Sucht Güstrow : Alkohol ist Suchtstoff Nummer 1

Das Team der Güstrower Sucht- und Drogenberatung: Psychotherapeutin Kerstin Groß, Diplom-Sozialpädagogin Audrey Bayes, Verwaltungsmitarbeiterin Carola Beier, Diplom-Sozialpädagoge Gunter Wessalowski, Einrichtungsleiterin Katrin Moritz, Diplom-Sozialpädagoge Andreas Schröter, Diplom-Sozialpädagogin Susanne Winkler, Sozialpädagogin Regine Gruse (v.l.).
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Das Team der Güstrower Sucht- und Drogenberatung: Psychotherapeutin Kerstin Groß, Diplom-Sozialpädagogin Audrey Bayes, Verwaltungsmitarbeiterin Carola Beier, Diplom-Sozialpädagoge Gunter Wessalowski, Einrichtungsleiterin Katrin Moritz, Diplom-Sozialpädagoge Andreas Schröter, Diplom-Sozialpädagogin Susanne Winkler, Sozialpädagogin Regine Gruse (v.l.).

Sucht- und Drogenberatung in Güstrow: Bei insgesamt 698 Klienten wurde in 470 Fällen im Hinblick auf eine Alkoholsucht beraten

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02. März 2016, 21:05 Uhr

Schon seit 2003 ist Katrin Moritz in der Güstrower Sucht- und Drogenberatung der Diakonie tätig. Seither habe sie schon einige Schwankungen der Klientenzahlen erlebt. Mit 698 Klienten im Jahr 2015 waren es 170 mehr als noch im vergangenen Jahr. „Das ist natürlich auch ein Resultat eines personellen Zuwachses in unserem Team“, verrät die Leiterin der Beratungsstelle. Seit Ende 2014 verstärkt Diplom-Sozialpädagogin Audrey Bayes das Team und kümmert sich um das ambulante betreute Wohnen. Hinzu kamen im Januar 2015 auch Ärztin Kerstin Lüthens und die Psychotherapeutin Kerstin Groß, zu deren Aufgabenbereichen die ambulante Rehabilitation gehört.

Ein Großteil der betreuten Klienten im vergangenen Jahr wiesen eine Alkoholabhängigkeit auf. „Mit 470 Fällen ist Alkohol unsere Droge Nummer 1 und das seit vielen Jahren sehr stabil“, sagt Katrin Moritz. An zweiter Stelle rangiert die Cannabisabhängigkeit, gefolgt von einer Mehrfachabhängigkeit von mindestens drei verschiedenen Suchtstoffen. Dabei verweist die Diplom-Sozialpädagogin und Suchttherapeutin auf eine neue US-amerikanische Methode, die auf eine Aufhebung der Unterscheidung von Abhängigkeit und Missbrauch abzielt. „Bislang wird das in Deutschland ganz klar von einander unterschieden, die Grenzen können aber – das wissen wir aus der Praxis – durchaus fließend sein, da erscheint es sinnvoll Missbrauch und Abhängigkeit zu einem Störungsbild zusammenzuführen“, erklärt Katrin Moritz.

In der Praxis ließen sich so die Übergänge besser erfassen – insbesondere, weil sich eine Abhängigkeit in den meisten Fällen über eine Gewöhnung – wie etwa das Feierabendbier – entwickelt. Menschen, die eine solche Gewöhnung bei sich feststellen, rät die Suchttherapeutin zu einem Beratungsgespräch. „Oft erfüllt zum Beispiel der Alkohol eine bestimmte Funktion, dient der Entspannung, dem Abschalten. In den Gesprächen können individuelle Wege gefunden werden, diese Funktion anders auszufüllen“, sagt Moritz weiter.

Die Wege aus der Sucht seien vielfältig. Dazu gehören beispielsweise die stationäre Entgiftung, Rehabilitation, Beratungen und Therapie. Das sei von Person zu Person unterschiedlich. Die meisten Klienten der Güstrower Sucht- und Drogenberatungsstelle seien männlich und im Alter zwischen 25 und 64 Jahren, wobei bei den 40-Jährigen noch einmal ein Anstieg zu verzeichnen ist, fasst Moritz zusammen. „Die Dunkelziffer ist aber sicher noch deutlich höher. Vielen ist nicht bekannt, das Alkoholsucht eine chronische Erkrankung ist. Sie ist keine Frage des Willens. Für viele ist die Bekenntnis zu dieser Erkrankung ein schwerer Schritt – auch, weil er das ganze Leben verändert“, macht Moritz deutlich. Mit Präventionsangeboten wollen die Mitarbeiter der Beratungsstelle auf das Thema Sucht aufmerksam machen. Das die Nachfrage nach diesen Angeboten – auch innerbetrieblich – wächst, sei erfreulich. Wer das Angebot wahrnehmen möchte, kann sich direkt an die Beratungsstelle wenden, Telefon 03843 681862. Montags ist in der Zeit von 9 bis 12 Uhr zusätzlich eine Beratung ohne Termin in der Beratungsstelle in der Güstrower Eisenbahnstraße 18 möglich.


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