Ehrensache : Als Kind Kameraden beobachtet

Eberhard Zirzow ist ein Urgestein in den Reihen der Krakower Kameraden.
Eberhard Zirzow ist ein Urgestein in den Reihen der Krakower Kameraden.

Krakower Eberhard Zirzow bereits seit 60 Jahren Feuerwehrmann

von
21. März 2015, 06:00 Uhr

In einer Schachtel bewahrt Brandmeister Eberhard Zirzow seine Auszeichnungen auf. Sie ist gut gefüllt, denn wer 60 Jahre in der Feuerwehr ehrenamtlich gearbeitet hat, ist oft geehrt worden. „Ich habe z.B. alle Ehrenzeichnen des Landesfeuerwehrverbandes. Das erste gab es nach zehn Jahren“, erzählt der Krakower Schmiedemeister. Für 60 Jahre Feuerwehrarbeit erhielt er kürzlich das Ehrenzeichen am Bande (SVZ berichteten).

Mit 17 Jahren trat Eberhard Zirzow 1954 in die Krakower Wehr ein. Da befand sich das Gerätehaus noch hinter dem Ostgiebel der Kirche. Ein entscheidender Fakt, durch den der jugendliche Eberhard auf die Arbeit der Feuerwehrleute aufmerksam wurde. Denn das Gebäude war nicht weit vom Haus der Zirzows in der Plauer Straße entfernt. „Immer wenn es brannte, sah ich die Feuerwehr ausrücken. Das weckte mein Interesse“, erzählt der 77-Jährige. Eberhard Zirzow schaute auch oft bei den Einsätzen zu, wenn sie in der Nähe waren. Einmal ging er aber sogar bis nach Alt Sammit, wo der Blitz in ein Haus eingeschlagen hatte.


Großbrand als 14-Jähriger erlebt


Ein entscheidendes Erlebnis war für ihn jedoch der Großbrand mit einer Explosion in der Krakower Spritfabrik am Bahnhof am 7. Mai 1952. Der damals 14-jährige Eberhard erlebte die Katastrophe von Anfang an mit. Eberhard Zirzow erinnert sich als ob es heute wäre: „Ich war als Lehrling in der Werkstatt meines Vaters. Es gab ein Gewitter. Ein Blitz tauchte die Werkstatt in grellweißes Licht. Sekunden später gab es einen Donnerschlag, bei dem ich mich zu Tode erschreckte.“ Danach ertönte die Dampfhupe. Eberhard Zirzow stürzte aus der Werkstatt und sah eine Rauchsäule Richtung Bahnhof. Er rannte los. „Ich war eher da als die Feuerwehr“, erzählt er weiter. Vom Denkmal auf dem Bahnhofsvorplatz beobachtete er den Einsatz in der Spritfabrik, u.a. drei Feuerwehrleute auf einem Flachdach. Gerade wollte der junge Zirzow wieder nach Hause gehen als eine Explosion die Umgebung erschütterte und ein riesiger Feuerball entstand. „Ich war zwar 100 Meter weg, spürte aber die sehr große Hitze im Rücken“, berichtet er. Dann sah er die drei Feuerwehrmänner nicht mehr… Insgesamt kamen bei dem Großfeuer fünf Kameraden ums Leben. Aber dieses große Unglück schreckte Eberhard Zirzow nicht ab. „Gerade deshalb bin ich dann später Feuerwehrmitglied geworden“, erklärt er seinen Schritt.

Seinen ersten Einsatz hatte er im Dezember 1954. Das erste große Feuer, bei dem er dabei war, war in der Erntezeit 1955 bei einem Brand einer Scheune in Glave. Danach kamen viele, viele Einsätze dazu. So auch 1964 bei der Zugkatastrophe in Langhagen. Eberhard Zirzow wird ihn nie vergessen, denn die Krakower Kameraden mussten viele Leichen bergen. „Das sind besondere Momente, die einem zeigen, wie wichtig die ehrenamtliche Arbeit der Feuerwehren ist, um Menschenleben und Güter zu retten“, bekräftigt er. Besondere Verdienste erwarb sich Eberhard Zirzow als Hauptmaschinist und jahrelang als stellvertretender Wehrleiter für Technik. „Er war zwar vor meiner Zeit aktiv. Aber seine Glanzjahre hatte er in den 70-ern als er auch andere Kameraden für die Arbeit mit der Technik fit machte“, sagt Remo Schmecht, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Krakow am See.


Können als Schmied gefragt


Ab den 1980er-Jahren musste Zirzow sein Engagement für die Feuerwehr durch seine Arbeit in seiner privaten Schmiedewerkstatt einschränken. Aktiver wurde er aber wieder als Rentner und nachdem sein Sohn Jörg 2001 den Betrieb übernommen hatte. Das war die Zeit, in der seine handwerklichen Fähigkeiten als Schmiedemeister gefragt waren. Wertvolle Hilfe habe Eberhard Zirzow bei der Instandsetzung der historischen Technik geleistet, lobt Remo Schmecht. Eberhard Zirzow restaurierte u.a, Handdruckspritzen und ein Löschfahrzeug 8. Aktuell wartet ein alter W50 darauf restaureiert zu werden – für Eberhard Zirzow Ehrensache. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen