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Güstrower Anzeiger

23. November 2017 | 23:04 Uhr

Arbeitsmarkt : 18 lange Jahre gekämpft

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Die Krankenschwester-Ausbildung der gebürtigen Polin Aneta Krause (44) wurde nach einem harten Weg nun endlich anerkannt.

svz.de von
erstellt am 28.Jul.2017 | 11:50 Uhr

Eine Odyssee liegt hinter Aneta Krause (44), die heute in Wozeten lebt. 18 Jahre lang kämpfte die gebürtige Polin darum, dass ihre Ausbildung als Krankenschwester auch in Deutschland anerkannt wird. 18 Jahre arbeitete sie als Hilfsschwester, erhielt teilweise gerade einmal 250 Euro Lohn – einem Praktikanten gleichgestellt – und kam mit ihren inzwischen zwei Kindern manchmal gerade so über die Runden. Nachdem sie nun im Mai eine entsprechende Prüfung abgelegt und ihr Können unter Beweis gestellt hat, hält sie jetzt endlich und nach jahrelangem Kampf ihre Urkunde als examinierte Krankenschwester in den Händen.

Sprachbarriere war ein großes Hindernis

„Ich bin so froh, dass ich es geschafft habe, aber es hat zu lange gedauert“, resümiert Aneta Krause. Im Seniorenzentrum des Deutschen Roten Kreuzes „Achtern Wall“ in Laage kann sie nun das zeigen, was sie eigentlich nie verlernt hat. Blut abnehmen, Medikamente geben oder einen Verband anlegen – das alles, hat die 44-Jährige in Stettin in einer fünfjährigen Ausbildung bis 1993 gelernt. Als sie aus familiären Gründen nach Berlin ging, begann der lange Weg um die Anerkennung ihres polnischen Abschlusses in Deutschland. Vor allem die Sprachbarriere waren hoch. Doch die agile junge Mutter brachte sich die deutsche Sprache mit Hilfe von Büchern selbst bei. „Jeden Tag habe ich eine Stunde gelernt“, erzählt sie heute.

Schon in Berlin habe sie sich um die Anerkennung ihrer Ausbildung bemüht. Doch damals hätten ihre Sprachkenntnisse noch nicht ausgereicht. Dann hörte sie davon, dass es in Baden-Württemberg eine Möglichkeit dafür gebe und so zog sie extra deswegen um. „Doch gerade, als ich dort war, hatten sich die Gesetze wieder geändert“, berichtet Aneta Krause, die übrigens den Titel „Krankenschwesterhelferin“ sofort hätte bekommen können. Allerdings nur mit der Verpflichtung, sich nie um die Anerkennung als Krankenschwester zu bemühen, wie sie sagt.

Irgendwie wollte sie aber weiter kommen. Schließlich liebte sie ihren Beruf. Untätig war sie darum nie, sondern war immer in Arbeit. Drei Monate arbeitete sie in einer chirurgischen Abteilung als „Anerkennungspraktikantin“ für gerade einmal 250 Euro. „Das reichte nicht zum Leben“, betont sie. Schließlich ergriff sie einen Strohhalm, den ihr die IHK reichte. Sie sollte in Schleswig-Holstein elf Monate lang eine Ausbildung absolvieren – für 3000 Euro. Allerdings sei die große Entfernung zu ihrer Tochter Joanna ihr zum Verhängnis geworden. Sie brach die Ausbildung ab, um wieder bei Joanna sein zu können. „Das Geld musste ich trotzdem zahlen, aber ich konnte einfach nicht dort bleiben“, erinnert sie sich.

Inzwischen verheiratet mit ihrem Mann Jan, kam Sohn Tim zur Welt. Aneta Krause pausierte nur kurz und stieg schließlich wieder als ungelernte Kraft ein. Doch ihr damaliger Arbeitgeber wollte sie bei ihrem Vorhaben der Anerkennung ihrer Ausbildung nicht unterstützen.

Im November 2014 zog die Familie schließlich wieder in den Norden. „Mein Mann wollte zurück, er ist hier geboren“, erzählt Aneta Krause. Nicht die Agentur für Arbeit war es, die der ausgebildeten Krankenschwester half, sondern eine Mitarbeiterin im Landesamt für Gesundheit und Soziales in Rostock. „Marita Lippmann war es, die mir Mut zugesprochen hat, es zu versuchen. Sie hat nie an mir gezweifelt“, sagt Aneta Krause voller Dankbarkeit.

Prüfung schließlich mit Bravour bestanden

Im April 2015 startete die heute 44-Jährige dann mit der Arbeit im Seniorenzentrum in Laage. Auch hier sei sie gut unterstützt worden, um ihren Traum endlich verwirklichen zu können. Und es gab viele Menschen in der Recknitzstadt, die ihr bei der Vorbereitung auf die Prüfung halfen. Im Mai dieses Jahres war es dann endlich so weit. Sechs Stunden lang wurde sie auf Herz und Nieren geprüft. Eigentlich würden die meisten Teilnehmer zuvor noch einmal eine achtmonatige Ausbildung absolvieren, aber Aneta Krause habe die Prüfung sofort abgelegt. „Alle auf den Stationen haben mit mir gezittert“, erzählt die zweifache Mutter, die damit ihre persönliche Odyssee beendet. Die Prüfung bestand sie mit Bravour und wird nun ab dem 1. August als Pflegefachkraft im DRK-Seniorenzentrum „Achtern Wall“ arbeiten. Damit bestätigt sich auch ihre Leitspruch, der sie stets begleitet hat: „Wenn man etwas aus Berufung macht, verlernt man es nicht.“

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