Güstrow : Als Missionar in China

Yibo Beck und Folker Hachtmann
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Yibo Beck und Folker Hachtmann

Sie kamen ins Gespräch: die Chinesin Yibo Beck, die seit drei Jahren in Güstrow lebt, und der Pastor im Ruhestand, Folker Hachtmann. Dessen Großvater arbeitete Anfang des vergangenen Jahrhunderts in China als Missionar.

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15. Januar 2013, 10:59 Uhr

Güstrow | Irgendwann kamen sie ins Gespräch: die Chinesin Yibo Beck, die seit drei Jahren in der Barlachstadt Güstrow lebt, und der Pastor im Ruhestand, Folker Hachtmann. Man redete über Gott und die Welt. Bis der Pastor erzählte, dass sein Großvater mütterlicherseits fünf Jahre in China als Missionar gearbeitet habe. Da war Yibos Interesse geweckt, man verabredete ein Treffen, um die Geschichte zu vertiefen.

Christliche Botschaft ins Reich der Mitte

Und die ging so: Am 29. November 1904 bestieg Hachtmanns späterer Großvater Albin Zieger in Southampton den Dampfer "Bayern". Das Schiff brachte den damals 26-Jährigen in die ostchinesische Stadt Tsingtao, in der er im Auftrag der Berliner Mission arbeiten sollte. Mit der Stadt am Gelben Meer hatte das kaiserliche Deutschland 1898 einen auf 99 Jahre terminierten Pacht- und Schutzvertrag abgeschlossen. Albin Zieger, von Beruf Zeichner, der sich nach einem Vortrag für die Laufbahn eines Missionars entschieden hatte, brach voller Enthusiasmus in das Reich der Mitte auf. "Die entscheidende Motivation für meinen Großvater war, die christliche Botschaft weiterzugeben nach dem Bibelwort: Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes.’ Wichtig war ihm dabei, Land und Leute kennen zu lernen und sich in die Sprache zu vertiefen. Aus Briefen wissen wir, dass er sich für die Farbigkeit und die Vielseitigkeit dieser Sprache, die er schon in Deutschland zu lernen begonnen hatte, begeisterte", erzählt Folker Hachtmann.

Examenspredigt in Chinesisch gehalten

Im Dezember hielt Zieger seine Examenspredigt vor der Synode Nordchinas. Wieder ein Jahr später heiratete er seine Verlobte Thea Steller, die sich als Lehrerin beim Aufbau des chinesischen Schulwesens engagierte. Ein Hochzeitsfoto zeigt das Paar, das zwei Kinder bekam, vor dem deutsch-kaiserlichen Standesamt in Tsingtau.

Aber das Glück in China währte nicht lange. Wenige Monate nach der Geburt des zweiten Kindes starb Albin Zieger, noch nicht einmal 32 Jahre alt, am 4. Januar 1910 an den Folgen einer Lungentuberkulose. Seine Frau kehrte mit den Kindern nach Deutschland zurück. Vier Jahre später endete mit dem Einmarsch der Japaner auch das deutsche Engagement des Kaiserreichs nach 17 Jahren in Tsingtau.

"Aber diese Zeit hatte ausgereicht, um viele deutsche Spuren in der Stadt, die inzwischen Qingdao heißt, zu hinterlassen", erzählt Yibo Beck, die sich nach der Erzählung des Pastors ausgiebig über die inzwischen auf gut acht Millionen Einwohner angewachsene Stadt informiert hat. Bekannt wurde Qingdao auch durch die olympischen Segelwettbewerbe 2008 in der Fushan-Bucht vor den Toren der Stadt. "In Qingdao gibt es noch ein deutsches Viertel’ und das Oktoberfest wird dort auch gefeiert, wenngleich schon im August", erzählt Yibo weiter. Vom örtlichen Fernsehsender Qingdao TV ließ sie sich Bilder der Stadt zuspielen. Darauf ist noch jenes deutsch-kaiserliche Standesamt zu sehen, das heute ein Krankenhaus beherbergt. Der europäische Friedhof, die letzte Ruhestätte von Albin Zieger, ist heute ein weitläufiger Park.

Yibo Beck hat die Geschichte von Folker Hachtmanns Großvater mittlerweile mit einigen Fotodokumenten ins Internet gestellt. "Ich habe schon knapp 14 000 Zugriffe und etwa 100 Kommentare registriert", sagt sie.

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