Alten Landwege : 1222 noch „tiefe, feuchte Wiese“

Warnowbrücke zwischen Roter See und Kaarz
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Warnowbrücke zwischen Roter See und Kaarz

Entdeckungen auf alten Landwegen / SVZ-Serie nach dem gleichnamigen Buch / Teil 9: Von Roter See bis nach Brüel

„Landwege sind Orte der Vielfalt.“ Das sagt die Qualitzerin Gudrun Schützler. Sie hat im Auftrag des Fördervereins Naturpark Sternberger Seenland und des Naturparks Sternberger Seenland das Buch „Entdeckungen auf alten Landwegen im Naturpark Sternberger Seenland“ herausgebracht.

Die SVZ hat mit freundlicher Genehmigung der Autorin in dem Buch geblättert und möchte Sie, liebe Leser, vielleicht dazu anregen, schöne Herbsttage zu nutzen und vielleicht den einen oder anderen Weg zu erleben.

Heute: Landweg Roter See – Kaarz – Alt Necheln-Neu Necheln-Brüel – 9,6 Kilometer

Über die schmale Asphaltstraße nahe des Roten Sees in Richtung Kronskamp erreicht man den Landweg nach Kaarz. Er verläuft kurvenreich durch ein Waldgebiet. Die Hohlwege weisen auf die lange Benutzung mit Gespannfahrzeugen hin.

Der Wanderer erreicht den ehemaligen Dorfschulort Hütthof. Die abgeschiedene Siedlung bestand aus dem Schulgebäude, zwei Scheunen, Stallgebäuden und einer Streuobstwiese. Hütthof existierte von 1878 bis 1946. Inzwischen hat sich die Natur das Gelände zurück erobert. Lediglich einige Mauerreste erinnern noch daran, dass dieser Ort einmal belebt war.

Erfreulich sind die Ausblicke in die Landschaft mit sanften, grünen Hügeln, wie diese für Mecklenburg so typisch sind. Die leuchtend blau gestrichene Brücke, über die wir die Warnow queren, bringt einen grellen Farbtupfer in die Landschaft. Knorrige, alte Stieleichen, die als Naturdenkmale geschützt sind, stehen in der Acker- und Weidelandschaft. Der Weg trifft auf den großen Landschaftspark von Kaarz und lockt zu einer Besichtigung der Lindenalleen, der alten Baumriesen und seltenen Baumarten aus fernen Ländern.


Ausstellung über Biber in Alt Necheln


Nach Alt Necheln gelangt man über einen offenen Landweg und trifft dann wieder auf die Warnow. Über die Zwei-Männer-Brücke führt der Weg in den kleinen Ort. Im Gutshaus sind Ferienwohnungen eingerichtet. Für Interessierte gibt es im Nebengebäude eine informative Ausstellung über die Lebensweise der Biber.

Auf einen Landweg gesäumt von alten Winterlinden, Stieleichen und Bergahorn ergänzt mit Holunder, Schlehen und Hundsrosen nähert sich der Wanderer Brüel. Der Deichelsee gehört zu einem Gebiet von mehreren Seen, die südlich vor Brüel einen Halbkreis bilden.

In einer Stiftungsurkunde für das Kloster Tempzin von 1222 wird Brüel noch als „Bruile“ bezeichnet. Dieser Name kann mit „Sumpf“ oder „tiefe, feuchte Wiese“ gedeutet werden. Schon 1340 als „stedeken“ bezeichnet, erhielt Brüel das Stadtrecht. Der langgestreckte Ort zog sich neben einer Burganlage entlang. Diese ist verschwunden, wie auch die zwei im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Stadttore und die Wallanlagen, die am Ende des 19. Jahrhunderts beseitigt wurden. Der kleine Marktplatz mit Rathaus, Kirche und ehemaliger Wassermühle (jetzt als Verkaufseinrichtung genutzt) können noch heute besichtigt werden.

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