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Güstrower Anzeiger

25. November 2017 | 01:12 Uhr

Güstrower Südstadt : 50 Jahre im Puschkinweg

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Von 144 Mietern, die 1964 einzogen, leben noch 25 in ein und derselben Wohnung

Vor 50 Jahren entstanden im Puschkinweg in der Güstrower Südstadt drei Häuser mit insgesamt 144 Drei-Raum-Wohnungen. „Charakteristisch für die Wohnungen war eine sehr gute Raumaufteilung. Es gab keine Durchgangszimmer, dafür ein Bad mit Fenster und einen Trockenboden für die gemeinschaftliche Nutzung“, beschreibt Jürgen Schmidt, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Güstrow (WGG), zu deren Bestand die drei Häuser zählen. Außergewöhnlich aber ist, dass von den 144 Mietern, die 1964 in die 18 Aufgänge zogen, noch 25 Mieter in ein und derselben Wohnung leben. „Das ist außergewöhnlich. Durchschnitt ist, dass Mieter alle neun Jahre in eine neue Wohnung wechseln“, weiß der Geschäftsführer.

Als Edith Moll vor 50 Jahren mit ihren Eltern in den Puschkinweg 9 einzog, war sie 13 Jahre alt. Sie erinnert sich noch sehr gut an ein damals recht schmerzhaftes Erlebnis. „Hinter den Häusern war ein kleiner Berg aus Erde übrig geblieben. Den nutzten wir Kinder im ersten Winter zum Rodeln. Anstatt zu sitzen, kniete ich mich auf den Schlitten und als ich unten ankam, hatte ich mir prompt das Schlüsselbein gebrochen“, erzählt sie. Die Eltern mussten arbeiten, aber die Nachbarin nahm sich der jungen Patientin an, verpflegte sie und half ihr, die gesundheitlichen Einschränkungen, die ein Schlüsselbeinbruch mit sich bringt, zu überwinden.

Diese Hilfsbereitschaft untereinander blieb all die Jahre erhalten. „Wir haben gemeinsam Äpfel gepflückt, zum Mosten gebracht, Silvester oft miteinander gefeiert und vom Frühjahrs- und Herbstputz hat sich keiner gedrückt“, berichtet Edith Stittrich. Sie bezog am 20. Juni 1964 gemeinsam mit ihrem Mann Gerhard und den beiden Söhnen – damals zwei Jahre sowie zehn Wochen alt – ihr neues Zuhause. „Damals war hier alles frei, der Blick ging weit übers Feld. Und in der Clara-Zetkin-Straße stand noch die Ruine einer alten Mühle“, sagt sie. Nach und nach wurden die Außenanlagen im Puschkinweg gestaltet. „Vom Hausgemeinschaftgeld, das es damals gab, haben wir zusätzliche Sträucher und Stauden gekauft. Heute wohnen wir in einem kleinen Paradies“, beteuert sie.

Gemeinsam wurden auch die Einschränkungen überstanden, die mehrere Sanierungen und Modernisierungen nach der Wende mit sich brachten. „Es wurden alle Wohnungen wärmetechnisch auf den neuesten Stand gebracht, neue Fenster eingebaut, die Bäder saniert, das Dach neu eingedeckt, die Fassade neu gestaltet und geräumige Balkone angebaut“, zählt Jürgen Schmidt auf. Der Geschäftsführer will sich bei den Mietern, die dem Unternehmen die ganze Zeit über die Treue gehalten haben, bedanken. „Wir werden alle 25 Mieter, die von Anfang an im Puschkinweg wohnen, im Oktober zu einer kleinen Feier in unsere Begegnungsstätte ‚Südkurve’ einladen“, verspricht er. Dann werden sicher viele gemeinsame Erlebnisse ausgegraben und erzählt. Wie die Geschichte von Edith Moll, die sich damals das Schlüsselbein brach und viel Hilfe bekam.


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