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Güstrower Anzeiger

23. September 2017 | 16:38 Uhr

Cacau in Güstrow : Achmads Traum von Real Madrid

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ex-Fußball-Nationalspieler Cacau diskutierte in Güstrow zum Thema „Integration durch Sport“.

von
erstellt am 02.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Achmad ist 13 Jahre alt, er spielt Fußball bei den C2-Junioren im Güstrower SC, und er hat einen Traum: Irgendwann einmal will er zu Real Madrid. Und er möchte für die deutsche Nationalmannschaft spielen. Achmad kam vor knapp einem Jahr nach Güstrow, aus Syrien, wo seine Familie den Krieg nicht mehr aushielt. Von seinem Traum erzählte Achmad Cacau, dem aus Brasilien stammenden ehemaligen deutschen Fußballnationalspieler.

Claudemir Jeronimo Barreto, wie der Fußballer mit dem Trikot-Schriftzug Cacau bürgerlich heißt, kam nach Güstrow, um über „Integration durch Sport“ zu sprechen. Cacau ist Integrationsbotschafter beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), eingeladen hatte zu der Diskussionsrunde im Bürgerhaus Bundestagsmitglied Jeannine Pflugradt; der Güstrower Landtagsabgeordnete Philipp da Cunha (beide SPD) moderierte.

Der Sport sei eine gute Möglichkeit, sich neuen Nachbarn zuzuwenden, bemerkte Jeannine Pflugradt, die Mitglied im Sportausschuss des Bundestages ist. „Weil die Regeln überall gleich sind, verbindet Sport und hilft, Grenzen schneller zu überwinden.“ Dagmar Kaselitz, seit kurzem erste Integrationsbeauftragte der Schweriner Landesregierung, spricht direkt zum Anlass der Diskussion: „Wenn Flüchtlinge sich irgendwie beschäftigen, gibt es den wenigsten Kummer.“ Und überall ließe sich doch feststellen: Wenn zum Beispiel ein Fußballer aus dem Asylheim viele Tore schießt, wollen die Vereine ihn an sich binden. Beim gemeinsamen Sport und rundherum werden dann Erlebnisse ausgetauscht, mit denen die beteiligten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen vorher nie gerechnet hätten.

Leider würden sie dann aber auf viele bürokratische Hürden treffen, etwa beim Erlangen für die Aufenthaltserlaubnis, weiß Kaselitz auch. Vereine stünden nicht selten vor Fragen, wie etwa ein solcher Mitspieler zum Spielerpass kommt, oder wovon er den Mitgliedsbeitrag zahlen soll. Der Ruder- und Handball-Übungsleiter Frank Eilrich würde sich wünschen, dass man Fördermittel auch ohne den Hinweis auf die Flüchtlinge bekommen könnte. „Ich versuche bewusst, auf das Wort ,Integration’ zu verzichten“, sagt der Krakower. Doch das Teilhabepaket sei schnell verbraucht.

Mit dem Ex-Fußballer Cacau diskutierten Philipp da Cunha (l.), Jeannine Pflugradt und Dagmar Kaselitz (r.).
Mit dem Ex-Fußballer Cacau diskutierten Philipp da Cunha (l.), Jeannine Pflugradt und Dagmar Kaselitz (r.).  Foto: Eckhard Rosentreter

Rainer Rehbein, der mit weiteren Mitstreitern ein „Komm-Center“ in Güstrow betreibt, in das viele Kinder aus dem arabischen Raum kämen, ist „erschrocken, dass man bei Vereinen erst mal einen Aufnahmebeitrag zahlen muss“. So etwas gebe es in seiner Einrichtung nicht, jeder – und der pensionierte Pfarrer betont: jeder – könne einfach kommen und seine Projektideen verfolgen.

 

Er habe festgestellt, sagte Philipp da Cunha: Vereine zeigten sich in der Recherche nach Fördermöglichkeiten oft überfordert. Aber es gibt sie, betonte Dagmar Kaselitz und verwies unter anderem auf einen Integrationsfonds des Landes, jährlich mit 1 Million Euro gefüllt, für den sie sich aber auch einen anderen Namen gewünscht hätte. „Und manchmal“, weiß Kaselitz, „hilft auch einfach die Anfrage bei der örtlichen Politik, also in der Gemeindevertretung.“ Die Integrationsbeauftragte möchte jedoch nicht alles am Geld festmachen: „Einfach an die Hand nehmen ist oft auch schon hilfreich.“

Sport sei aber nicht nur international übergreifend, erinnerte Cacau, sondern ebenso parteienübergreifend: „Sport verbindet auch zwischen verschiedenen Weltanschauungen.“ Natürlich sei gerade die Flüchtlingskrise aktuell, Cacau mahnte aber zugleich: „Bitte vergessen wir nie die anderen sozialschwachen Kinder!“

Dem syrischen Jungen Achmad konnte Cacau vor allem viel Trainingsfleiß empfehlen. Und der Junge sollte zeigen, was er so drauf hat im Umgang mit dem Ball, könnte sich durchaus einmal bei einem Profiverein vorstellen. Vielleicht ja auch bei Hansa Rostock – schließlich habe es mit Toni Kroos ein Hanseat ja schon zu Real Madrid geschafft. Und das mit der Nationalmannschaft – wer wüsste das besser als Cacau – käme dann von ganz allein.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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