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SVZ-Serie „Chorgeflüster“ „Wir sind ein eigenwilliges Völkchen“

Von Janine Beyer | 13.12.2016, 05:00 Uhr

SVZ-Serie „Chorgeflüster“: Der Güstrower Chor der Volkssolidarität „Frohsinn und Harmonie“ singt zweistimmige Volkslieder.

Gut vorbereitet mit einer aktuellen Statistik über den Chor und dessen Programm beginnt die 75-jährige Gertrud Gollnick zu erzählen. Als Vorsitzende der Ortsgruppe Güstrow übernimmt sie auch im Chor der Volkssolidarität viele organisatorische Aufgaben. Nicht nur dessen klingender Name „Frohsinn und Harmonie“, auch die gelben Blusen, die die Sängerinnen bei ihren Konzerten tragen, bleiben vielen im Gedächtnis. „13 Auftritte stemmen wir in diesem Jahr. Das ist viel für einen kleinen Chor wie unseren“, sagt Gertrud Gollnick stolz. „Viele von uns sind schließlich nicht mehr die Jüngsten.“

17 Mitglieder zählt der Chor zurzeit. „Frohsinn und Harmonie“ ist schon seit langem ein reiner Frauenchor. Die Teilnehmerinnen singen zweistimmig in Sopran und Alt vor allem deutschsprachige Volkslieder und Kanons. „Wir treten häufig in Vereinen wie der Diakonie, dem Deutschen Roten Kreuz und natürlich auf den Veranstaltungen der Volkssolidarität auf“, erzählt die Ortsgruppenvorsitzende. „Es ist uns wichtig, dass die älteren Menschen unsere Texte verstehen und mitsingen können. Die Lieder ihrer Jugend wecken Erinnerungen in ihnen und stimmen sie fröhlich“.

Liebe Männer, falls Sie bei „Frohsinn und Harmonie“ mitmachen möchten, wird Ihnen zwar Einlass gewährt, aber kommen Sie am besten als bereits in Bass und Tenor aufgeteilte Gruppe vorbei. Denn einzelne Männer, so beschreibt es die 69-jährige Renate Passow schmunzelnd, „brummen bloß dazwischen“. Renate Passow war lange Zeit die Jüngste im Bunde. „Als ausführendes Organ“, wie sie sich selbst beschreibt, übernimmt sie Aufgaben wie die Planung des jährlichen Gartenfestes und das Kopieren der Noten. Die Noten schöpft sie aus dem 190 Lieder starken Fundus der Chorleiterin Sigrid Korsikowski. Diese begründet ihre Sammlung pragmatisch: „Ich habe lange Zeit in verschiedenen Chören gesungen und überall Noten mitgenommen.“

Durchsetzungsfähig muss ein Chorleiter der Volkssolidarität sein. „Wir sind ein eigenwilliges Völkchen und lassen uns nicht von jedem etwas sagen“, verkünden die Mitglieder, sprechen dann aber sogleich ein Lob aus: „Unsere derzeitige Leiterin hat uns gut im Griff.“ Zum Bedauern des Chors spielt niemand ein Instrument, auch die Chorleiterin nicht. Jemand, der die Proben und Auftritte instrumental begleiten kann, wird daher unbedingt gesucht.


Nächstes Jahr 43. Geburtstag

Seit seiner Gründung am 26. Januar 1974 feiert der Chor jedes Jahr genau an diesem Tag sein Bestehen. Nächsten Monat also zum 43. Mal. „Da gönnen wir uns Kaffee, Kuchen und ein Gläschen Sekt. Auch die Kreisstelle der Volkssolidarität spendiert uns etwas“, freuen sich die Mitglieder. Zwei mal im Jahr unternimmt der Chor Tagesausflüge. Dazu werde gerne bei einem Busunternehmen gebucht. Besonders beliebt sei der Halbjahresabschluss, der in Form eines Gartenfestes gefeiert werde. Den Garten stellt, wer einen hat. Dazu gibt es lustige Spiele wie Lieder oder Sprüche raten und gemeinsames Singen.

Zwar ist die Mitgliederzahl in den vergangenen Jahren um die Hälfte geschrumpft, aber es kommen auch immer wieder neue Mitsängerinnen wie Jutta Hamann, die aus Ludwigslust zugezogen ist. Mit ihren 65 Jahren ist sie das neue jüngste Mitglied.

Trotz des Alters darf es der Termine gerne etwas mehr sein. Besonders würde sich der emsige Chor „Frohsinn und Harmonie“ nämlich darüber freuen, bei größeren Güstrower Veranstaltungen wie dem Frühlingsfest singen zu dürfen.