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Güstrower Anzeiger

19. November 2017 | 00:28 Uhr

Rebus : Abhör-Skandal erschüttert Rebus

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Wie jetzt herauskam, sollen in einem Bus von Rebus laut Informationen des Betriebsrates eine Kamera sowie ein Tonaufzeichnungsgerät im Kassenbereich des Busfahrers installiert gewesen sein – heimlich.

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erstellt am 21.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Die Regionalbus Rostock (Rebus), größtes Busunternehmen in der Hansestadt und im Landkreis Rostock, kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Warnstreik der Busfahrer Anfang Februar, der den Öffentlichen Personennahverkehr in der Region weitgehend lahm legte (SVZ berichtete), erschüttert jetzt ein Abhör-Skandal das Unternehmen. Wie jetzt herauskam, sollen in einem Bus von Rebus laut Informationen des Betriebsrates eine Kamera sowie ein Tonaufzeichnungsgerät im Kassenbereich des Busfahrers installiert gewesen sein – heimlich. „Hier ist eine Grenze überschritten worden“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Tino Meschkat. „Das darf man nicht unter den Tisch kehren.“ Erste Maßnahmen hat der Betriebsrat bereits ergriffen: Nicht nur der Rebus-Aufsichtsrat und der Landkreis Rostock als Gesellschafter von Rebus wurden über den Vorfall informiert, sondern auch der Datenschutzbeauftragte des Landes MV sowie die Staatsanwaltschaft.

Kamera und Tonaufzeichnungsgerät waren diesen Monat bei einer Durchsicht des Busses in der Güstrower Werkstatt entdeckt worden. „Der Mechaniker entdeckte in der Fahrerkabine ein Gerät, was da nicht hingehört“, schildert Meschkat. Der Betriebsratsvorsitzende forderte sofort eine Stellungnahme von Rebus-Geschäftsführerin Simone Stephan. Demnach sei die Kamera bereits vor der Fusion zur Rebus in einem Bus des Unternehmens Küstenbus installiert worden. Bei der Verschmelzung der Omnibusverkehrsgesellschaft Güstrow (OVG), dem Regionalverkehr Küste aus Rostock sowie dem Küstenbus und dem Hameister Personenverkehr aus Bad Doberan zur Rebus im August 2013 sei das Gerät dann vergessen worden. Die heutige Rebus-Geschäftsführerin Simone Stephan war vor der Fusion Chefin der Regionalverkehr Küste GmbH. Grund für die Kamera sei damals ein Verdacht gegen einen Busfahrer gewesen. Er soll zwar Geld kassiert, aber keine Fahrscheine ausgegeben haben, so Meschkat gegenüber unserer Zeitung. Die Kamera ist mittlerweile ausgebaut.

Nicht nur der Betriebsratsvorsitzende, sondern auch die Busfahrer sind erbost. „Man darf nicht einfach heimlich eine Kamera einbauen“, sagt Meschkat. Auch andere Busse seien daraufhin von den Fahrern durchsucht worden. Gefunden wurde nichts. Meschkat will wissen, was die Kamera aufgezeichnet hat und was auf dem Tonaufzeichnungschip zu hören ist. Aufklärung erhofft er sich auch von der Aufsichtsratssitzung am 27. Mai.

Auch Jörg Heger, Leiter Betrieb und Verkehr bei Rebus, bestätigt den Vorfall. Er vertritt zurzeit Geschäftsführerin Simone Stephan, die sich im Urlaub befindet und deshalb gestern nicht erreichbar war. „Ich habe vergangene Woche davon erfahren. Ich wusste nichts von einer Kamera“, so Heger. Der Vorfall sei unangenehm für alle Beteiligten. In einem Gespräch mit dem Landrat habe er den Gesellschafter informiert.

Jetzt gelte es zunächst, eventuelle staatsanwaltschaftliche Ermittlungen abzuwarten, sagte gestern Landrat Sebastian Constien (SPD) auf SVZ-Nachfrage. Auch er kenne noch nicht alle Fakten. „Klar ist aber: so etwas darf nicht passieren. Man kann nicht einfach eine Kamera installieren und damit Busfahrer und Fahrgäste filmen“, so Constien. Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung werde der Vorfall thematisiert.

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