Vereine in der Region : Als in Sabel die Bilder das Laufen lernten

Bärbel Winkler, Petra Proba und Cindy Hinrichs (v.l.) haben es sich auf einer der Couchen gemütlich gemacht. Dankbar sind die Kinofreunde ihrem Vermieter, der ihnen den Raum, mit vielen Kinoplakaten gestaltet, als Kino überlässt.  Fotos: Hans-Jürgen Kowalzik (3)
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Bärbel Winkler, Petra Proba und Cindy Hinrichs (v.l.) haben es sich auf einer der Couchen gemütlich gemacht. Dankbar sind die Kinofreunde ihrem Vermieter, der ihnen den Raum, mit vielen Kinoplakaten gestaltet, als Kino überlässt. Fotos: Hans-Jürgen Kowalzik (3)

SVZ-Vereinsserie: die Kinofreunde Sabel e.V. Vor 13 Jahren das Kino ins Dorf geholt.

Als in Sabel die Bilder das Laufen lernten – diese Floskel wäre eine gute Erklärung für das Logo der Kinofreunde Sabel. Beine und eine Filmkamera: das passt. „Im Sommer 2002 war es, als befreundete Familien bei einem ihrer vielen Treffen einen Plan schmiedeten. Wir wollten uns Kultur aufs Land holen und legten fest, dass wir in unserem Dorf Kino machen“, erzählt Petra Proba, Gründungsmitglied des Vereins Kinofreunde Sabel, von den Anfängen, als besagte Floskel mit Leben erfüllt wurde. „Von großem Vorteil war, dass wir auch gleich einen Veranstaltungsort wussten – den alten Kulturraum der ganz alten Gaststätte“, ergänzen Bärbel Winkler und Cindy Hinrichs, die sich nicht erinnern können, mal bei einer ihrer Kinovorstellungen gefehlt zu haben.

Vor dem ersten Gong und Film aber war viel Arbeit angesagt, denn der Raum musste auf Vordermann gebracht werden. Er erhielt z.B. einen neuen Fußboden. Im Frühjahr 2003 war es dann soweit: Der erste Film flimmerte über die große Leinwand, die ebenfalls ein Eigenbau war. „Es war ,Lang lebe Ned Devine‘“, weiß Petra Proba noch genau, weil diese britisch-irische Komödie ihr Lieblingsfilm ist. Danach folgten bis heute viele Komödien, die bei den Besuchern sehr beliebt sind. Aber auch dramatische Streifen und bei Festivals ausgezeichnete Filme werden sehr gern gesehen.

Ausgewählt wird das Programm gemeinsam von den Mitgliedern. Petra Proba: „Wir beschäftigen uns intensiv mit dem Filmangebot für Erwachsene und Kinder und schauen auch, was in anderen kleinen Kinos angesagt ist.“ Die Filme bekommen die Kinofreunde vom Abspielring des Landesverbandes Filmkommunikation. Das ist gleichzeitig die Garantie für kostengünstige Einkäufe und einen moderaten Eintrittspreis von 3,50 Euro. „Manchmal erfüllen wir uns aber auch einen Sonderwunsch. Der letzte war ,Honig im Kopf‘“, erzählt Petra Pobra.


Besonderes Ambiente mit Couchen und Öfen


Die ersten Jahre mussten die Kinofreunde mit geliehener Rollen-Technik auskommen. Petra Pobra nannte es liebevoll „Klapperkastenkino“. Mit Fördergeld aus einem Dorfchronik-Projekt wurde dann der erste neue Beamer gekauft. Wenn auch die Technik auf dem neuesten Stand sein muss, lebt das Sabeler Kino gerade von älteren Stücken. Sie geben dem Raum eine besondere Note. Dazu gehören ein Kanonen- und ein Kachelofen, den die Kinofreunde setzen ließen. Bei dem Engagement der 40 Mitglieder versteht es sich von selbst, dass das Holz für die heimeligen Wärmequellen selbst geschlagen wird. Ein Klavier neben dem Kachelofen wartet allerdings noch auf einen Virtuosen. Es müsste vorher nur gestimmt werden.

Für das Ambiente sorgen aber auch die Sitzgelegenheiten. Cindy Hennings: „Anfangs hatten wir Klappstühle, wie sie in Kinos üblich sind. Die gingen irgendwann aus dem Leim. Es stehen nur noch einige in der letzten Reihe.“ Da bewiesen die Kinofreunde wieder ihre Findigkeit. Sie baten die Besucher um Couch-Spenden. Das funktionierte blendend. Es kamen viele Couchen zum bequemen Filme-Gucken zusammen.

Alle 14 Tage gibt es freitags und sonnabends im Wechsel Vorstellungen. 30 kommen im Schnitt im Jahr zusammen. Meistens sind es Filme. „Aber wir haben unser Programm ausgedehnt. Wir bieten Theater, Kabarett, kleine Konzerte, Puppentheater und Buchlesungen an. Weihnachten basteln wir mit den Kindern“, berichtet Petra Pobra. Mit dem Zuspruch sind die Kinofreunde zufrieden. Bärbel Winkler: „Inzwischen kommen die Besucher auch aus der Umgebung. Mehr könnten es allerdings aus Sabel sein. Zum Beispiel würden wir uns freuen, wenn sich der Bürgermeister mal einfinden würde.“

Warum das Wochenend-Kino in Sabel funktioniert, erklärt Cindy Hennings: „Erstens ist unser Ambiente sehr gemütlich. Zweitens freut man sich nach dem Alltag in der Woche auf das Wochenende und auf diesen Dorf-Treffpunkt. Drittens machen wir das mit Spaß und Freude, und das merken unsere Besucher. Viertens suchen wir immer weiter neue Mitstreiter, damit wir so gut weitermachen können.“ Außerdem meint sie, dass gemeinsam lachen und sehen mehr Spaß mache.

Das lobt auch der Landesverband Filmkommunikation. „Die Sabeler Kinofreunde sind sehr engagiert, und das Kinoangebot wird dort durch Filmgespräche und weitere kulturelle Angebote erweitert. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Filmklublandschaft in M-V“, sagt der Vorsitzende, Jens-Hagen Schwadt. Sehr gut findet der Güstrower das Sommerkino auf der Terrasse des Herrenhauses Friedrichshof, das die Sabeler mit dem Filmklub Güstrow anbieten. Gegenwärtig läuft das zweite Sommerkino. Der nächste Film „Von Menschen und Pferden“, eine Tragikomödie, läuft am 13. August um 21 Uhr.

Die Kinofreunde sind per Mail erreichbar. Petra Proba: „Eine eigene Homepage gibt es nicht. Unter www.filmtippp.de (mit drei p!) ist unser Programm zu finden. Aktuell haben wir dort aber noch keins hinterlegt, da wir noch in Planung sind. Die erste reguläre Vorstellung nach dem Sommer wird aber im September sein.“




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