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Erster Weltkrieg : Als die Frau zur Kriegerfrau wurde

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Der Erste Weltkrieg und Güstrow / SVZ-Serie zur 100. Wiederkehr des Kriegsbeginns von Edwin Kuna / Teil 4: Güstrows Kriegerfrauen

Die Bezeichnung Kriegerfrau – darunter wurden meist Ehefrauen und alleinstehende Mütter verstanden, deren Männer oder Söhne in den Krieg zogen – entwickelte sich erst während der Kriegszeit. Und doch wurden die Frauen während des Ersten Weltkriegs von Anbeginn täglich für Kriegszwecke mobilisiert.

Dabei änderten sich für die Frauen die Lebensbedingungen in jeder Hinsicht schlagartig. Die Männer verließen täglich in Scharen die Heimat, Familie und Arbeit und die Frauen blieben mit den Anforderungen des Tages zurück. Wie oft hörte man wohl auf den Straßen neben dem anfänglichen Jubel auch zweifelnde Sätze: „Das Leben muss ja weiter gehen“ oder „Wenn die Kinder nicht wären…“. Auf ihren Schultern ruhte die wirtschaftliche und soziale Verantwortung für Haus, Heim und die Kindererziehung.

Die soziale Situation war schwierig, denn die Männer als Haupternährer der Familie fehlten schmerzhaft. Über Umfänge und Dauer des Krieges dachte anfangs kaum jemand nach, die Menschen glaubten in ihrem Patriotismus der Krieg wäre schnell beendet und dass er nicht lange dauern könne. Bald würden die Männer aus dem Feld wieder heimkehren.


Ersparnisse schnell aufgebraucht


Die Zuversicht war groß und mit dem Mobilmachungsbefehl in der Hand gingen viele Männer und Väter auf die Güstrower Sparkasse, um für ihre Abwesenheit zusätzlich bares Geld für Frau und Kinder abzuheben. Bei den meisten wurden die ohnehin mühsam zusammen getragenen Ersparnisse aufgebraucht, aber vorläufig sollte es reichen. Die Krieger erhielten dann auf dem Schlachtfeld je nach Dienstgrad geringe Löhnung, viele Familienväter schickten davon noch Geld nach Hause, um Frau und Kinder durchzubringen oder zu unterstützen.

Der Familienvater fehlte und für die soziale Sicherheit sollten nunmehr Staat und Kommune mit täglich neu erscheinenden Verordnungen eintreten. In der ersten Kriegssitzung vom 8. August beschlossen Magistrat und Bürgerausschuss zu Güstrow, den einberufenen Beamten ihr Gehalt weiterzuzahlen, den Familien der einberufenen Angestellten und Arbeiter die Hälfte des Lohnes weiterzuzahlen. Für alle anderen Soldatenfamilien, aus den Betrieben, aus dem Handwerk, sah es weit weniger günstig aus. Es galten zunächst nur die staatlichen Unterstützungssätze. Die Familienunterstützung betrug im Sommer 1914 9 Mark und im Winter 12 Mark monatlich für die Ehefrau, für Kinder unter 15 Jahren 6 Mark und wurde im Verlauf des Kriegs erhöht, z. B. auch auf uneheliche Kinder ausgedehnt usw.

Die Zeitung informierte regelmäßig insbesondere die „niederen Stände der Stadt“ zu aktuellen Veränderungen in der sozialen Gesetzgebung. Die Frauen mussten also auch sehr aufmerksam sein, wenn sie mit ihren Anträgen auf Zuschüsse zurechtkommen wollten. Wie es sich bald zeigte, reichten diese staatlichen Ersatzleistungen jedoch nicht aus und die Stadt musste Kredite aufnehmen, um die Unterstützung aufzustocken.


Güstrower helfen Kriegerfamilien


Ebenso entfaltete sich eine private Wohlfahrt in Güstrow. Neben vielen politischen Losungen und Schlagworten dieser Zeit, war dann in der Zeitung zu lesen: „Ehrenpflicht der Zurückbleibenden ist es, für die Familien der Hinausziehenden zu sorgen.“ Tatsächlich unterstützten viele Bürger von Güstrow, denen es wirtschaftlich gut ging, die Kriegerfrauen und ihre Kinder in starkem Umfang. Güstrows Malerinnung spendete 50 Mark und der hier ansässige Verein mecklenburgischer Justiz- und Domanialuntertanen stiftete 100 Mark für mildtätige Zwecke. Die Stadt gründete ein Hilfskomitee für Familien in Not. Der eingerichtete städtische Arbeitsnachweis konnte im August 1914 fast alle 200 Arbeitslosen in Arbeit bringen und versuchte nun auch besonders Frauen auf durch den Krieg frei gewordene Arbeitsstellen zu vermitteln.

Der Krieg war von allen als eine nationale Aufgabe verstanden worden und die Bereitschaft der Einzelnen in Notzeiten zu helfen war groß. Von Anbeginn des Krieges gab es organisierte Sammlungen zu Gunsten der Soldaten an der Front, aber auch für Frauen und Kinder. Die Leute gaben bereitwillig und großzügig Geld und Sachspenden jeder Art. Im Güstrower Frauenverein gab es zudem in jeder erdenklichen Weise stets einen guten Rat und Hilfe bei Antragstellungen für die Verwaltung.

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