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Grundschule Lüssow in marodem Zustand Vorwurf: Amt lässt Schule verkommen

Von Jens Griesbach | 06.10.2011, 08:11 Uhr

Schwere Vorwürfe von Lüssows Bürgermeister Wilfried Zander: Das Amt Güstrow-Land wolle die Lüssower Grundschule bewusst gegen die Wand fahren.

Schwere Vorwürfe von Lüssows Bürgermeister Wilfried Zander: Das Amt Güstrow-Land wolle die Lüssower Grundschule bewusst gegen die Wand fahren. "Alles Geld fließt nur in die zweite Amtsschule in Zehna. Der Eindruck entsteht: unsere Schule soll weg", so Zander erbost. Der bauliche Zustand sowohl des Schulgebäudes als auch der so genannten Sporthalle sei katastrophal. Bei letzterer handele es sich eher um eine Baracke, sagt der Bürgermeister. "Die Sportanlagen sind verkommen. Das ist nur noch DDR-Standard." Zudem seien beide Gebäude "Energieschleudern", schlecht isoliert und mit undichten Wänden. Ein hoher Kostenfaktor für die Gemeinde. Bisher sei man in Bezug auf eine Sanierung der Grundschule von Seiten des Amtes nur vertröstet worden. "Es wird alles kaputt gemacht", so Zander, der gleichzeitig hervorhebt, dass Lüssow für seine Schule kämpfen werde.

Grundschule wichtig für Fortbestand der Gemeinde

Diese Schule sei wichtig für den Fortbestand der Gemeinde, sagt der Bürgermeister. Nur so könnten junge Familien angelockt werden. "Zudem leisten die Lehrer eine hervorragende Arbeit. Das wurde ihnen erst kürzlich in einer externen Untersuchung bescheinigt. Die Kinder fühlen sich wohl in der Schule", sagt er. Seine Forderung: "Die Schule und auch die gut ausgelastete Sportbaracke müssen energetisch saniert werden."

Hauptamtsleiterin Sabine Schwarz vom Amt Güstrow-Land weist die Vorwürfe von Zander vehement zurück. "Wir sind froh, dass wir die Grundschule Lüssow so lange erhalten konnten und hoffen, es auch noch ein paar weitere Jahre zu schaffen", sagt sie. Eine Sanierung der Schule kann sie allerdings nicht in Aussicht stellen: "Das würde ca. 2,5 Millionen Euro kosten. Unmöglich." Größere Fördermittel für Baumaßnahmen gebe es nur, wenn die Bestandsfähigkeit der Schule für 15 Jahre gewährleistet sei. Das sei jedoch nicht der Fall. Auch wenn die Schule gerade gut ausgelastet sei, könne sich das in naher Zukunft wieder ändern, so Sabine Schwarz. Bereits vor fünf Jahren stand die Existenz der Schule auf der Kippe. Laut Aussage der Hauptamtsleiterin gehe es auch nicht um eine Bevorzugung von Zehna. "Beide Schulen haben völlig unterschiedliche Einzugsbereiche. Zehna ist zudem eine Regionale Schule und Lüssow eine Grundschule."

"Wenn langfristig nichts getan wird, haben wir Angst, dass die Schule über unserem Kopf zusammenfällt", sagt Schulleiterin Roswitha Schlesiger. In ihrer Kritik gegenüber dem Amt nimmt sie sich im Gegensatz zu Zander aber deutlich zurück: "Die Zusammenarbeit mit dem Amt ist ausgesprochen gut. Erst vergangenes Jahr wurden die Sanitärräume erneuert. Ausbesserungsarbeiten gibt es immer wieder. Der Unterricht ist gewährleistet." Doch das reicht auf Dauer nicht bei dem maroden Zustand des letzten DDR-Schulneubaus im Bezirk Schwerin 1988. Für Schlesiger ist klar: "Die Fassade muss renoviert werden. Die Fugen zwischen den Betonplatten bröckeln weg. Wir haben Angst, dass auf der Wetterseite Wasser eindringt", sagt sie. "Wir fordern keine Millionen. Das ist kein Wunschkonzert, aber die notwendigen Sachen sollten in Ordnung gebracht werden." In der Sportbaracke fehle zudem ein Prall- und Schallschutz.

Diese äußeren Mängel hält auch eine externe Untersuchung der Schule fest, zeichnet für die Grundschule aber sonst ein rundum positives Bild. Als besondere Stärken werden in dem Bericht u.a. die guten Kompetenzen der Schüler, das sehr gute Unterrichtsklima sowie die professionelle Zusammenarbeit der Lehrer hervorgehoben. "Das macht uns sehr stolz", so Roswitha Schlesiger. Dennoch seien Investitionen notwendig, wenn das Schulgebäude erhalten werden solle, heißt es in dem Bericht. Die Schulleiterin ist frohen Mutes. Besuchen bisher 77 Grundschüler die Lüssower Schule, steigen die Zahlen im Moment. "Wir haben zahlreiche Anmeldungen für das nächste Schuljahr und hoffen, die 80 zu knacken", sagt sie.