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Güstrower Anzeiger

21. September 2017 | 08:56 Uhr

Prozess in Güstrow : 191 Orgelpfeifen gestohlen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mutmaßlicher Täter in Güstrow vor Amtsgericht. Beute sollte als Schrott verkauft werden.

svz.de von
erstellt am 17.Feb.2017 | 20:45 Uhr

Für einen ungewöhnlichen Einbruch in eine Kirche muss sich ein 30 Jahre alter Mann am Montag vor dem Amtsgericht Güstrow verantworten. Dem Beschuldigten wird der Diebstahl von 191 Orgelpfeifen in Schlieffenberg bei Teterow (Landkreis Rostock) vorgeworfen, wie ein Gerichtssprecher in Güstrow erklärte. Der Mann aus der Region soll im September 2015 mehrfach über eine Seitentür in die abgelegene Backsteinkirche eingedrungen sein. Die Orgelpfeifen sollten als Buntmetall bei einem Schrotthändler gegen Geld „versilbert“ werden.

Je nachdem, wie sich der Beschuldigte verhält, könnte es ebenfalls am Montag schon ein Urteil geben, hieß es vom Amtsgericht.

Der Beschuldigte soll 90 Prozent der Metallpfeifen – darunter auch 42 originale Pfeifen aus dem Jahr 1859 – demontiert und weggeschafft haben. Ob er dabei noch Helfer hatte, das soll auch in dem Gerichtsverfahren geklärt werden.

Die kriminelle Masche brachte dem Beschuldigten aber bereits mehrere Tage später Ärger: Als der Mann zu einem Schrotthändler in Rostock kam, hatte dieser vom Diebstahl gehört, erkannte die Orgelpfeifen und alarmierte die Polizei.

Obwohl der mutmaßliche Dieb sofort flüchtete, konnte er über Autokennzeichen und Videoaufnahmen ermittelt werden.

In der Kirchengemeinde war man entsetzt, dass die gestohlenen Orgelpfeifen für die Anlieferung beim Schrott bereits zerstört worden waren. Polizisten fanden am Wohnort des Mannes außerdem weitere Orgelteile. Der Schrottwert der Zinnpfeifen wurde auf 300 Euro, die Kosten für die Wiederherstellung der Orgel dagegen auf rund 30 000 Euro geschätzt.

Die Kirchengemeinde hat inzwischen Ersatz bekommen: Die Orgel konnte mit Hilfe vieler Spenden wieder erneuert werden. Orgelpfeifen bestehen in der Regel aus Zinn-Blei-Legierungen und werden mitunter auch auf Antikmärkten gehandelt.

Der ehemalige Staatsminister und Generalleutnant Martin Ernst von Schlieffen (1732-1825) hatte 1781 mehrere Güter gekauft und das Gut Schlieffenberg anlegen lassen.

Die Kirche war von 1854 bis 1859 erbaut worden und war zusammen mit der Orgel von der Familie von Schlieffen gestiftet worden. Die Familie hatte das Gut aber 1930 nach der Weltwirtschaftskrise aufgegeben.

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