Tieplitz/Güstrow : Ärger mit dem Jobcenter - trotz Arbeit

Rüdiger Ribinski hat Dana Wickboldt für 30 Stunden in der Tieplitzer Gaststätte „Am Karpfenteich“ beschäftigt.
Rüdiger Ribinski hat Dana Wickboldt für 30 Stunden in der Tieplitzer Gaststätte „Am Karpfenteich“ beschäftigt.

Trotz 30-Stunden-Job erhält Aufstockerin weiterhin Angebote über das Jobcenter. Ziel: Hartz IV-Bezüge ganz beenden.

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21. November 2017, 05:00 Uhr

„Weiß denn hier die eine Hand nicht, was die andere macht?“, fragt sich Rüdiger Ribinski und meint damit das Jobcenter in Güstrow. Der Inhaber der Gaststätte „Am Karpfenteich“ in Tieplitz stellt sich vor seine Mitarbeiterin Dana Wickboldt. Sie würde immer wieder Angebote vom Jobcenter erhalten, darunter auch solche, die seiner Meinung nach einer Frechheit gleichkommen. Prinzipiell handele das Jobcenter richtig, betont jedoch Thomas Drenckow, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Rostock, auf SVZ-Nachfrage, räumt aber auch Versäumnisse seitens des Jobcenters ein.

Dana Wickboldt (38) ist Restaurantfachfrau. Schon viele Jahre hangelt sie sich mit saisonalen Jobs durchs Leben. Gereicht hat es oft hinten und vorne nicht. Als alleinerziehende Mutter mit Sohn habe sie schließlich Hartz IV beantragen müssen. Seit März ist sie in der Gaststätte „Am Karpfenteich“ für 30 Stunden in der Woche beschäftigt. Das Geld reicht auch jetzt zum Leben nicht aus, so dass Dana Wickboldt zu den sogenannten Aufstocker gehört. Rund 100 Euro bekommt sie weiterhin über das Jobcenter. Von dort kommen auch weiterhin Jobangebote, verbunden mit der Aufforderung, sich dort vorzustellen, zuletzt bei einem Café in Güstrow. „Arbeitszeit von 11 bis 22 Uhr“, berichtet die Mutter. Sie habe beim Jobcenter angegeben, dass eine Arbeit zwischen 8 und 20 Uhr möglich wäre. Davor und danach müsse sie sich um den Sohn kümmern. Rüdiger Ribinski wundert sich auch über das aktuelle Angebot einer Beschäftigung für 8,50 Euro die Stunde und erhebt den Vorwurf purer Ausbeutung, der das Jobcenter Vorschub leisten würde, meint der Gastwirt aus Tieplitz, der sich auf dem Weg in den Ruhestand befindet.

„Um stets passende Vorschläge erstellen zu können, ist es wichtig, kontinuierlich sowohl Stellenangebote der Arbeitgeber als auch Kompetenzprofile der Bürger inhaltlich aktuell und korrekt zu halten“, betont Drenckow. Dazu gehöre es u.a. auch, Regelungen zum Mindestlohn zu beachten und Stellenangebote auf den neuesten Stand zu bringen. Das sei in dem Fall versäumt, inzwischen aber korrigiert worden, so der Sprecher der Agentur für Arbeit Rostock.

Ziel: Bezug von Leistungen beenden

Zum konkreten Fall könne er sich nicht äußern. Generell gelte aber, dass jemand, der eine Vollbeschäftigung anstrebt, aktuell aber nur 30 Stunden pro Woche beschäftigt ist, weiterhin Vermittlungsangebote erhalte. „Ziel ist es, die angestrebte Wochenstundenzahl zu erreichen“, erklärt Thomas Drenckow. Das könne den Effekt haben, dass der Bezug von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II verringert oder ganz beendet werden könne. Drenckow: „Das ist das Ziel der Jobcenter und der von ihnen betreuten arbeitslosen Frauen und Männer.“ Dazu sei eine kontinuierliche Kommunikation zwischen Jobcenter und „Kunden“ notwendig. Die SVZ-Anfrage nehme man zum Anlass, die „Prozesse innerhalb unserer Häuser erneut zu betrachten und gegebenenfalls zu optimieren“, erklärt der Sprecher der Arbeitsagentur.

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