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Güstrower Anzeiger

11. Dezember 2017 | 06:48 Uhr

Video : Abschiebebahnhof Laage

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

103 Menschen vom Flughafen in ihre Heimatländer auf dem Balkan zurückgeflogen. Kritik vom Flüchtlingsrat

von
erstellt am 10.Mai.2016 | 18:45 Uhr

Die erstmalige Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern vom Flughafen Laage aus verläuft unter strenger Abschirmung durch Bundes- und Landespolizei. Abgeschobene Flüchtlinge bekommt die Öffentlichkeit nicht zu sehen, Informationen bleiben Mangelware.

Genau 103 Menschen sollen es gewesen sein, die den Charterflug nach Skopje und Belgrad am Dienstag antraten, zählt Bundespolizeisprecher Matthias Menge. Darunter sollen sich 50 Kinder, vom Babyalter bis zum Jugendlichen, befunden haben. Sie stammten aus Serbien, Mazedonien und Albanien, und sie hatten vergeblich in Deutschland um Asyl ersucht – „sichere Herkunftsländer“ heißen die Stichwörter.

 

Anderthalb Dutzend „Zaungäste“ finden sich Dienstagvormittag am Tor C der Rollfeldes ein – junge Leute, vorwiegend aus Rostock, protestieren gegen die Abschiebung. Zu sehen bekommen auch sie keine Flüchtlinge. Gut 300 Meter entfernt steht vor der Frachthalle die Air-Berlin-Maschine zur Abfertigung. Die Sicht auf die Gangway ist durch einen großen Bus versperrt. Stundenlang harren die jungen Leute aus, haben ein großes Plakat am Zaun aufgehängt: „Refugees welcome!“ „Wir wollen selbst sehen, wie die Abschiebung abläuft. Ob etwa ein Arzt dabei ist, Psychologen, Seelsorger… Und ob alle über ihre Rechte informiert sind und diese auch wahrnehmen können“, erklärt Florian Fröhlich (27) die kleine Demonstration. Der Rostocker stellt sich als Migrationsberater beim Flüchtlingsrat vor. Um 13.19 Uhr startet das Flugzeug.

Einen Eindruck vom Geschehen dürfen Fröhlich und Mitstreiter erst bekommen, als die Maschine längst Richtung Balkan entschwunden ist. Der Wartebereich im früheren Passagierterminal, jetzt „Cargo-Halle“, ist da bereits durchgewischt. Matthias Menge zeigt der Abordnung Arztzimmer, Spielecke, Sanitärbereich. „Die Spielecke kam gut an, die Kinder waren alle gut drauf“, bricht ein Flughafen-Mitarbeiter das Schweigegelübde. Zoll, Polizeibeamte und Flughafen-Personal hätten die 103 Menschen abgefertigt wie normale Passagiere, erläutert Matthias Menge: Zollkontrolle, Gepäckaufgabe zum Durchleuchten, Passkontrolle (soweit vorhanden), Einchecken, Sicherheitskontrolle… An jedem Punkt stünden Dolmetscher bereit, obwohl die meisten der Menschen ganz gut deutsch sprachen, wie Menge meint. Er versicherte, dass die Flugpassagiere nicht nur von Polizeibeamten, sondern auch von einem Arzt begleitet werden.

Nur eine Frau und ein Mann hätten sich am Morgen gegen die Abschiebung gewehrt, sagt Menge. Der Grund sei eine Familientrennung, weil ein Minderjähriger derzeit nicht abgeschoben werden kann und deshalb ein Teil der Familie noch in Deutschland bleiben soll. Letztlich sitzen auch die zwei „Widerständler“ im Flugzeug. „Ich habe jetzt aber keine Gefesselten gesehen“, sagt der Polizeisprecher auf Nachfrage, ob Gewalt angewandt werden musste. „Natürlich ist das nicht angenehm. Aber so ist nun mal die Rechtslage“, springt Gert Frahm von der Güstrower Polizeiinspektion seinem Kollegen zur Seite. „Ein guter Rechtsstaat braucht sich dennoch nicht zu verstecken“, kritisiert Florian Fröhlich, dass auch dem Flüchtlingsrat Kontakte zu den abgeschobenen Menschen verwehrt blieben.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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