Bützow : Abrissantrag für letztes Denkmal

September 2007: Drei der vier denkmalgeschützten Häuser wurden abgerissen. Das vierte – die  Rühner Straße 9  - sollt erhalten werden.
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September 2007: Drei der vier denkmalgeschützten Häuser wurden abgerissen. Das vierte – die  Rühner Straße 9  - sollt erhalten werden.

Kaufhausbesitzer Martin Stolz möchte das Haus Rühner Straße 9 abreißen / Hauptausschuss sagt mehrheitlich „Nein“

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30. Januar 2016, 16:00 Uhr

Hin- und hergerissen sind die Mitglieder des Hauptausschusses der Bützower Stadtvertretung. Die Firma Stolz möchte das denkmalgeschützte Haus, Rühner Straße 9, abreißen. Es wäre das letzte einer Häuserreihe und würde das Aussehen dieser Straße in der historischen Altstadt nachhaltig verändern. Deshalb lehnt die Mehrheit der Mitglieder des Hauptausschusses das Ansinnen in der jüngsten Sitzung ab.


Der Abriss und die verschwundene Tür


Das es einmal so kommen würde, das hat so mancher schon vor knapp neun Jahren geahnt. Seinerzeit hatte das Kaufhaus Stolz bereits die Häuser Rühner Straße 3, 5 und 7 – alle ebenfalls denkmalgeschützt – dem Abrissbagger übergeben. Schon 2007 hatte das für heftige Diskussionen gesorgt. Schweren Herzens wurde der Abriss in Bützow akzeptiert. Zumal dadurch für die folgende Sanierung der Rühner Straße mehr Baufreiheit entstand. Denn die Zufahrt aus der Langestraße kommend wäre sonst zu einem Nadelöhr geworden. An Stelle der Häuser entstanden wie geplant Parkplätze. Zugleich gab es die Zusage die Rühner Straße 9 sanieren zu wollen.

Dabei blieb es. Drei Jahre später, 2010, wurden die Bützower wieder hellhörig. Die spätbarocke Eingangstür der Rühner Straße 9, das Haus wurde Ende des 18. Jahrhunderts errichtet, wurde von Handwerkern abtransportiert. Selbst die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises wurde von dieser Aktion überrascht. Auf Nachfrage der Bützower Zeitung erklärte damals Kaufhausbesitzer Martin Stolz: „Die Tür wurde gesichert, damit wir sie restaurieren können. Wenn das Haus saniert wird, wird die Tür wieder eingebaut.“ Nun kommt der Antrag auf Abriss „aus wirtschaftlichen Gründen“, da der „bauliche Zustand [...] einen erheblichen Sanierungsbedarf“ erfordert.


Amtsleiterin: Das wäre das Ende des Quartiers


Bauamtsleiterin Doris Zich verweist auf das Integrierte Stadtentwicklungskonzept, das den Erhalt der „vorhandenen Gebäude im Wohnquartier Rühner Straße“ festgeschrieben hat. Durch den Abriss der Häuser 3 bis 7 sei schon eine erhebliche Lücke entstanden. Der Abriss des Hauses Nummer 9 würde faktisch den Verlust des gesamten Quartieres bedeuten.

Diese Einschätzung wird von allen geteilt. Joachim Fiedler (SPD) verweist auf den Auftrag an Stolz zur Sanierung des Hauses. Dennoch sieht Frank Schröder (CDU) für das Quartier keine Zukunft. „Was bringt es uns, wenn wir darauf beharren. Dann bleibt die Ruine weiter stehen. Das ist auch nicht schön für das Stadtbild.“

Das Quartier sei schon mit dem Abriss der ersten Häuser gestorben, meint Wolfgang Wehrmann (EB).„Wir haben doch in den Jahren bei der Sanierung immer wieder Abstriche gemacht. Wo ist da der Gleichheitsgrundsatz.“ Außerdem wäre doch wichtig zu wissen, was auf der frei werdenden Fläche entstehen soll. „Es gibt Entscheidungen, die uns nicht passen“, erklärte Ralf-Peter Katzer (UBB). Es heißt zwar Eigentum verpflichtet, aber am Ende stehe fest: „Sanierung ist teuerer als Neubau. Sanierung ist ein ,Hobby’. Deshalb muss man Verluste hinnehmen.“ Zumal die Lage weder für ein Wohnhaus spreche, noch könne sich Katzer dort Büroräume vorstellen. Man müsse einfach zur Kenntnis nehmen, dass sich in den zurückliegenden 15 Jahren die „Welt verändert hat und auch die wirtschaftliche Situation“, erklärt Katzer. In Zeiten von Internet sei es nicht selbstverständlich, dass sich solche Geschäfte noch halten und somit auch für Bützow Arbeit sichern.


Der Landkreis hat das letzte Wort


Bürgermeister Christian Grüschow (parteilos) beim Wort nehmen. Wenn es Zusagen gegeben habe, müsste man sich darauf auch verlassen können. „Man sollte sich nicht veräppeln lassen.“

Christian Grüschow, Wolfgang Wehrmann, Manfred Urban (Linke) und Alfred Matzmohr (CDU) stimmten dann auch dem Beschlussvorschlag zu, das gemeindliche Einvernehmen zu versagen. Frank Schröder und Ralf-Peter Katzer stimmten dagegen. Joachim Fiedler enthielt sich der Stimme. Martin Stolz war bist Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Letztendlich muss der Landkreis entscheiden, wie er mit diesem Antrag umgeht.

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