Doberaner Münster : Alle Glocken unter einem Dach

Mit einem Kran wurden die 670 Kilogramm schweren Glocken nach oben gehoben.  Fotos: Martin Heider
1 von 2
Mit einem Kran wurden die 670 Kilogramm schweren Glocken nach oben gehoben. Fotos: Martin Heider

Stunden- und Viertelstundenglocke erklingen wieder zusammen am Doberaner Münster. Offizielle Abnahme vor Kurzem erfolgt

von
28. Januar 2016, 12:00 Uhr

Endlich erklingen sie zusammen: Nach jahrelanger Stille läuten die Stunden- und die Viertelstundenglocke wieder im Doberaner Münster. Bereits zum Ende des vergangenen Jahres wurden die Glocken montiert, nun erfolgte die offizielle Abnahme des Uhren-Schlagwerks.

Auf das Läuten der Viertelstundenglocke mussten die Doberaner rund 50 Jahre verzichten. Ende der 1960er-Jahren stürzte die Glocke ab und zerschellte. „Damals hingen die Glocken noch an Stangen aus geschmiedetem Stahl. Die Stangen waren anfällig für Rost. Das Rosten führte vermutlich zur Volumenerweiterung, was eine Sprengwirkung nach sich zog. Dadurch stützte die Glocke ab“, sagt Martin Heider, Kustos am Doberaner Münster.


Zehn Jahre herrschte Stille


Nun hängt eine neu gegossene Viertelstundenglocke am Münster, währenddessen die alte und größere Stundenglocke restauriert werden konnte. Die große Glocke war die vergangenen zehn Jahre nicht zu hören. Grund dafür war die starke Verschmutzung durch Vogelkot und Nistplätze der Tiere an der Schutzhaube der Glocke. „Die Glocke klang irgendwann richtig blechern. Dann mussten wir das Schlagen einstellen“, so der Kustos.

Nun hat das Doberaner Münster wieder ein vollständig funktionierendes Uhren-Schlagwerk. „Die Baufirma hat im Vorwege tolle Arbeit geleistet. In einer Gesamtkonstruktion konnten die Glocken innerhalb weniger Stunden mit einem Kran hochgezogen und montiert werden“, sagt Heider. Die kleine Viertelstundenglocke habe ein Gewicht von etwa 200, die große Stundenglocke wiegt sogar 470 Kilogramm.

„Man kann sich fragen, warum, wurde die Stundenglocke 2012 abmontiert und erst jetzt wieder angebracht. Wir mussten einfach Prioritäten setzen“, sagt Heider. Verschiedene Instandhaltungsarbeiten wurden vorrangig behandelt. „Wir hatten großen Sanierungsbedarf an der Turmspitze und im Dachraum. Auch wenn die Glocken für eine Kirche wichtig sind, die anderen Arbeiten waren einfach wichtiger“, so der Kustos.

Um so glücklicher ist Martin Heider, dass die Glocken endlich wieder zu hören sind. Besonders schön sei es zu den Zeiten 8, 12 und 18 Uhr. Dann läute die Viertelstundenglocke viermal, die Stundenglocke gebe die Uhrzeit mit ihrer Schlagzahl an und im Anschluss seien zusätzlich die kleinen Glocken im Dachreiter zu hören, so Heider.


Uhr wird einmal die Woche aufgezogen


„Wir haben uns bewusst gegen eine moderne Technik im Uhrenwerk entschieden“, sagt der Kustos. Die Seile seien nun aus Edelstahl und somit vor Rost geschützt. Doch der Mechanismus des Uhrwerks ist erhalten geblieben. Einmal in der Woche müsse die Uhr neu aufgezogen werden, damit sie nicht stehen bleibt. Im Zuge der offiziellen Abnahme wurden die Küsterinnen am Münster in die Funktion des mechanischen Werkes und den Dienst des wöchentlichen Aufziehens eingewiesen. Die drei Gewichte werden mit einer Kurbel aufgezogen. Ein Gewicht dient zum Antrieb des Uhrwerkes und je eines für den Viertelstunden- sowie den Stundenschlag. Nach der langen ungenutzten Zeit des Werkes wird es in der ersten Zeit zu zeitlichen Abweichungen kommen.

Die Arbeiten wurden durch Mittel des Bundes aus dem Förderprogramm für National bedeutende Denkmale in Ostdeutschland und Patronatsmittel unterstützt. Eigenmittel kamen aus dem Münsterhaushalt, Patronatsmitteln der Kirche und Spenden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen