Hohen Sprenzer See : Abendstimmung am See trügt

Ausgesprochen friedlich und idyllisch präsentierte sich kurz vor der Gemeindevertretersitzung am Montagabend der See. Der flüchtige Blick suggeriert Vollkommenheit, doch die Wasserqualität lässt zu wünschen übrig. Fotos: Regina Mai
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Ausgesprochen friedlich und idyllisch präsentierte sich kurz vor der Gemeindevertretersitzung am Montagabend der See. Der flüchtige Blick suggeriert Vollkommenheit, doch die Wasserqualität lässt zu wünschen übrig. Fotos: Regina Mai

Hohen Sprenzer See in keinem guten Zustand: Wasser viel zu nährstoffreich

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26. März 2014, 06:00 Uhr

Der Hohen Sprenzer See hat seinen ganz besonderen Reize, aber auch jede Menge Probleme. So hörten es die Gemeindevertreter auf ihrer Sitzung am Montagabend. Massenhaftes Algenwachstum, Wassertrübung, zu wenig Sauerstoff, zu viel Phosphor, Blaualgen. Zu geballt erschien den Gemeindevertretern die Ladung. „Die Untersuchungen im Sommer bescheinigen immer eine gute Wasserqualität fürs Baden im See“, führte Bürgermeisterin Angelika Exler ins Feld und schlussfolgerte daraus, dass „der Zustand des Sees so schlecht nicht sein“ könne.

Im Auftrag des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) hatte ein Büro 2012 ein Gewässer-Gutachten zum Hohen Sprenzer See angefertigt. Die Ergebnisse stellte am Montag Eva-Maria Scharf vor. Ricarda Börner vom Dezernat Gewässerkunde beim Stalu schlussfolgerte daraus Handlungsbedarf und stellte im nächsten Satz fest, dass das Ergebnis der Studie momentan keine Konsequenzen habe: „Wir sanieren einen See nur dort, wo es ein lokales Interesse daran gibt.“ Die EU-Wasserrahmenrichtlinie gebe zwar Ziele vor. Die Umsetzung aber beruhe auf Freiwilligkeit. Bisher und wohl auch künftig sei es in MV so, dass See-Sanierungen zu 100 Prozent gefördert werden. Kommunen oder Wasser- und Bodenverbände würden als Projektträger auftreten, erklärte Börner.


Problem: Phosphor löst sich aus Sediment


Eva-Maria Scharf informierte, dass das Nährstoffangebot im See zu hoch sei. Im Sommer mangelt es an Sauerstoff. Dafür würden die Phosphatwerte nach oben schnellen. Neben Einträgen würden hauptsächlich die Ablagerungen im See dafür verantwortlich sein. Die Fachfrau spricht von einer Phosphor-Rücklösung, die im Hohen Sprenzer See „bilderbuchartig“ ablaufe. Drei Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation benannte Eva-Maria Scharf: eine Tiefenwasser-Belüftungsanlage und eine Nährstofffällung (chemische Bindung des Phosphors). Ideal wäre eine Kombination beider Methoden. Dritte Möglichkeit sei eine Biomanipulation, die mit einer Erhöhung des Anteils an Raubfischen beginnt. Postwendend ernteten die beiden Fachfrauen Kritik. Bürgermeisterin Exler hält gar nichts von Chemie im See. Werner Loch, Fischer und Gemeindevertreter, möchte ebenfalls auf den zur Phosphorbindung erforderlichen Einsatz von Polyaluminiumchlorid verzichten. Ricarda Börner nahm es hin und betonte nochmals, dass niemand zu etwas gezwungen werde, die Gemeinde als Eigentümer aber um die Qualität des Sees wissen solle und in Ruhe darüber nachdenken könne.

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