Polchow feiert : 800-jähriges Dorf mit Zukunft

Ein Tässchen auf die Zukunft des Dorfes: Nancy, Tanja und Anneliese Kelm aus Polchower Heide genossen bei idealem Dorffestwetter die Kaffeetafel mit Edith Urban (von links), die zur Feier des Jahres in Polchow ihren Sohn besuchte.
Ein Tässchen auf die Zukunft des Dorfes: Nancy, Tanja und Anneliese Kelm aus Polchower Heide genossen bei idealem Dorffestwetter die Kaffeetafel mit Edith Urban (von links), die zur Feier des Jahres in Polchow ihren Sohn besuchte.

Polchower feierten ihr großes Dorfjubiläum.

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29. August 2016, 05:00 Uhr

Während das benachbarte Laage seine 800-jährige urkundliche Ersterwähnung mit einigem Brimborium, standesgemäß für eine Stadt, feiert, blieben die Polchower mit gleichem Anlass eher unter sich. Dennoch verbuchen die Organisatoren die kleine Feier am Sonnabendnachmittag als großen Erfolg. „Es sind eigentlich alle da“, meint Gisela Schmidt bei der Kaffeerunde, ohne nun durchgezählt zu haben. Aber es müsste wohl das ganze Dorf beisammen sein, manche stießen auch erst am Abend, nach getaner Arbeit auf dem Feld, zu den Feiernden. Zuvor standen u.a. ein Gottesdienst und eine Besichtigung der von Architekt Möckel entworfenen Kirche auf dem Programm.

Weniger als 150 Leute wohnten noch in Polchow, darunter leider keine Kinder, bedauert Gisela Schmidt. Die wenigen, die um die Tische im Garten des Pfarrwitwenhauses toben, wären Besucher bei Großeltern und Freunden, ihr eigener Enkel auch dabei. „Wir haben den Termin für unsere 800-Jahrfeier absichtlich an ein Ferienwochenende gelegt“, sagt die Polchowerin, die bei der Vorbereitung des Festes Gabi Voß, Heike Kelm, Manja Fülster und ihren Mann Dieter an der Seite hatte. Zum Gelingen hätten auch einige Sponsoren beigetragen, so die Jagdgemeinschaft mit einem Schwein oder die neuen Gutshausbesitzer, die bisher sonst noch weniger Kontakt zu den Einheimischen gesucht hätten. Das Amt habe dafür gesorgt, dass es am Straßenrand wieder ordentlich aussieht und den Garten für die Feier gemäht. Und natürlich hatten die Polchower selbst mit eigens gebackenem Kuchen und zubereiteten Salaten Anteil. Mit Freude vernahmen die Organisatoren die vielen netten Gesten.


Es ziehen wieder junge Leute nach Polchow


Die Vorbereitung des Festes habe für sie selbst auch neue Erfahrungen gebracht, berichtet Gisela Schmidt. Vor zehn Jahren nach Polchow gezogen, habe sie lange Zeit nach der täglichen Arbeit kaum Gelegenheit gehabt, jemanden kennen zu lernen: „Aber seit einem Jahr arbeite ich nicht mehr, und da konnte ich auch von Tür zu Tür gehen und jeden ansprechen. Das war für uns eine schöne Sache.“ Bei diesen Gelegenheiten sei sie auch angesprochen worden, warum man eigentlich vom „Pfarrwitwenhaus“ spreche. Offensichtlich ist die Bezeichnung strittig. Man habe sich deshalb jetzt erst mal auf „Gemeindehaus“ geeinigt, sagt Gisela Schmidt.

Dieses Häuschen mit dem großen, offenen Garten könnte womöglich künftig öfter zum Treffpunkt für die Dorfbevölkerung werden. „Wenn alles vorbei ist, wird sich der Kopf der Organisatoren sicherlich überlegen, ob wir den großen Zuspruch zum Anlass nehmen, künftig öfter mal was gemeinsam zu unternehmen“, sagt die Polchowerin, die vom Erzählen her meint, dass das letzte große Fest in Polchow wohl die 775-Jahrfeier gewesen sein müsse.

Noch einmal 25 Jahre soll es jedenfalls nicht dauern. Im Gegenteil, junge Leute, die wieder nach Polchow ziehen, könnten nach Zusammenhalt suchen. Nancy Kelm jedenfalls, die noch in Polchower Heide wohnt, will demnächst ins „Hauptdorf“ ziehen. Noch hat die 25-Jährige mehr den aktuellen Hausbau im Kopf als Nachwuchs. Aber dass bei künftigen Feiern bald auch wieder „eigene“ Dorfkinder mittoben, das wird schon noch was werden, da sind die Organisatoren der 800-Jahrfeier zuversichtlich.

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