Verbraucherzentrale : „Abzockerei Älterer hat Methode“

„Besonders unsere älteren Mitmenschen können kaum noch auf Augenhöhe mit Anbietern, zumal mit dubiosen, agieren', sagt Joachim Geburtig, Leiter der Güstrower Beratungsstelle der Verbraucherzentrale MV. Archiv
„Besonders unsere älteren Mitmenschen können kaum noch auf Augenhöhe mit Anbietern, zumal mit dubiosen, agieren", sagt Joachim Geburtig, Leiter der Güstrower Beratungsstelle der Verbraucherzentrale MV. Archiv

Es sind immer wieder gerade Senioren, die ins Visier von Betrügern geraten. Raffinierter Abzocke mit System - und finanzielle Schäden, die für die Opfer allzu oft existenzbedrohend sind.

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23. November 2012, 11:27 Uhr

Güstrow | Immer mehr ältere Mitbürger werden in der Barlachstadt Opfer von Neppern, Schleppern und Bauernfängern. Das belegen alarmierende Zahlen der Güstrower Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern für das Jahr 2012. "Die Abzockerei Älterer hat leider Methode und breitet sich immer mehr aus", musste Joachim Geburtig, Leiter der Güstrower Beratungsstelle, in diesem Jahr feststellen. "Die Gauner gehen immer raffinierter vor, nutzen qualifizierte Datenbanken, die eine hohe Trefferquote garantieren, und stellen sogar Profile ihrer Opfer auf."

Mehr als 500 Verbraucher suchten in diesem Jahr bereits persönlich, schriftlich, telefonisch oder per Mail Kontakt in der Beratungsstelle Güstrow. "Mehr als 70 Prozent davon Senioren", so Joachim Geburtig. Der demografische Wandel sei gerade in der Güstrower Region nicht zu übersehen. Ganz anschaulich werde dies im Tagesgeschäft der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale. "Fanden noch vor wenigen Jahren nur vereinzelte Verbraucher in der Altersstufe 70plus den Weg zur Beratung, bestimmen die Älteren heute das Bild in den Sprechstunden." Positiv sei zunächst das gewachsene Informationsbedürfnis bei den Senioren. "Doch die meisten der betagten Ratsuchenden kommen als Betroffene", sagt Joachim Geburtig. "Da wurde ein Gewinn angekündigt oder ein schöner Ausflug angeboten oder mit einer lukrativen und sozial ausgerichteten Geldanlage geworben oder die Teilnahme an einem Lotteriespiel vermittelt oder ein Telefonvertrag mit günstigen Konditionen vorgestellt oder irgendeine andere böse Falle gestellt", zählt der 62-Jährige auf, der seit fünf Jahren die Anlaufstelle der Verbraucherzentrale in der Mühlenstraße 17 leitet. Im ländlichen Bereich seien zudem wesentlich mehr so genannte Haustürgeschäfte zu verzeichnen als in den Städten.

Besorgnis erregend sei vor allem, dass in den Beratungsgesprächen meist nicht gefragt werde, ob man sich auf dieses oder jenes Angebot einlassen sollte. "Meist ist leider das Kind bereits in den Brunnen gefallen." Nicht nur ungewollte Rechnungen und regelmäßige Abbuchungen würden von den Senioren beklagt, sondern oft würden sich die Geschädigten mit Mahnschreiben von Rechtsanwälten oder von Inkassobüros konfrontiert sehen. "Der persönliche finanzielle Schaden ist manchmal schon Existenz bedrohend", so Joachim Geburtig. Dabei verweist der Verbraucherschützer besonders auf den jüngsten Skandal der Volkssolidarität-Immobilienfonds. Hier werde ein Dilemma deutlich: "Besonders unsere älteren Mitmenschen können kaum noch auf Augenhöhe mit Anbietern, zumal mit dubiosen, agieren."

Ob Abzocke im Internet oder am Telefon sowie bei zahlreichen weiteren Problemen war die Beratungsstelle Güstrow in diesem Jahr engagierter Partner für die Interessen von Verbrauchern. "Die Energiesparberatung und Beratungen zur Überprüfung der Heizkosten und Wassererwärmungskosten fanden regen Zuspruch", hebt Joachim Geburtig hervor. "Das so genannte File-Sharing und damit verbundene Urheberrechtsverletzungen haben auch viele junge Ratsuchende zu uns geführt", sagt er. Was in Güstrow fast überhaupt nicht nachgefragt werde, seien Beratungen rund um das Thema Bauen. "Obwohl wir auch dies anbieten."

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