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Unseriöse Geschäfte in Güstrow : Abzocke bei Teppichreinigung

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Wucher: 95-jährige Güstrowerin sollte das Siebenfache des Normalpreises zahlen / Polizei ermittelt / Verbraucherschützer warnt

von
erstellt am 14.Okt.2015 | 06:00 Uhr

Teppich-Abzocke in Güstrow. 5700 Euro sollte eine 95-jährige Güstrowerin (Name der Redaktion bekannt) für die Reinigung und kleinere Reparaturen ihrer Teppiche bezahlen. Doch die vor 40 Jahren in der DDR gekauften Wollteppiche haben maximal einen Wert von 500 Euro. Sie war auf einen Flyer mit „tollen Angeboten“ eines Teppich-Ladens am Markt 26 in Güstrow hereingefallen. Das Geschäft ist mittlerweile schon wieder Geschichte, das Gewerbe abgemeldet. Jetzt ermittelt auch die Güstrower Polizei.

Kostenlose Beratung, Teppichwäsche und Reparatur nach persischer Tradition, kostenlose Abholung der Teppiche und unverbindliche Kostenvoranschläge – Mit blumigen Versprechen warb die Teppichreinigung auf Flyern in Güstrow. In vielen Haushalten der Stadt wurde der Flyer verteilt. Doch zwischen den Versprechen und dem, was letztendlich dabei heraus kam bestand ein eklatantes Missverhältnis. So sollte die 95-jährige Güstrowerin das siebenfache des üblichen Marktpreises bezahlen. Drei ihrer Teppiche wurden ohne schriftliches Angebot gereinigt, angeblich gewaschen, einer wurde repariert. Grundlage war der erwähnte Flyer, der ihr per Postwurf zugestellt wurde.

Die Güstrower Polizei ist an dem Fall dran. „Wir untersuchen, ob es sich um Wucher handelt“, sagt Polizeihauptkommissar Gert Frahm, Sprecher der Güstrower Polizei. Zwei Verdächtige, einen aus Krefeld und einen aus Mönchengladbach, haben die Beamten auf dem Kieker. Sie sollen das mittlerweile wieder geschlossene Geschäft in Güstrow betrieben haben. „Der Fall weist Parallelen zu einer Vielzahl von Fällen rund um Neubrandenburg auf“, sagt Frahm. Hier traten die Teppich-Abzocker vor allem im vergangenen Jahr mit der gleichen Masche auf. Einer der beiden, gegen die jetzt ermittelt werde, sei damals schon in Neubrandenburg dabei gewesen, so Frahm. Er geht davon aus, dass noch mehr Leute auf die Abzocke hereingefallen sind. „Wir bitten diese Leute, sich bei uns zu melden“, sagt der Polizei-Sprecher.

Auch der Verbraucherzentrale ist die Masche mit der Teppich-Abzocke bekannt. „Wir bekommen seit Jahren nahezu wöchentlich solche Beschwerden“, sagt Matthias Winz, Jurist bei der Verbraucherzentrale MV in Rostock. Dass das Geschäft am Markt 26 in Güstrow nach etwas mehr als zwei Monaten schon wieder geschlossen ist wundert ihn nicht. „Es handelt sich in diesen Fällen nicht um ein herkömmliches Geschäft, meist nur ein Schaufenster in dem ein Zettel mit einer Telefonnummer hängt“, sagt er. Wenn die Mitarbeiter der Teppichreinigung ins Haus kommen, würde das Angebot oft nicht schlecht klingen, aber meistens bekomme man keine verbindliche Auskunft, erklärt Matthias Wins. „Die Katze lassen sie erst aus dem Sack, wenn sie den Teppich aus dem Haus haben“, sagt er. Entweder müsse man eine Riesensumme zahlen – sonst komme der Teppich nicht zurück. Oder man bekomme – weil der alte nicht mehr zu gebrauchen sei – als „Super-Sonder-Angebot“ einen völlig überteuerten neuen Teppich aufgeschwatzt. „Das sind die Maschen, die wir regelmäßig bei solchen Teppichreinigungen haben“, so Wins. Der Preis, den die Güstrower Rentnerin zahlen sollte, nennt er „irrwitzig teuer“ und spricht von Wucher. Die Polizei müsse jetzt feststellen, ob die Verbraucherin vorsätzlich getäuscht worden sei und es sich deshalb um Betrug handele.

 

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