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Naturschutzgebiet Krakower Obersee Vogelwelt beobachten, Natur erleben

Von rmai | 11.02.2014, 20:00 Uhr

Sebastian Lorenz betreut das Naturschutzgebiet Krakower Obersee /Rund 15 000 Gänse haben am See Winterquartier bezogen

„Hier hat man wohl den schönsten Blick auf den See“, sagt Sebastian Lorenz. Stille Begeisterung liegt dabei auf seinem Gesicht. Ein kleiner Rastplatz liegt an der Straße von Mölln nach Bossow. Für den 36-Jährigen ist es u.a. ein idealer Platz, um im Winter Wasservögel zu zählen. „Zurzeit sind es um die 15 000 Gänse, die zum Abend aus Norden kommen, hier einfallen und die Nacht hier verbringen“, berichtet der neue Betreuer des Naturschutzgebietes Krakower Obersee. Es sei ihm eine Herzensangelegenheit, die Arbeit von Wolfgang Neubauer nach dessen Tod fortzuführen. Dafür nimmt er einige Mühen in Kauf, denn Sebastian Lorenz lebt mit der Familie in Greifswald, verbringt aber viel Freizeit am Krakower Obersee.


Wolfgang Neubauer war sein Biologielehrer

Biologie und Ornithologie hatten ihn schon immer interessiert. „Wolfgang Neubauer war mein Biologielehrer“, erklärt Sebastian Lorenz. Scherzhaft habe dieser später gern gesagt, dass sie beide zusammen zur Schule gegangen seien, nur das der eine gesessen und der andere gestanden habe. Nach dem Abitur absolvierte der Krakower seinen Zivildienst bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, lernte viel von Joachim Loose. Seit 1997 ist er am Krakower Obersee unterwegs. Sebastian Lorenz begleitete Wolfgang Neubauer und lernte viel von ihm. In Greifswald studierter er Geografie, beschäftigte sich für die Diplomarbeit mit dem Wasserspiegel des Krakower Obersees und später bei der Doktorarbeit mit einem etwas weiter gefassten Gebiet. „Es ging um die Entwicklung des Gewässernetzes bis hin zum Mildenitz-Durchbruchstal“, erklärt er. Heute arbeitet er an der Greifswalder Uni im Institut für Geografie und Geologie.

Den Zählungen im Winter folgen im Frühjahr die Beobachtungen des Brutgeschehens am See. Wer brütet hier? Wie viele Brutpaare gibt es? Viel Erfahrung, die Sebastian Lorenz inzwischen schon gesammelt hat, gehört dazu, um hier und dort Nester zu entdecken oder zu hören, wer irgendwo in der Nähe ein Nest haben muss. Im Mai/Juni wachsen die Gössel heran und die Wasservögel kommen in die Mauser, heißt, die wechseln in Federkleid. „Insbesondere auch die Schwungfeder. Das heißt, dass sie in der Zeit nicht fliegen können und darum einen ungestörten Platz benötigen. Den haben sie hier auf dem See mit den vielen Inseln und Buchten“, betont Sebastian Lorenz. Im Juli und August könne man große Trupps von Reiher- und Tafelenten beobachten und im September/Oktober bestimme der Vogelzug das Geschehen. Danach sei es relativ leer auf dem See bis die Gänse (Saat- und Blessgänse, auch mal Weißzungengänse) und die Schwäne (Zwerg- und Singschwan) aus Skandinavien kämen. „Im März/April sind sie wieder weg“, berichtet der 36-Jährige.


Tradition der Exkursionen auf dem See fortführen

Die Faszination seiner „Arbeit“ als Betreuer sieht er in dem Mix aus der Beobachtung der Vogelwelt und dem Erleben der Jahreszeiten und der damit einhergehenden Veränderungen in der Natur sowie der Tatsache, viel draußen sein zu können und sich dabei auch den Wind mal so richtig um die Ohren blasen zu lassen.

Sehr wichtig und sehr lieb sind dem Wissenschaftler Vorträge über seine Reisen (z.B. heute im Karower Meiler über eine geowissenschaftliche Expedition in der Mongolei) und Ausstellungen. Unbedingt möchte er Exkursionen auf dem Krakower Obersee, die sein Vorgänger über viele Jahre angeboten hat, fortführen. „Nur was der Mensch kennt, kann er auch wertschätzen und beschützen“, denkt Sebastian Lorenz, der sich nicht allein als „Herr des Obersees“ sieht. Viel Unterstützung bekomme er durch die Botanikfachgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) und den Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide. Der habe jüngst erst dafür gesorgt, dass auf dem Großen Werder eine Schutzhütte für die Vogelbeobachtung erneuert wurde. Die Lachmöwenkolonie ist so etwas wie das Markenzeichen dieser Insel.