Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Bürger wehren sich Wildwest-Methode in Dobbin?

Von rmai | 30.05.2015, 08:00 Uhr

Jahrelang erstreckte sich zwischen der L205 und der Dobbiner Kirche eine Grünfläche. Nun ist dort Mais ausgesät worden. Zu Unrecht?

Aufregung in Dobbin: Jahrelang erstreckte sich an der Zufahrt zwischen der Landesstraße 205 und der Dobbiner Kirche eine Grünfläche. Der Acker lag brach. Jetzt ist er nach Neuverpachtung umgebrochen und auf einem Teil Mais ausgesät worden. Dobbiner sehen darin einen Verstoß gegen bestehende Gesetze in Mecklenburg-Vorpommern. Sie wollen ihr Grünland zurück und sammelten dafür Unterschriften. Dobbin ist kein Einzelfall. Allerorts wird umgebrochen, nicht nur in MV.

Daniel Biesold von der Bürgerinitiative spricht von „Wildwest-Methoden“, die man nicht hinnehmen werde. „Es ist schwierig“, sagt dagegen Jean Weiß, Leiter des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) und schickt am Montag Mitarbeiter nach Dobbin, wo mit dem Landwirt aus Niedersachsen die Situation erörtert und im Nachgang entschieden wird, ob er rechtmäßig handelte oder nicht.

„Wir müssen prüfen, ob es Acker ist oder Grünland bleibt“, stellt Weiß fest. Auf dem Papier ist es Ackerland, in der Realität seit Jahren Brache. Der Knackpunkt: Seit wie vielen Jahren? Die Bürgerinitiatve bezieht sich auf das Dauergrünlanderhaltungsgesetz MV von 2012. Danach wird als Dauergrünland Fläche definiert, die „durch Einsaat oder auf natürliche Weise (Selbstaussaat) zum Anbau von Gras oder anderen Grünfutterpflanzen genutzt werden und mindestens fünf Jahre lang nicht Bestandteil der Fruchtfolge eines landwirtschaftlichen Betriebs waren“. Das sei in Dobbin der Fall, sagt Biesold. 39 Einwohner könnten bezeugen, dass „die Fläche seit deutlich mehr als fünf Jahren Grünland“ ist. Es handele sich um eine Fläche, die mit niedrigen Bodenpunkten für den Ackerbau ungeeignet sei. Aus Sicht der Bürgerinitiative müsste ein großer Aufwand (Düngung, Pflanzenschutz) mit erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt betrieben werden. „Die Fläche befindet sich im Naturpark Nossentiner/ Schwinzer Heide und grenzt an ein Vogelschutzgebiet“, argumentiert die Bürgerinitiative weiter.

Grünland-Lesart der EU sorgt für Verwirrung

Amtsleiter Weiß betont, dass er das Engagement der Bürger schätze. Gleichzeitig seien die Belange der Landwirte zu beachten. Vielerorts werde über den Umbruch von Grünland/Ackerflächen diskutiert. Dies geschehe vor dem Hintergrund der Lesart von Grünland durch die EU, die seit Monaten für Verwirrung sorge. Danach würden Ackerflächen, die wie Grünland genutzt werden nach fünf Jahren in solches umgewandelt werden. „Das aber bedeutet für den Landwirt einen Vermögensverfall“, erklärt Weiß. Der Buchwert reduziere sich auf ein Viertel. Der Landwirt – ein Unternehmer! – wolle das verständlicherweise nicht hinnehmen. „Deshalb gibt es verstärkte Umbrüche von Grünland. Nicht alle sind rechtswidrig“, betont der Amtsleiter. Die Verwirrung sei in Brüssel angekommen. Ob die Definition von Grünland nochmals überprüft werde, sei abzuwarten. Weiß kündigt an, dass nach Klärung des Sachverhaltes in Dobbin das Stalu auf einer öffentlichen Veranstaltung im Dorf über das Ergebnis informieren werde.