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Boldebuck Weiter Land unter bei Familie in Boldebuck

Von Eckhard Rosentreter | 20.12.2017, 20:55 Uhr

Wasserspiegel auf Teich des Nachbargrundstücks steigt weiter und niemand fühlt sich zuständig.

Gar nicht lustig wird Weihnachten für Familie Michael in Boldebuck. Zum Fest kommen die Kinder ins Haus, und das Ehepaar kann nur hoffen, dass es nicht noch regnet. Denn das Wasser! Es drückt vom benachbarten Teich immer mehr. Die SVZ berichtete Sonnabend, wie das Wasser vom Teich des Gutes Boldebuck die Michaels bedrängt.

Getan hat sich seitdem – nichts. Bürgermeister Karl-Heinz Kissmann hatte von einem Vororttermin mit Behörden und Grundstückseigentümern gehört. Da sich nichts weiter tut, habe er nur den Rat an die Michaels, einen Anwalt einzuschalten. Denn Eurawasser, die Firma, die die Abwasserentsorgung für den Wasser- und Abwasserzweckverband (WAZ) organisiert, verweist auf den Eigentümer. „Das Wasser aus dem Teich hat keine Ableitung in unsere Anlagen“, sagt Andreas Ruß, der Gebietsleiter für Güstrow/Bützow. Bauarbeiten, die vor einiger Zeit in der Nähe ausgeführt wurden, hätten „keinen kausalen Zusammenhang“ mit dem Problem der Michaels. Auch der Wasser- und Bodenverband sieht keine Zuständigkeit für die betroffenen Grundstücke.

Über die Rechtslage möchte der Ordnungsamtsleiter des Amtes Güstrow-Land aufklären. „Grundsätzlich muss jeder sein anfallendes Oberflächenwasser auf seinem Grundstück versickern bzw. entsorgen. Eigentum verpflichtet!“, sagt Harald Teichmann. Seine Aussage trifft sich mit der der Unteren Wasserbehörde des Landkreises. Dezernent Romuald Bittl: „Grundsätzlich obliegt es dem Eigentümer einer Immobilie die Gefährdung, die von seinem Grundstück ausgeht, zu beseitigen.“ Offensichtlich werde (besser wohl: wurde) der Teich über eine Rohrleitung in den nächsten Vorfluter entwässert. Diese verläuft über ein Flurstück der Kreisstraße. Jedoch: Eine Vielzahl von Strom-, Gas-, Wasser- und Abwasserleitungen seien zwar im öffentlichen Bauraum verlegt, jedoch nicht der Unterhaltung des Baulastträgers der Straße zuzurechnen, lässt Bittl mitteilen. Der Dezernent empfiehlt, das Problem „nachbarschaftlich“ zu klären. Und: „Dem Teicheigentümer wird in diesem Zusammenhang empfohlen, sich mit den jeweiligen Eigentümern, auf deren Flurstücken die Leitung liegt, ins Benehmen zu setzen und dadurch die Sanierung der Rohrleitung zu betreiben.“

Der Wasserball ist also zur IG Saatzucht, der das Areal des früheren Gutes gehört, geschossen. Philipp Rathjen, dort als Betriebsleiter eingesetzt, sieht das ein wenig anders. „Richtig ist, dass das Wasser auf unserem Grundstück entsteht. Aber auch von der öffentlichen Straße Am Park läuft es in den Teich. Es sind außerdem mehrere Grundstücke, die in eine Leitung münden – und die gehört nicht uns.“ Er wisse, dass früher Bäume an der Straße standen und fragt nach deren Verwurzelung. Rathjen: „Alle versuchen, sich ihrer Pflicht zu entziehen.“ Er wolle jetzt noch vor Weihnachten Pumpen und Rohrleitungen organisieren und versuchen, etwas Wasser aus dem Teich abzusaugen.

Denn auch der kurzzeitige leichte Frost verschaffte den Michaels keinerlei Milderung. Im Gegenteil: Der Hof wird inzwischen zur Matschwüste. Das Auto lässt Heidrun Michael deshalb schon sicherheitshalber vor der Grundstückseinfahrt stehen. Selbst dort, an der Straße, ist der Untergrund schon so aufgeweicht, dass man sich festfahren kann. „Jeden Abend pumpe ich den Keller aus“, berichtet Heidrun Michael. Zwölf Stunden später steht das Wasser schon wieder knöchelhoch. Salamander haben den Weg gefunden, fühlen sich im Wasser schwimmend offensichtlich wohl.