. Meist waren am Tag nicht mehr als 30 Kilometer zu schaffen. Eine anschauliche Beschreibung des Lebens an und auf den Landwegen lieferte der Engländer Thomas Nugent, der 1760 von Lübeck nach Neustrelitz reiste. „Er schreibt beispielsweise, dass er im Dobbertiner Wirtshaus das beste Essen bekommen habe“, erzählt Manfred Soltwedel. Mit dem Bau von Chausseen seien sehr bald die Landwege in der Nähe verschwunden. Weiter entfernte gibt es ganz oder zumindest abschnittsweise heute noch.


Der Reiz: Belege für eine Theorie finden


Die Faszination, die für ihn die Suche nach alten Landwegen ausmacht, erklärt er sich u.a. mit seinem Beruf als Stahlbaukonstrukteur. Immer hätten theoretische Vorgaben in die Praxis umgesetzt werden müssen. Die Theorie sind heute für ihn die Landkarten, das Erfolgserlebnis Wege und Wegweiser, die alten Verbindungen zugeordnet werden können.

Heute als Rentner ist Manfred Soltwedel dankbar für ein Hobby. Immer donnerstags ist er mit Peter Merting auf Landwegen unterwegs. „Wir haben beide Elektroräder“, verrät der 66-Jährige, der sich jetzt auch einen Anhänger fürs Rad gebaut hat. Irgendwann möchte er den Fernradweg Berlin-Kopenhagen gut ausgerüstet bewältigen. Den Nachbau historischer Gerätschaften auch größeren Formats hat er aufgegeben. Zu schwer sei die Arbeit. Im Dorfmuseum Lohmen hat Manfred Soltwedel eine eigene kleine Abteilung, in der u.a. ein Einbaum, mit dem man früher zu Wasser unterwegs war, zu sehen ist.

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