Neue Sonderausstellung im Museum am Güstrower Heidberg : "Also auch Herzenssache" bei Barlach

<fettakgl>Diane und Egbert Steinbrück </fettakgl>schauten sich gestern bei einem Stopp auf der Fahrt von Stralsund in ihren Heimatort Bad Langensalza im Ausstellungsforum-Grafikkabinett  die Ausstellung 'Herzenssache' an. Hier betrachten sie den 'Sternreigen' von  1919, eine Lithografie zu Barlachs Drama 'Der arme Vetter'.<foto>hans-jürgen kowalzik</foto>
Diane und Egbert Steinbrück schauten sich gestern bei einem Stopp auf der Fahrt von Stralsund in ihren Heimatort Bad Langensalza im Ausstellungsforum-Grafikkabinett die Ausstellung "Herzenssache" an. Hier betrachten sie den "Sternreigen" von 1919, eine Lithografie zu Barlachs Drama "Der arme Vetter".hans-jürgen kowalzik

"Also auch Herzenssache" ist die neue Sonderausstellung im Ausstellungsforum-Graphikkabinett. Sie bietet einen repräsentativen Überblick über Ernst Barlachs druckgraphisches Schaffen der Jahre von 1910 bis 1932.

svz.de von
26. März 2013, 05:31 Uhr

Güstrow | "Also auch Herzenssache" ist die neue Sonderausstellung im Ausstellungsforum-Graphikkabinett der Ernst-Barlach-Stiftung am Heidberg überschrieben. Sie bietet einen repräsentativen Überblick über Barlachs druckgraphisches Schaffen der Jahre von 1910 bis 1932.

Herausragend sind neben den Illustrationen zum "Toten Tag" auch Barlachs Lithographien zum "Armen Vetter" (1919), großformatige Einzelblätter, die unter dem Titel "Die Ausgestoßenen" zusammengefasst worden sind. Auch die letzten Blätter Ernst Barlachs wie "Der neue Tag" (um 1932) sind in der Ausstellung zu sehen. Ergänzt wird die Retrospektive durch einen selten gezeichneten Holzstock "Dieses Glas dem guten Geist" zu Schillers "An die Freude" von 1927, den Barlach selbst geschnitten und auch Handabzüge davon gefertigt hatte. Besonders erwähnenswert ist das bislang äußerst selten ausgestellte Skizzenbuch Barlachs zu Michael Kohlhaas, das zusammen mit den vier kleinformatigen Holzschnitten in der Ausstellung zu sehen ist. Sie sind die einzig bekannten Exemplare dieser ersten Holzschnitte Barlachs, die sich im Nachlass des Künstlers erhalten haben.

Erst im Alter von 40 Jahren hat sich der Bildhauer, Graphiker und Schriftsteller Ernst Barlach (1870-1938) mit druckgraphischen Techniken auseinandergesetzt. Erste Versuche in der Lithographie um 1903/05 führte er zunächst nicht fort. Barlach wandte sich auf Anregung des Verlegers Bruno Cassirer Illustrationen für "Michael Kohlhaas" von Heinrich Kleist zu. 1910 entstanden in zwei Skizzenbüchern zahlreiche Vorzeichnungen zu dieser Novelle. Jedoch setzte Barlach nur vier Motive in kleine Holzschnitte um. Das Resultat befriedigte weder Bruno Cassirer noch den Künstler. Auch Barlachs Verleger, Paul Cassirer, der Barlach seit 1908 betreute, war mit diesem Konkurrenzunternehmen seines Vetters nicht einverstanden. So wurde das Illustrationsvorhaben von Barlach nicht weiter verfolgt.

Jedoch trat Barlach mit einer Folge von Lithographien zu seinem eigenen Drama "Der Tote Tag" 1912 an die Öffentlichkeit. Nach eigenem Bekunden wurde dieses Werk für Barlach ein künstlerischer und intellektueller Kraftakt, wie er seinem Verlegerfreund Reinhard Piper gestand: "Und an den Blättern habe ich schwer geblutet, fast jedes aus einem Abgrund heraufgezerrt. Also auch Herzenssache". Diese Graphikfolge mit fein differenziert gestalteten Lithographien gilt bis heute als die herausragendste Illustrationsfolge in dieser Technik, die Barlach schuf. In den folgenden Jahren entstanden weitere Illustrationen zu eigenen Dramen und zu Texten von Goethe und Schiller, Einzelholzschnitte und lithographische Blätter, die Barlach bis etwa Anfang der 1930er-Jahre gestaltete. Die Ausstellung ist bis zum 5. Mai zu sehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen